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Geldanlage : Tagesgeldzinsen auf Rekordtief

  • -Aktualisiert am

Mehr als Kleingeld gibt es nicht: Tagesgeld wird kaum verzinst Bild: Coverpicture

Obwohl sich die Wirtschaft im Euroraum stabilisiert hat und nicht weiter schrumpfen sollte, bleiben die Zinsen vorerst niedrig. Umso wichtiger ist die richtige Wahl der Bank.

          Die Durststrecke in der Geldanlage setzt sich vorerst fort. Tagesgeldkonten waren in Deutschland noch nie so niedrig verzinst wie heute. Im Durchschnitt zahlen die Banken auf Einlagen, die ihre Kunden jederzeit abziehen können, nur noch 0,7 Prozent. Das ist ein ganzer Prozentpunkt weniger als noch vor zwei Jahren. Und zu Beginn der Finanzkrise lagen der Durchschnittswert sogar für kurze Zeit um fast drei Prozentpunkte höher.

          Inzwischen sind allerdings Inflationsraten und auch die Leitzinsen wesentlich niedriger. Und so erhält der Sparer für eine Einlage von 10.000 Euro in Deutschland bei einem durchschnittlichen Tagesgeldkonto nur noch einen jährlichen Zins von 70 Euro. Und selbst das ist nicht bei allen Banken der Fall. Mehr als 400 deutsche Banken zahlen nach Beobachtung des Vergleichportals Verivox derzeit überhaupt keinen Zins für Tagesgeldkonten, auf denen nur geringe Summen liegen. Und auch für höhere Einlagen betragen die Zinsen bei vielen Banken nicht mehr als 0,1 oder 0,2 Prozent.

          Eine längere Frist ist eine Möglichkeit

          Ein Wechsel kann sich deshalb lohnen, denn die günstigsten Anbieter verzinsen ihre Tagesgeldkonten immerhin so hoch, dass die Erträge zumindest vor Steuern für einen Inflationsausgleich reichen. Die Teuerungsrate betrug in Deutschland für die vergangenen zwölf Monate zuletzt 1,4 Prozent. Die Renault-Bank und Rabo-Direct bieten derzeit Konten mit einer Verzinsung von 1,5 Prozent an. Auf den Plätzen Moneyou und Ikano mit einem jährlichen Zins von 1,45 beziehungsweise 1,4 Prozent.

          Magere Tagesgeld-Zinsen

          Es gibt zwar auch einige Banken die für Neukunden deutlich höhere Sätze von bis zu 4 Prozent ausschreiben. Doch dabei handelt es sich meist um kombinierte Produkte, die mit Nachteilen verbunden sind. Ein Teil des Geldes fließt auf ein für wenige Monate attraktiv verzinstes Tagesgeldkonto, ein weiterer Betrag muss jedoch in kostspielige Fondsanlagen investiert werden. Wer die damit verbundenen Kosten und Risiken nicht eingehen will, muss sich wohl oder übel mit dem begnügen, was der Markt derzeit hergibt, auch wenn sich damit keine Reichtümer erwirtschaften lassen.

          Eine Möglichkeit, an höhere Zinserträge zu kommen, ist eine längere Frist. Doch das lohnt sich bei den Produkten der Banken derzeit nur, wenn das Geld für mindestens ein Jahr angelegt werden kann. Wer nur drei oder sechs Monate sicher auf sein Geld verzichten kann, bekommt bei entsprechenden Festgeldangeboten derzeit höchstens 1,35 beziehungsweise 1,5 Prozent – und das auch nur bei den günstigsten Anbietern. Interessant wird es ab einem Anlagehorizont von mindestens einem Jahr.

          Sparer sollten auf die Einlagensicherung achten

          Die Garanti-Bank verzinst eine für zwölf Monaten festgelegte Summe derzeit mit 1,75 Prozent. Allerdings muss der Sparer mindestens 2600 Euro mitbringen. Bei einer Festlegung auf zwei Jahre steigt der jährliche Zins bei Deniz-Bank, Vakif-Bank und Garanti-Bank immerhin auf 1,9 Prozent. Die zwei vor dem Komma gibt es jedoch erst bei noch längeren Laufzeiten, die viele Sparer hierzulande nur ungern wählen. NIBC Direct lockt mit 2,15 Prozent bei einer dreijährigen Laufzeit und für eine vierjährige Bindung steigt der Zins bei der IKB auf 2,2 Prozent bei der Bigbank sogar auf 2,5 Prozent. Das ist immerhin deutlich mehr als der deutsche Staat für seine Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit aufbringen muss.

          Bei der Auswahl der Banken sollten sich die Sparer auch für die Einlagensicherung interessieren. Die gesetzlichen Garantien gelten zwar für alle Banken. Danach sind Einlagen bis zu 100.000 Euro gesichert. Aber bei ausländischen Banken die hierzulande anbieten hätte der Sparer es im Fall der Fälle nicht mit deutschen Behörden zu tun, sondern mit solchem im Land, in dem die Bank ansässig ist. Zudem sind viele hiesige Banken freiwillig in zusätzlichen Sicherungseinrichtungen. So haben die Sparkassen und die Volksbanken über ihre Bankengruppen gegenseitige Stützungszusagen organisiert, die in der Höhe nicht begrenzt sind. Eine zusätzliche Sicherung gibt es auch für die privaten deutschen Banken. Wie hoch die Sicherungszusage im Einzelfall ist, lässt sich unter anderem über die Internetseite des Bankenverbandes abfragen.

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