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Investmentfonds : Vorsicht, Gebührenfalle!

Wer sich über seine Geldanlage in einem populären Fonds freuen können möchte, sollte die Bedingungen zuvor auf versteckte Gebühren prüfen. Bild: dpa

Manch populärer Fonds ist teurer, als auf den ersten Blick erkennbar. Versteckte Gebühren schmälern die Rendite für Anleger erheblich.

          Wenn es ums Geldverdienen geht, können Fondsgesellschaften ganz schön kreativ sein. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl von Gebühren erfunden, die sie dem Anleger in Rechnung stellen: Es gibt die Management- oder Verwaltungsgebühr, die eigentlich direkt für den Fondsmanager bestimmt ist, die aber auch oft an die Vertriebsmannschaft fließt, die einen Fonds bekannt machen soll. Es gibt die Erfolgsgebühr, die fällig wird, wenn ein Fonds besser abschneidet als ein bestimmter Vergleichswert wie beispielsweise der Dax. Und es gibt den Ausgabeaufschlag, den der Kunde beim Kauf zahlen muss.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber das ist längst nicht alles. Die Existenz vieler anderer Kosten dürften die meisten Kunden bislang nicht einmal erahnt haben: Für die Depotbank, die das Geld der Anleger verwahrt, muss eine Fondsgesellschaft Gebühren zahlen – selbstredend reicht sie diese an ihre Kunden weiter. Wenn ein Fondsmanager, was hin und wieder vorkommt, das Geld zu Teilen in andere Fonds investiert, kostet auch das – zahlen müssen am Ende seine Anleger dafür.

          Und wenn ein Manager darüber hinaus Wertpapiere ständig kauft und wieder verkauft, also viel handelt, entstehen Handelskosten, für die zuguterletzt auch wieder die Anleger aufkommen müssen. Es ist der EU zu verdanken, dass Fondsgesellschaften all diese Daten seit neuestem offenlegen müssen. Dem ganz normalen Anleger hilft dies trotzdem wenig. Denn wie soll man in all dem Gebührenwirrwarr noch den Überblick behalten?

          Teure Fonds dank Erfolgsgebühren

          Das Fondsanalysehaus Morningstar hat darum eine Kostenkennzahl entwickelt, die all diese unterschiedlichen Gebühren in sich vereint: Morningstar hat ihr den Namen „Representative Cost“ gegeben, man könnte aber auch einfach von der jährlichen „Gesamtgebühr“ sprechen. Mit Hilfe dieser Kennzahl lässt sich nun die Frage beantworten, die jeden Anleger interessiert: Wie teuer ist ein Fonds wirklich?

          Eine kleine Einschränkung ist allerdings zu machen. Der Ausgabeaufschlag fließt nicht in die Berechnungen mit ein, weil er nur einmal erhoben wird und häuifg kleiner ausfällt, wenn man Fonds über eine Online-Bank kauft. Für die F.A.S. hat sich Morningstar einige der beliebtesten Fonds der Deutschen angeschaut und ist zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen: Manche Fonds sind auf den zweiten Blick viel teurer, als sie auf den ersten Blick erscheinen.

          Dies gilt insbesondere für den „Privatfonds: Kontrolliert“ der Union Investment, einen der größten deutschen Fonds. Blickt man allein auf die Verwaltungsgebühr, die die Fondsgesellschaften gerne ins Zentrum stellen, scheint ein Betrag von 1,2 Prozent zwar nicht besonders hoch zu sein. Die Gesamtkosten allerdings liegen bei 2,6 Prozent. Kein anderer Fonds in der Untersuchung kommt auf solch hohe Kosten.

          Dies hat zum einen damit zu tun, dass der Fonds auch in andere Fonds investiert. Und zum anderen damit, dass er eine saftige Erfolgsgebühr erhebt, sobald er innerhalb eines Jahres nur einen leicht positiven Ertrag erzielt. Natürlich müssen Anleger diese Gebühr nicht zahlen, wenn der Fonds ein schlechtes Jahr hat. Aber auch das ist ja nicht gerade wünschenswert. Da die Erfolgsgebühr schwanken kann, arbeitet Morningstar an dieser Stelle mit einem Schätzwert, den die Fondsgesellschaften selbst regelmäßig veröffentlichen. An diesem Wert lässt sich ablesen, welche Einnahmen aus der Erfolgsgebühr die Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt erwartet.

          Zwei Stars der Zunft fallen in der Auswertung ebenfalls durch hohe Gebühren auf: Beim Multiple-Opportunities-Fonds des Kölner Vermögensverwalters Bert Flossbach sind es vor allem die Erfolgsgebühren, die den Fonds teuer machen. Gleiches gilt für den „DWS Concept Kaldemorgen“-Fonds des bekanntesten deutschen Fondsmanagers Klaus Kaldemorgen. Zwar klingt selbst eine ermittelte Gesamtgebühr von rund 2,4 Prozent in seinem Falle nicht unbedingt nach viel. Faktisch bedeutet dies aber, dass in einem guten Anlagejahr manchmal mehr als die Hälfte des ursprünglich erzielten Fondsertrages nicht den Anlegern zugutekommt.

          Positiv fallen dagegen Fonds wie die Aktienfonds „DWS Top Dividende“ und „Allianz Europe Equity Growth“ auf. In beiden Fällen ist der Unterschied zwischen Verwaltungsgebühr und Gesamtgebühr nur minimal. Vor versteckten Gebühren sind Anleger hier also weitgehend sicher. Trotzdem sind selbst solche Fonds in puncto Kosten chancenlos gegen Indexfonds (ETF), die ohne einen Fondsmanager auskommen und die die Wertentwicklung eines Börsenbarometers wie des Dax exakt abbilden. Eine Gesamtgebühr von rund 0,1 Prozent, wie bei Aktien-ETF üblich, wird kein klassischer Fondsmanager seinen Anlegern je bieten können.

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