https://www.faz.net/-hbv-9fbl4

Gefährliche Goldverstecke : Lohengrin, eine aufgebohrte Wand und 20 Goldbarren

Goldbarren in der Wohnung zu horten, ist meist keine gute Idee. Bild: dpa

War­um man als An­le­ger sein Gold viel­leicht doch bes­ser nicht zu Hau­se auf­be­wah­ren soll­te. Eine 78 Jahre alte Dame aus Wien dient hierzu als gutes Beispiel.

          Eine Wohnung ist nicht Fort Knox. Seit das Misstrauen vieler Menschen gegenüber den Banken zugenommen hat, erfreuen sich die eigenen vier Wände als Lagerstätte für hochpreisige Edelmetalle offenbar einer erstaunlichen Beliebtheit. In einer Umfrage sagte jüngst jedenfalls eine große Zahl von Deutschen, sie würden Goldbarren am liebsten an einem sicheren Ort daheim aufbewahren, notfalls auch in Schubladen oder Dosen, oder sonst im Garten vergraben. Nun, nicht dass hier plumpe Werbung für die gegen Geld zur Verfügung gestellten Schließfächer kommerzieller Bankunternehmen gemacht werden soll. Aber es gilt doch von Vorgängen zu berichten, die zumindest nahelegen, dass man sein Gold vielleicht doch besser nicht in der Wohnung aufbewahren sollte. Eine ältere Dame aus dem schönen Wien jedenfalls musste da äußerst unerfreuliche Erfahrungen machen, wie bei einem Strafprozess gegen einen der Beteiligten unlängst herauskam.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Andere Fälle dieser Art endeten für die Opfer sogar noch schlimmer. Die 78 Jahre alte Dame aber wurde immerhin um 20 Kilogramm Gold im Wert von rund 700.000 Euro erleichtert. Und dabei half den mutmaßlichen Tätern ausgerechnet ein Freund der Frau, ein 42 Jahre alter Rechtsanwalt. Die Dame hatte den Herrn nach einer Opernaufführung von „Lohengrin“ mit Anna Netrebko in der Rolle der Elsa von Brabant in der Dresdner Semperoper kennengelernt. Die beiden fuhren im Bus zusammen zurück und unterhielten sich angeregt über die Aufführung. Sie erzählte ihm von Opernstars aus den 60er Jahren, die sie noch persönlich gekannt habe. Auf jeden Fall entwickelte sich eine Bekanntschaft und beide reisten zusammen zu Aufführungen auch in andere Städte.

          Leichtsinnigerweise erzählte die Dame ihrem Bekannten irgendwann davon, dass sie daheim Goldbarren besitze, und zwar von nicht unerheblichem Werte. Der Mann aber behielt sein Wissen nicht für sich, sondern gab die Information an einen Bekannten weiter, wie es im Prozess hieß, den er von gelegentlichen Besuchen in einer Pizzeria gekannt haben soll. Und irgendwie hat der Anwalt auch noch Fotos von der Alarmanlage der Dame gemacht und diesem Bekannten zukommen lassen. Er organisierte auch noch einen Zweitschlüssel zur Wohnung der Dame und lenkte diese an den entscheidenden Abenden mit Opernbesuchen und Weinproben ab. Dann schlugen die Täter zu. Beim ersten Versuch allerdings – und das spricht jetzt für das Goldversteck der Dame – wurden die Einbrecher bei ihrer Suche nach den Goldbarren in der Wohnung trotz allem nicht fündig. Und das, obwohl sie mit Hilfe des Anwalts ja extra freie Bahn bekommen hatten und stundenlang suchen konnten. Sogar von gezielten Probebohrungen in den Wänden berichten die österreichischen Zeitungen, von einem regelrechten „Aufstemmen“ des Putzes. Aber das alles nützte nichts.

          Trotzdem, für die Dame ging die Sache nicht gut aus. Der Anwalt legte noch mal nach. Er riet ihr, keine Anzeige zu erstatten. Und entlockte ihr auch noch das exakte Versteck. Das Gold befand sich im Wohnzimmerschrank. Aber nicht einfach so, sondern in einem speziellen Geheimfach an einer Seite. Auch dieses Wissen gab der Anwalt brühwarm an seinen Bekannten weiter. Gut zwei Wochen nach dem ersten Einbruch lenkte er die Dame abermals ab. Es kam zu einem zweiten Einbruch – und diesmal konnten die Täter mit zwanzig Goldbarren abziehen.

          Heraus kam das Ganze offenbar, weil die Ehefrau eines Involvierten dessen Handy mit dem Verdacht auf eine Affäre durchstöberte, auf Spuren der Tat stieß und sich an die Polizei wandte. Der Anwalt ist mittlerweile zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Andere mutmaßliche Beteiligte sollen sich mit dem Gold abgesetzt haben. Die alte Dame aber äußerte sich nicht nur menschlich sehr enttäuscht von ihrem Opernfreund – sie leidet auch immer noch sehr unter der Angst und dem Unsicherheitsgefühl.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wenn Details stören : Weiß die SPD, was Hartz IV ist?

          Mit ihrem neuen Sozialstaatskonzept schielt die Partei auf Wähler. Besser wäre, sie schaute auf die Wirklichkeit. Denn die Statistiken verraten so einiges über Hartz IV – sowohl positive als auch negative Entwicklungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.