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Teure Heimatliebe : Deutschen Anlegern entgehen 16 Milliarden Euro

Eine der Lieblingsinvestitionen der Deutschen: Mercedes-Benz, hier das Werk in Bremen. Bild: Daimler AG

Auch Profis machen immer wieder diesen Fehler: Sie blicken nicht in die Ferne, sondern setzen auf heimatnahe Geldanlage.

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          Die Allianz liegt uns näher als Ping An Insurance, Daimler näher als Geely. Auch in der Geldanlage. Ein teurer Fehler, wie nun eine der F.A.Z. vorab vorliegende Studie von Olaf Stotz, Inhaber der Professur für Asset Management und Pension Economics an der Frankfurt School of Finance and Management, im Auftrag von Nomura Asset Management Europe zeigt. Untersucht hat er die Geldanlage deutscher institutioneller Investoren, die insgesamt 600 Milliarden Euro in Aktien angelegt haben.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und was machen die Versicherer und Pensionskassen mit dem Geld ihrer Kunden? Sie legen es vor allem heimatnah an. 15 Prozent des Aktienkapitals floss in deutsche Unternehmen. Im Weltmaßstab machen deutsche Aktien aber nur einen Anteil von 2 Prozent aus. Die Differenz von 13 Prozent wird in der Fachsprache „Home Bias“ genannt, also einseitige Ausrichtung auf den Heimatmarkt. Fasst man die Heimat etwas größer und nimmt den Euroraum hinzu, so legen die deutschen Profi-Anleger dort 38 Prozent des ihnen anvertrauten Geldes an, doch im Weltmaßstab machen europäische Unternehmen an den Weltbörsen nur gut 9 Prozent aus – ein Home Bias von 29 Prozent.

          Nun könnte man sagen: Warum nicht? Die hiesigen Unternehmen kennt man besser, liest mehr über sie, hat vielleicht schon mal die Fabrik besichtigt oder weiß von jemandem, der dort arbeitet. Aber ob man deshalb den Werdegang des Unternehmens besser einschätzen kann? Die Finanzmarkttheorie sagt, das kann man nicht. Dafür müsste man auch die Konkurrenzunternehmen in China, Indien, Mexiko oder Australien beurteilen. Olaf Stotz hat das in Zahlen gegossen. Zehn Jahre zurückgerechnet, haben die deutschen Profi-Anleger eine Rendite von gut 9 Prozent erwirtschaftet. Der Weltaktienmarkt gemessen am MSCI World lieferte indes im Schnitt eine Rendite von 11 Prozent im Jahr. Macht ein Minus von 1,8 Prozent wegen des Übergewichts in deutschen und Euroland-Aktien.

          „Free Lunch“ wird liegengelassen

          Hinzu kommt ein zweiter Preis, den Stotz als „free lunch“ der Märkte bezeichnet: Risikostreuung. Die Fokussierung auf den deutschen und europäischen Markt hat das Portfolio stärker schwanken lassen, ohne dass es dafür eine höhere Entlohnung gab. Eine breitere Streuung wäre besser gewesen. Das kostet noch mal fast 1 Prozent Rendite. Unterm Strich gehen so Jahr für Jahr 2,7 Prozentpunkte Rendite verloren wegen des starken Fokus vor allem auf deutsche, aber auch europäische Aktien. Gemessen an den 600 Milliarden Euro sind dies 16 Milliarden Euro im Jahr.

          Die Berechnungen basieren auf Daten der Deutschen Bundesbank. Fondsgesellschaften melden ihr monatlich ihre Portfolioaufstellung. Demnach sind die deutschen Profi-Anleger vor allem in amerikanischen Aktien untergewichtet, aber auch in chinesischen und indischen.

          Für Privatanleger gibt es nicht genug Daten. Der Blick auf die Handelsstatistiken der Börse Tradegate zeigt jedoch regelmäßig ein Übergewicht in deutschen Aktien. Muss das immer schlecht sein? Kann es nicht auch einen Heimvorteil geben? „Zufällig in einzelnen Jahren kann das Ergebnis auch besser ausfallen“, sagt Stotz. „Auf lange Sicht wird das höhere Risiko aber nicht belohnt.“

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