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Wichtigste Renditen der Welt : Sichere Anlagen sind nicht sicher

Risiko bringt stabilere Renditen

Hoch interessant ist der anschließende Vergleich von Renditen sicherer und riskanter Anlagen. Hierzu fügen die Autoren die Renditen für Geldmarktpapiere und Staatsanleihen zu einer Rendite für sichere Anlagen zusammen, während sich aus der Zusammenführung der Renditen von Aktien und Wohnimmobilien eine Rendite für riskante Anlagen ergibt. Nicht erstaunlich ist der Befund, dass die reale Rendite auf riskante Anlagen die reale Rendite auf sichere Anlagen über die vergangenen eineinhalb Jahrhunderte übertroffen hat. Das war zu erwarten; schließlich sollten riskante Anlagen auf lange Sicht als Kompensation für das Risiko eine höhere Rendite abwerfen. Erstaunlich ist vielmehr, dass die Rendite für riskante Anlagen im Zeitablauf sehr viel weniger geschwankt hat als die Rendite für sichere Anlagen.

Bild: F.A.Z.

Das führt zu starken Schwankungen des Abstands der beiden Renditen, der in der Fachsprache gewöhnlich als Risikoprämie bezeichnet wird. Je größer der Abstand ist, umso mehr Renditeaufschlag erwarten Anleger von einem Wechsel von sicheren in riskante Anlagen. Unmittelbar einsichtig sind hohe Risikoprämien im Umfeld der beiden Weltkriege, aber es ist aus Sicht der Autoren bemerkenswert, wie langsam sich die Risikoprämie in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, also in der Zeit des Wirtschaftswunders und stark steigender Einkommen, abgebaut hat. Noch viel erstaunlicher: „Diese Zeit hoher Risikoprämien fiel mit einer bemerkenswert niedrigen Zahl systemischer Bankenkrisen zusammen. Tatsächlich hat es im Zeitraum zwischen 1946 und 1973 keine einzige solche Krise gegeben. Im Gegensatz dazu tauchen Bankenkrisen häufiger auf, wenn die Risikoprämien niedrig sind.“

Risikoprämie bleibt unter dem Durchschnitt

Auch die Daten aus der jüngeren Vergangenheit bieten Stoff für Diskussionen. Unter Ökonomen wird seit einigen Jahren die These vertreten, unsere Zeit sei durch starke geldpolitische Verzerrungen gekennzeichnet, als deren Folge die Renditen für sichere Anlagen künstlich niedrig seien, während die Renditen für riskante Anlagen unverändert hoch geblieben seien.

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In diesem Fall müsste in unserer Zeit eine im historischen Vergleich sehr hohe Risikoprämie zu beobachten sein. Aber die Daten von Schularick & Co. bestätigen dies so nicht. Weder sind die Renditen für sichere Anlagen im historischen Vergleich extrem niedrig, noch sind die Renditen für riskante Anlagen unverändert hoch geblieben. Im historischen Vergleich ist die Risikoprämie in der jüngeren Vergangenheit unter ihrem Durchschnitt geblieben.

Piketty hat Recht

Ihre einzigartige Datenbasis über die Renditen auf Anlagen erlaubt es den Autoren auch, sich mit einer populären Streitfrage der vergangenen Jahre zu befassen. Der französische Ökonom Thomas Piketty hatte in einem vor drei Jahren erschienenen Buch die These vertreten, die Ungleichheit habe in den Industrienationen zugenommen, weil die Kapitalrendite höher sei als die Wachstumsrate der Wirtschaft.

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In einem solchen Falle entfällt im Laufe der Zeit ein wachsender Teil der Wirtschaftsleistung auf die Vermögensbesitzer. Mit sehr viel besseren Daten als Piketty ausgestattet, zeigen sie, dass in den vergangenen 150 Jahren die Rendite auf das Kapital – hier fassen die Autoren ihre vier Anlageklassen zu einer Größe zusammen – deutlich höher gewesen ist als die Wachstumsrate der Wirtschaft. In der jüngeren Vergangenheit dürfte die schwache Entwicklung der Produktivität zu diesem Befund beigetragen haben.

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