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Europäischer Impact-Fonds : Fondsverband will Privatanleger für Nachhaltigkeit gewinnen

Das Bild täuscht: bei Nachhaltigkeit und „Impact“ geht es um viel mehr als Windräder. Bild: dpa

Das große Trendthema in der Fondsbranche ist Nachhaltigkeit. Der deutsche Fondsverband BVI sieht zu viel Regulierung skeptisch - und will mit einem eigenen Fondskonzept punkten.

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          Die Bemühungen der EU um Schaffung eines umfassenden Rahmens für eine nachhaltige Wirtschaft, die sogenannte Taxonomie, beschäftigt die Vermögensverwaltungsbranche schon seit Jahren wie kaum ein anderes Thema. Denn schließlich ist einer der wesentlichen Ansatzpunkte die Finanzierung von Unternehmen und Projekten, bei der der Branche naturgemäß eine Schlüsselrolle zufällt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese unterstützt die Bemühungen, auch um den Prozess mitgestalten zu können – nicht zuletzt, weil man starre Vorgaben fürchtet. Die würden dazu führen, dass Anleger nicht mehr frei entscheiden könnten, worin sie investierten. Denn dadurch würde die Auseinandersetzung mit der Nachhaltigkeit der Unternehmen unterbunden und durch ein bloßes Abhaken regulatorischer Vorschriften ersetzt, argumentiert etwa der deutsche Fondsverband BVI. Letztlich würde damit der Wandel zu nachhaltigeren Anlagen an Schwung verlieren.

          Der BVI hat daher einen Vorschlag für ein neues Fondsvehikel auf den Weg gebracht. Die Grundidee des „European Impact Fund“ (EIF) ist denkbar simpel: Es handelt sich um einen ausgewogenen Mischfonds, der im Wesentlichen dem europäischen Rechtsrahmen OGAW (Ucits) für offene Investmentfonds folgt. Zur einen Hälfte soll ein EIF europäische „Impact-Anleihen“ enthalten, also Anleihen, die die EU zur Finanzierung grüner und sozialer Projekte begibt; zur anderen weitere Wertpapiere von EU-Unternehmen, mindestens 40 Prozent davon in Papiere kleiner und mittlerer Unternehmen, wobei Finanz-Unternehmen explizit ausgeschlossen sein sollen. Bis zu 10 Prozent des Fondsvolumens könnten in geschlossenen Fonds, etwa in Private-Equity-Fonds, gesteckt werden.

          Damit sollen drei Ziele verfolgt werden, sagt Markus Michel, Statistikexperte des BVI. „Erstens kann so die Nachhaltigkeit durch Erschließung privaten Kapitals gefördert werden. Zweitens würde so mehr privates Geld aus Einlagen und Versicherungen in die angestrebte Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen fließen. Drittens stünden die Beiträge der Mitgliedstaaten vermehrt für Krisenfälle zur Verfügung, etwa für die derzeitige Corona-Pandemie.“

          Während die eine Hälfte des Fondsvolumens eher für den „Impact“ auf die Nachhaltigkeit sorgen soll, so dass dort andere Überlegungen eine Rolle spielten, soll die andere überwiegend die Rendite bringen. Ob es am Ende immer bei einem ausgewogenen Verhältnis in einem Impact Fund bleiben müsse, könne man ja unter anderem diskutieren.

          Investieren in Projekte

          Letztlich sei das Ziel, noch nicht in nachhaltigen Produkten engagierten Privatanlegern ein stabiles Produkt mit einer zufriedenstellenden Rendite zu bieten, das gleichzeitig für institutionelle Anleger interessant genug zur Erfüllung ihrer Nachhaltigkeitsquoten sei. „Impact Bonds haben den Vorteil, dass Anleger sehen, in welche konkreten nachhaltigen Projekte ihr Geld fließt. Das wird entscheidend für den Vermarktungserfolg sein“, sagt Michel.

          Jeder „Impact Bond“ finanziert genau ein Projekt. Das sei glaubwürdiger als globale Nachhaltigkeitsanleihen, wie sie derzeit von einzelnen Mitgliedstaaten begeben würden, findet Michel, weil sie greifbarer seien, ähnlich wie bei einem Mikrofinanzfonds. Ein Erfolg des EIF könne wieder das Volumen dieser Anleihen von bisher bescheidenen 72 Milliarden Euro voranbringen. Vor allem aber gehe es darum, einen Denkanstoß in der Nachhaltigkeitsdebatte zu geben, Dem Vernehmen nach ist das sowohl in der Branche als auch auf EU-Ebene schon gelungen.

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