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Niedrigzins : Immer mehr Geldhäuser drehen an Preisschraube

Mehr Gebühren: Wegen der niedrigen Zinsen werden Konten der Frankfurter Sparkasse teurer. Bild: Kerstin Papon

Ein Ende der niedrigen Zinsen ist nicht in Sicht. Das zwingt Kreditinstitute zum Umdenken. So steigen Gebühren für das Girokonto. Jüngstes Beispiel ist die Frankfurter Sparkasse.

          Die Postbank tut es im November, die Berliner Sparkasse im Dezember. Andere Kreditinstitute schicken sich an, Ähnliches zu verkünden. Die Liste der Geldhäuser, die ihre Gebühren rund um das Girokonto erhöhen, wird immer länger. Allen gemein ist, dass sie diesen Schritt mit dem Marktumfeld und vor allem der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank begründen. Denn sie verdienen kaum noch Geld mit ihrem klassischen Zinsgeschäft. Doch im Detail zeigen sich die Finanzinstitute äußerst kreativ, wenn es darum geht ihren Kunden in die Tasche zu greifen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Jüngstes Beispiel ist die Frankfurter Sparkasse. Das fünftgrößte Institut der Sparkassengruppe gab am Freitag bekannt, zum Jahresbeginn 2017 „neue Kontomodelle und -preise“ einzuführen. Derzeit informiere das Institut mehr als 400.000 Privatkunden per Brief oder Kontoauszugsdrucker über die neue „Kontenwelt“. Die Kunden müssen schließlich grundsätzlich zwei Monate vor Inkrafttreten neuer Geschäftsbedingungen davon in Kenntnis gesetzt werden und haben das Recht zum Widerspruch.

          Grundlage der neuen Modelle der Frankfurter Sparkasse sei das Nutzerprinzip, sagte ein Sprecher des Instituts. Der Kunde könne künftig selbst bestimmen, welchen Preis er zahle. Dienstleistungen, die mit einem geringen Aufwand verbunden seien, blieben unentgeltlich oder gegen ein geringes Entgelt verfügbar. Kurz gefasst geht es darum, dass die Kunden für ein normales Konto künftig entweder eine monatliche Kontogebühr von 8,40 Euro oder aber für fast jede Bewegung auf dem Konto einen Postenpreis von 0,35 Euro zahlen müssen.

          Ähnliche Vorgehensweise bei vielen anderen Banken

          Diese Vorgehensweise ähnelt grundsätzlich den neuen Kontenmodellen anderer Kreditinstitute. Üblich sind derzeit zwei Trends: höhere Grundgebühren für Konten, bei denen vielen Leistungen inklusive sind – oder geringe monatliche Grundgebühren und viele zusätzliche Gebühren für Extra-Leistungen. Die Postengebühr der Frankfurter Sparkasse soll künftig für alle Buchungen im beleglosen Sepa-Zahlungsverfahren anfallen, wie es in einem Kundenbrief heißt. Dies gilt für jede Gutschrift wie den Gehaltseingang oder jede noch so geringe Rückbuchung bei einer Warenrückgabe im Geschäft. Aber auch fast jede Kontobelastung wird so noch einen Tick teurer – sei es der Dauerauftrag für die Miete, die regelmäßigen Lastschriften für den Strom, das Telefon oder die einzelnen Versicherungen und jedes Zahlen an der Supermarktkasse mit der Girokarte. Dabei gibt es derzeit einen Trend weg vom Bargeld, hin zum Zahlen mit der Karte.

          Davon unberührt bleiben bei der Frankfurter Sparkasse künftig nur Daueraufträge auf eigene Sparkonten und das Abheben am Geldautomaten. Hier kann der Kunde auch in Zukunft tun und lassen, was er möchte, solange dies freilich sein Konto hergibt. Es gibt gleichwohl inzwischen schon Kreditinstitute, die auch Gebühren erheben, wenn ein Kunde die Geldautomaten des eigenen Instituts zu häufig aufsucht, zum Beispiel die Kölner Bank und die Eckernförder Bank. Von den neuen Postengebühren befreit wird nach den Worten des Sprechers der Frankfurter Sparkasse freilich zudem die Belastung der Kontogebühren des Instituts beim Kunden sein.

          Die Sparkasse stellt ihren Kunden damit eine Rechenaufgabe: Fallen mehr als 24 Buchungen im Monat an, ist es für ihn rein rechnerisch besser, die Kontogebühr zu zahlen – andernfalls stellt er sich mit den Gebühren für die Einzelposten besser. Alternativ biete sich das Onlinekonto mit einer monatlichen Gebühr von künftig 2,50 Euro an, sagt der Sparkassensprecher. Hier kostet allerdings auch die zwei Jahre lang gültige Automatenkarte nun 6 Euro Gebühr. Bisher war die Führung des Onlinekontos zum Teil unentgeltlich, wie von Konten, die einen Geldeingang von regelmäßig mindestens 1300 Euro im Monat aufwiesen. Das gibt es nun nicht mehr.

          Gebühr für automatisierte Leistung zu teuer

          Nach den Worten von Max Herbst von der FMH-Finanzberatung ist die Erhöhung vorhandener Entgelte und das Bepreisen aller Kontoleistungen schon fast üblich. Dennoch seien 0,35 Euro für eine automatisierte Leistung zu teuer. Damit versuche man, einfache Leistungen mit einem Preis zu versehen, um kostenintensive Leistungen nicht erschreckend teuer zu machen und möchte zudem ein „Pseudokonto“ mit geringen Kosten im Angebot haben. Doch damit könnte sich manch ein Kunde verrechnen, sagt Herbst. Denn vermutlich habe ein Nutzer im Durchschnitt zehn bis 15 Kontobewegungen im Monat – und dann könne so ein Konto leicht teuer werden.

          Die Sparkasse begründet ihren Schritt wie andere Geldhäuser mit dem Nullzinsniveau und verweist daneben auf das sich ändernde Nutzerverhalten. „Unsere Kunden erwarten, dass ihre Frankfurter Sparkasse jederzeit für sie da ist – online und in der realen Welt“, sagt Robert Restani, der Vorstandsvorsitzende des Instituts. Doch die flächendeckende Präsenz, die Weiterentwicklung digitaler Angebote und die qualitativ hochwertige Beratung der Kunden hätten ihren Preis.

          Kostenlose Girokonten gibt es gleichwohl kaum noch. Die meisten der aktuellen rund 25 Angebote stammen von Direktbanken wie der ING Diba, Comdirect oder der Consorsbank. Doch auch hier ahnen nicht nur Fachleute, dass sich das auf absehbare ändern könnte, wenngleich diese Finanzinstitute kein teures Filialnetz zu unterhalten haben. Selbst die DKB hat vor kurzem an der Kostenschraube gedreht und das kostenlose Geldabheben an Automaten auf der ganzen Welt, mit dem diese Direktbank immer gewoben hat, zumindest eingeschränkt.

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