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Überschätzte Renditen : Trau keinem Analysten!

Wie wird sich die Aktie entwickeln? Auch Analysten liegen nicht immer richtig. Bild: dpa

Die Finanzprofis liegen regelmäßig daneben, wenn sie die Gewinne von Unternehmen vorhersagen. Das hat vor allem für Anleger unangenehme Folgen – gerade jetzt.

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          Thyssen-Krupp hat es am stärksten erwischt. Um 40 Prozent kappten die Analysten in den vergangenen Wochen ihre Erwartungen für den Gewinn 2019. Die Aktienkurse fielen kräftig mit und liegen nun 30 Prozent tiefer als noch im Februar. Das ist sicher Folge der besonderen Probleme des Stahlunternehmens, das Streit mit aktivistischen Investoren, einen Chefwechsel und die gescheiterte Fusion mit dem indischen Konkurrenten Tata verkraften musste. Aber es traf längst nicht nur Thyssen. Zuletzt stutzten die Analysten die Gewinnprognosen für 21 von 30 Dax-Unternehmen teilweise zweistellig nach unten. Besonders heftig traf es dabei BMW, die Deutsche Bank, RWE und Covestro. Die Aktionäre litten wegen entsprechender Kursverluste ihrer Aktien kräftig mit.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das zeigt: Die Gewinnprognosen haben einen wichtigen, ja sogar den wichtigsten Einfluss auf die Renditen, die Anleger mit Aktien erzielen. Sie müssen die Schätzungen daher besonders stark im Blick haben. Die jüngsten Korrekturen der Erwartungen könnte man nun abtun mit dem Hinweis, dass sich ja auch die Wirtschaftskonjunktur in Deutschland und der Welt abkühlt und dass dies natürlich auch die Gewinne der Unternehmen schmälert. Aber das ist zu einfach. Es ist ein Fakt, dass die Prognosen immer zu optimistisch ausfallen und im Laufe des Jahres fast immer nach unten korrigiert werden, egal, wie es der Gesamtwirtschaft geht. Und jede Korrektur ist dann mit Aktienkursverlusten verbunden. „In den vergangenen 30 Jahren wurden die Ergebniserwartungen fast nie erhöht, sondern fast immer gesenkt“, sagt Andreas Hürkamp, Chefstratege für deutsche Aktien bei der Commerzbank.

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