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Geldanlage : Finger weg von Mischfonds!

  • -Aktualisiert am

Mischfonds halten oftmals nicht das, was sie versprechen. Bild: iStock

Ein Portfolio soll möglichst breit aufgestellt werden, heißt es immer. Doch Vorsicht: Wer zu viel mischt, der verliert Geld.

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          Gehen wir einmal davon aus, dass jemand seine Arbeit eifrig und korrekt erledigt. Dann hat er richtig gehandelt, aber er hat nicht unbedingt das Richtige getan. Gleiches gilt auch für die Geldanlage: Es genügt nicht, etwas richtig zu machen – im Sinne von fleißig. Sondern man muss das Richtige machen – im Sinne von nützlich und zielführend.

          Im aktuellen Niedrigzinsumfeld werden verstärkt Investmentfonds, Mischfonds und Multi-Asset-Fonds angeboten, die dem Privaten in einem einzigen Anlagevehikel eine Diversifikation über unterschiedliche Anlageklassen ermöglichen. Dies mit der scheinbar plausiblen Argumentation, dass der Anleger bequem in einem Produkt den handwerklich bestmöglichen Mix über verschiedene Anlageklassen habe. Bislang wurden solche Mischprodukte überwiegend als aktiv gemanagte Fonds angeboten, vereinzelt kommen nun auch passive Fonds (ETF) hinzu.

          Mit etwas Abstand betrachtet, muss man jedoch kritisch hinterfragen, ob es aus Anlegersicht sinnvoll ist, dass Misch- oder Multi-Asset-Fonds eine Optimierung auf unterster Ebene vornehmen. Nützt es wirklich, dass in einem Produkt eine Diversifizierung von Anlageklassen erfolgt? Was vordergründig sinnvoll und plausibel erscheint (und den Fondsgesellschaften in der Regel höhere Gebühren verschafft), das erweist sich mit etwas gedanklichem Abstand als eher nachteilig. Schaut man auf die nächsthöhere Ebene, nämlich auf das gesamte Anlageportfolio oder Depot des Anlegers, so kann es gut, sein, dass sich neben einzelnen Aktien und Anleihen sowie aktiven oder passiven Aktien- oder Rentenfonds auch ein oder mehrere Misch- oder Multi-Asset-Fonds befinden, die ihrerseits Aktien und Anleihen enthalten. Im Falle der Multi-Asset-Fonds sogar noch weitere Anlageklassen wie Rohstoffe und Währungen. Und dies oft noch in unterschiedlichen Anteilen.

          Für einen Durchschnittsanleger nicht realistisch

          Klar ist, dass eigentlich die Bildung eines diversifizierten Portfolios unter Berücksichtigung der Ziele des Anlegers die richtige Gestaltungsebene darstellt. Und dass die Verwendung von Mischprodukten – womöglich mehreren verschiedenen – es dem Anleger nicht etwa leichter, sondern schwerer macht, ein ausgewogenes Portfolio auf Depotebene zu erzeugen. Er müsste zum Beispiel die jeweiligen Aktien- und Rentenanteile der Mischfonds herausrechnen. Ebenso müsste er für eine sinnvolle Diversifikation innerhalb der Anlageklasse Aktien die Anteile verschiedener Branchen oder Regionen innerhalb der Mischprodukte identifizieren und im Verhältnis zum Gesamtportfolio darstellen. Es ist eher nicht realistisch, dass dies ein Durchschnittsanleger versucht, geschweige denn, es ihm gelingt. Was also auf Ebene des Einzelproduktes bequem und effizient wirkt, erweist sich auf Ebene der gesamten Portfolios oder Depots als hinderlich und unkomfortabel.

          Um es mit einem einfachen Bild auszudrücken: Wenn man sein Gulasch mit Salz, Pfeffer und Paprika würzt, dann hat man noch die Übersicht. Fügt man dann aber noch die eine oder andere Gewürzmischung hinzu, die ihrerseits auch wieder Salz, Pfeffer und Paprika enthält, kann man am Ende nur mit viel Mühe sagen, wie viel von jedem Gewürz enthalten ist. Und das Gulasch kann schnell versalzen oder überpfeffert sein.

          Die überraschende Schlussfolgerung lautet also: Scheinbar bequeme, risikostreuende Einzelanlagen stehen dem Aufbau eines risikoeffizienten Gesamtportfolios eher entgegen. Sie eignen sich – von den Kosten ganz abgesehen – nur für einen Sparer, der eine einzige Anlage, nämlich dieses Mischprodukt, besitzt. Wenn die Kosten stimmen, kann es die ideale Lösung für junge Menschen sein, die am Anfang ihres Vermögensaufbaus stehen und monatlich in einen aktiven oder passiven Misch- oder Multi-Asset-Fonds investieren.

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