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Flexible Verkaufsorder : Depotschutz leichtgemacht

Die Deutsche Bank bietet die flexible Verkaufsorder nicht an und beobachtet den Markt. Bild: Grapatin, Niklas

Aktienbesitzer können sich ganz einfach gegen Kursverluste absichern. Denn viele Banken bieten Verkaufsaufträge an, die sich automatisch an steigende Kurse anpassen.

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          Wer träumt nicht davon, sich einmal um nichts kümmern zu müssen und trotzdem sorgenfrei und abgesichert zu sein? Viele Depotbesitzer können diesen Wunsch zur Realität werden lassen – zumindest was ihre Aktien anbelangt. Denn etliche Banken bieten ihren Kunden inzwischen automatisierte Verkaufsaufträge an, deren Sicherheitsnetz einfach mitwächst, wenn die Kurse steigen. Frei nach dem Motto: Gewinne laufenlassen, Verluste begrenzen und dazu nicht ständig auf den Börsenticker schauen müssen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das Zauberwort heißt „Trailing Stop Loss“-Order und kommt aus dem Englischen. Trailing heißt übersetzt „verfolgen“ und steht für die stete Anpassung des Wertpapierverkaufsauftrages, der die Verluste der Anleger bei fallenden Kursen klar begrenzt. Diese Strategie klingt derzeit für viele Investoren besonders interessant. Zum einen steht ihre Urlaubszeit meist noch bevor. Aber vor allem liegt nicht nur ein Aktienindex wie der Dax inzwischen rund ein Viertel höher als noch zu Jahresbeginn. Auch anderswo sind die Aktienkurse deutlich gestiegen. Zweifel am Bestand dieser Hausse und eine gewisse Unsicherheit der Anleger sind da mehr als verständlich.

          Viele Aktionäre wollen ihre – bislang theoretisch erzielten – Kursgewinne festzurren, aber dennoch dabeibleiben, falls die Kursparty doch noch weitergeht. Mit „Trailing Stop Loss“ ist das eigentlich kein Problem. Zudem kommen Anleger so weniger in Versuchung, Kursverluste einfach aussitzen zu wollen, was nicht selten geschieht und bisweilen schiefgeht.

          Verkaufen mit „Bestens“- und „Billigst“-Order

          Wie funktioniert ein Wertpapierverkauf grundsätzlich? Diese Frage mag für alte Börsenhasen zum täglichen Handwerk gehören und daher ein alter Hut sein. Doch viele Anleger müssen dabei passen. Die einfachste Möglichkeit zum Verkauf bieten Orders mit dem Zusatz „Bestens“. Hier wird die Aktie zum nächstmöglichen Zeitpunkt verkauft. Das Risiko hier: „Bestens“ heißt nicht, dass der höchste Preis abgerechnet wird, sondern der nächste. Der Verkaufskurs kann deutlich unterhalb des zuletzt gesehenen liegen. Der Pluspunkt: Ist der Handel in der jeweiligen Aktie liquide, erfolgt der Verkauf umgehend. Dann ist der Anleger vor weiteren Einbußen geschützt. Bei einem Kauf wird für derartige Orders der Zusatz „Billigst“ verwendet. Ein Wertpapierauftrag kann in der Regel einen Tag lang gültig sein oder bis zum letzten Handelstag eines bestimmten Monats (Ultimo) laufen. Werden „Bestens“- oder „Billigst“-Orders gewählt, dann ist dies aber weniger relevant. Dann erfolgt der Verkauf oder Kauf grundsätzlich sofort – es sei denn, es werden keine Aktien gehandelt.

          Möchte ein Anleger beim Verkauf einen bestimmten Kurs erzielen, dann muss er diesen Wert als Limit angeben. Dies gilt freilich auch für den Kauf von Aktien. Dann wird der Aktienkäufer auch nicht mehr als den genannten Preis für ein Wertpapier bezahlen – oder weniger. Zu Limits raten Experten in den meisten Fällen. Erreicht eine Aktie bis zum Ablauf der Order den gewünschten Kurs, dann wird der Verkauf mindestens zu diesem Limitpreis ausgeführt – oder eben nicht. Eine klassische Limit-Verkaufsorder ist für Anleger gedacht, die sich eigentlich von ihrer Aktie trennen wollen, weil sie vielleicht glauben, dass die Kursphantasie ausgereizt ist. Bei einer klassischen Stop-Loss-Order hingegen steht der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. Sie ist für diejenigen Anleger geeignet, die Kursverluste zwar befürchten, aber dennoch weiter mit dabeibleiben wollen.

          Kurs-Untergrenze als Sicherheitspuffer

          Der Kunde muss hierfür eine bestimmten Kurs-Untergrenze nennen, die ganz individuell ist. Nicht ungewöhnlich ist ein Sicherheitspuffer von vielleicht 10 oder 15 Prozent. Ein Beispiel: Das Dividendenpapier von Siemens, eine der wohl bekanntesten deutschen Aktien, kostet aktuell rund 103 Euro. Ein Sicherheitsabstand von 15 Prozent würde hier einer unteren Grenze von rund 87,60 Euro entsprechen. Einige Anleger wählen auch den Kaufkurs der Aktie, um wenigstens den Einsatz zu sichern. Ist die genannte Grenze erreicht, wird der Verkaufsauftrag gleich darauf in der Regel „bestens“, also zum nächstfolgenden Kurs, ausgeführt.

          Der Nachteil von Stop-Loss-Orders: Steigen die Notierungen deutlicher, dann entfernt sich das starre Verkaufslimit immer weiter vom aktuellen Börsenkurs. Erreicht der Aktienkurs von Siemens zum Beispiel 130 Euro und fällt danach wie ein Stein, dann greift der Schutz eben erst ab 87,60 Euro. Der mögliche Verlust wird für den Anleger dadurch immer größer.

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