https://www.faz.net/-hbv-a4xiq

Gegen den ETF-Trend : Plädoyer für aktives Investieren

Eine Einzelaktie wie BASF ist immer noch greifbarer als ein Fonds. Das macht das Festhalten einfacher. Bild: obs

Der ETF als Abbild eines Marktes wird seit Jahren als kostengünstiges Non-plus-ultra des Anlegens propagiert. Der Vermögensverwalter M.M. Warburg meint: Das geht besser. Und setzt auf Einzeltitel.

          2 Min.

          Der Trend zu passiven Anlageprodukten ist ungebrochen. Lohnt sich überhaupt noch eine Geldanlage in Einzeltiteln? Ja, meint Daniel Hupfer, Leiter des Portfoliomanagements bei M.M.Warburg & Co. „Gegen die Marktmechanik kann man sich nicht wehren. Aber man kann daraus Schlüsse ziehen und sie für sich nutzen.“ Man müsse erst beobachten, wie die passive Geldanlage funktioniere. Dann schaue man sich an, wie das Geld fließe und was am Aktienmarkt laufe. Und schließlich nutze man das aktiv zu seinem Vorteil.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Ein Einzeltitelansatz ist ja weniger breit“, sagt Hupfer. „Wenn also wie in jüngster Zeit, nachhaltige Geldanlagen sehr gefragt sind, bauen wir nicht etwa den Index nach. Sondern wir schauen uns die Indizes an und bauen die attraktivsten Titel in unsere Portfolien ein.“ Das mache die Direktanlage in den meisten Märkten interessanter und dort wo man keine eigenen Analysekapazitäten habe, aber investiert sein wolle, könne man ja immer noch passive Produkte einsetzen. In der Corona-Krise sei man damit bislang gut gefahren.

          „Es gab viel Diskusssionsbedarf. Aber das Gute an einem Einzeltitelansatz ist, dass man Anlageentscheidungen gut erklären kann. Das ist ein psychologischer Vorteil, denn so kommt man emotional leichter durch eine Krise.“ Das gelte natürlich vor allem für die individuelle Vermögensverwaltung. Bei der fondsgebundenen Verwaltung kleinere Vermögen sei das schwieriger. „Marktbezogene Anlagen und ETF werden in solchen Zeiten verhältnismäßig rasch über Bord geworfen. Es gelten zwar im Grunde die gleichen Argumente wie für eine Einzeltitelauswahl, aber ETF sind weniger emotional und weniger greifbar.“

          Anleihen in kleinen Stückchen

          Auch in anderer Hinsicht sei ein Einzeltitelansatz in den vergangenen Monaten einfacher gewesen, weil es sich damit leichter bei Krisengewinnern positionieren ließ. Der große Trend seien indes nachhaltige Anlagen im großen Themenkomplex ESG, also des umweltfreundlichen, sozial verantwortlichen und an Grundsätzen guter Unternehmensführung orientierten Investierens. „Aktien, die einen hohen Stellenwert in puncto Nachhaltigkeit haben, sind gesucht“, sagt Hupfer, mahnt aber doch zu Augenmaß. „Da wird dann auch weniger intensiv auf Finanzdaten geschaut. Fondsanlagen boomen und da sollte man Vorsicht walten lassen, denn das wird auch ausgenutzt.“

          Nicht ganz so einfach sei es mit dem Einzeltitelansatz bei Anleihen, räumt Hupfer ein. „Die großen Stückelungen sind ein Problem, will man auf der Rentenseite kein Einzeltitelrisiko eingehen.“ Warburg macht sich daher zunutze, dass die Stückelung für den Handel, nicht aber für den Besitz gilt und verteilt die erworbenen Anleihen anteilig auf die entsprechenden Depots. „Bei den Käufen funktioniert das noch vergleichsweise problemlos, aber Verkäufe muss man sammeln, was mühselig und aufwendig ist. Aber es lohnt sich. Bei Neuemissionen etwa erzielen wir doch ganz ordentliche Zeichnungsgewinne.“

          Das Beratungsgeschäft sei da problematischer. Der Trend zu ETF und Fonds, die ihrerseits jedoch immer mehr derivative Bestandteile enthielten, stelle hohe Anforderungen. „Der Anleihenmarkt ist aber mehr denn je ein institutioneller Markt. Privatanlegern bleibt im Grunde nur noch der ETF, wenn sie mit Anleihen die Volatilität verringern wollen, denn laufende Renditen bringen diese ja kaum noch.“

          Da sei die Vermögensverwaltung im Vorteil, denn die können noch Gelegenheiten nutzen wie etwa den Erwerb von Anleihen ohne Rating oder Euro-Anleihen aus Indonesien oder Mexiko, wo die Zinsen noch vergleichsweise auskömmlich seien. „Ein Einzeltitelansatz erspart obendrein laufende Kosten, ist deutlich flexibler und das Risiko bestimmbarer“, zählt Hupfer Vorteile auf. Mitbringen müssen Kunden dafür ausreichend Vermögen, am besten in sechsstelliger Höhe, und zum anderen Zeit. „Wer kurzfristiger anlegt, greift doch besser zum ETF“, sagt Hupfer.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.