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Gebühren für Privatanleger : Hilfe, Finanztransaktionssteuer!

Bild: dpa

Die Politiker machen Ernst mit der Spekulationssteuer. Nicht nur professionelle Investoren sind betroffen. Die Steuer belastet auch Privatanleger erheblich.

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          Es war am späten Dienstagabend, als sich Michael Meister, seines Zeichens stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, mit einer denkwürdigen Mitteilung zu Wort meldete. „Finanztransaktionssteuer soll ohne Belastung von Sparern, Altersvorsorge und Realwirtschaft auskommen“, schrieb Meister auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und versuchte damit gleich zwei Dinge auf einmal. Zum einen tat er so, als sei es das Natürlichste von der Welt, dass die potentiellen Koalitionspartner CDU, CSU und SPD in großer Einigkeit eine neue Steuer einführen wollen. Und zum anderen suggerierte er: Diese Steuer wird niemandem weh tun. Was allerdings ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik wäre.

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn in Wahrheit hat die Finanztransaktionssteuer Auswirkungen, denen sich kaum ein Sparer entziehen kann. Unter der Hand räumen dies sogar manche Befürworter der Steuer ein. Was genau aber hat es damit nun auf sich? Nach dem Willen der Parteien soll in Zukunft bei jedem Kauf und Verkauf einer Aktie oder Anleihe eine zusätzliche Steuer von 0,1 Prozent anfallen, bei Derivaten sollen es 0,01 Prozent sein. Dies klingt erst einmal nicht nach viel. Teuer, so scheint es, würde es dann nur für all diejenigen, die ständig mit Aktien handeln - also beispielsweise für Banken und Hedgefonds.

          Selbst Indexfonds sind betroffen

          Doch tatsächlich ist die Rechnung ein wenig komplizierter. Schließlich kaufen nicht nur Banken und Hedgefonds Aktien, sondern auch andere Fonds, die einer grundsätzlich sehr sinnvollen Tätigkeit nachgehen: Sie kümmern sich um die Altersvorsorge der Deutschen. Jeder Sparer, der regelmäßig Geld in einen Riester-Sparplan einzahlt, investiert automatisch in sie. Und leidet - anders als behauptet - ebenfalls unter der Steuer. Eine Modellrechnung der Fondsgesellschaft Union Investment zeigt dies (siehe Grafik): Wer jeden Monat 100 Euro in einen Sparplan einzahlt und dies beispielsweise 20 Jahre lang tut, verliert durch die Steuer insgesamt fast 1800 Euro an Ertrag (vorausgesetzt, die jährliche Wertentwicklung des Fonds liegt bei fünf Prozent). Nun könnte man einwenden: Dann sollten Sparer eben besser in einen Fonds investieren, der seltener Aktien kauft und verkauft - schließlich geht Union Investment in der Rechnung von einem recht hohen Handelsvolumen aus.

          Auch mit dieser Strategie jedoch lässt sich der Steuer nicht entkommen. Denn jedem Fonds fließt auf der einen Seite regelmäßig frisches Geld von Anlegern zu, und auf der anderen Seite ziehen Anleger auch regelmäßig Geld ab. Für den Fondsmanager heißt das: Stets muss er Wertpapiere kaufen, um das neue Geld anzulegen, und stets muss er Wertpapiere auch wieder verkaufen, um Anleger auszuzahlen. Das bedeutet: Selbst wenn ein Fonds seine Aktienfavoriten selten wechselt, muss er dennoch häufig handeln.

          Bild: F.A.Z.

          Das gilt selbst für die beliebten Indexfonds (ETFs). Sie bilden die Entwicklung eines Aktienbarometers wie beispielsweise des Dax nach. Dazu kaufen sie die Aktien aller Unternehmen, die im Dax notieren, und gewichten sie entsprechend. Investieren nun mehr Anleger in einen ETF, fließt dieses Geld in zusätzliche Dax-Aktien - auch hier lässt sich die Steuer nicht umgehen.

          Frankreich ist vorgeprescht

          Es ist aber mitnichten so, dass nur Fondsbesitzer betroffen sind. Der Abschluss von Lebensversicherungen ist zwar eigentlich von der Steuer ausgenommen. Allerdings legen die Versicherungen die Kundengelder vor allem in Anleihen an. Bei jeder neuen Anleihe, die sie kaufen, fällt Transaktionssteuer an.

          Noch steht zwar nicht fest, wann genau die Steuer kommt: Schließlich soll sie einheitlich in elf EU-Staaten gelten. Frankreich aber ist bereits vor einem Jahr vorgeprescht. Erste Auswirkungen hat der Frankfurter Finanzprofessor Peter Gomber in einer neuen Studie untersucht. Sein Ergebnis: Seitdem greifen Investoren viel seltener zu den Aktien der 40 wichtigsten französischen Firmen. Weniger Handel führt aber in aller Regel zu stärkeren Kursausschlägen, unter denen wiederum alle Anleger leiden. Eine Steuer ohne Belastungen also? Bei genauerem Nachdenken dürfte nicht einmal Michael Meister daran glauben.

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