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Kontoeröffnung 2.0 : Per Videochat zum neuen Konto

Zahl der Betrugsversuche hält sich in Grenzen

Callcenter-Mitarbeiter, ein sogenannter Agent, kann nicht jeder werden. Schließlich treten sie in den Videotelefonaten mit den potentiellen Kunden im Namen der verschiedenen Banken auf. „Bankadäquat“ sollten sie also schon aussehen, wie Sittek es nennt. Also keine auffälligen Tattoos und ordentliche Kleidung. Auch die Schufa-Auskunft und das polizeiliche Führungszeugnis müssen einwandfrei sein. Schließlich ist die Vertrauenswürdigkeit sowohl vor den Banken wie auch vor deren Kunden ein hohes Gut für das Unternehmen. Interne Betrugsfälle würden den Ruf schnell kaputtmachen.

Am wichtigsten freilich ist, dass bei der Legitimierung kein Betrug durchrutscht. Nicht jeder Kriminelle versucht es so plump wie der Unterhosen-Mann, sich die Legitimierung widerrechtlich zu erschleichen und mit falscher Identität ein Konto zu eröffnen. Manche Betrüger versprechen im Internet Schufa-freie Kredite oder Ähnliches und lassen Unbedarfte dann Konten in ihrem Namen eröffnen, die sie wiederum für kriminelle Geschäfte nutzen. Um solchen Missbrauch zu verhindern, haben die Callcenter-Mitarbeiter laut Sittek eine ganze Reihe von psychologischen Fragen, die er aber freilich nicht verraten will.

Selbst wenn sie Verdacht hegen, dass ein Betrugsversuch vorliegen könnte, müssen die IDnow-Mitarbeiter das Gespräch ganz ernst bis zum Ende führen. Erst hinterher sollen sie den Betrugsverdacht der Partner-Bank melden, die ihn dann gemäß dem Geldwäschegesetz an die Ermittlungsbehörden weiterreichen muss. Sittek gibt sich selbstbewusst: „Uns ist noch nie ein Betrüger durchgerutscht.“

Aber auch die Zahl der Versuche halte sich in Grenzen, weil ja von den Anrufern und ihren Ausweisdokumenten Fotos gemacht würden – für Kriminelle eher abschreckend. Mehr als eine Million Identitäten hat IDnow laut Sittek in den vergangenen drei Jahren überprüft. Die Zahl der Betrugsversuche habe zuletzt bei vier von 10000 gelegen.

Fintechs konzentrieren sich nicht mehr nur auf Banken als Kunden

Insofern gibt er sich auch gelassen, was die Gefahr angeht, dass die großen Finanzkonzerne das Geschäft künftig einfach selbst übernehmen könnten. „Wenn die Systeme gut sind, können sie nicht einfach nachgebaut werden“, sagt Sittek. „Eine Bank würde ja auch nicht Microsoft Word nachbauen.“

Doch die Fintechs konzentrieren sich schon nicht mehr nur auf die Banken als Kunden. Auch viele Versicherungen fragten zunehmend bei ihm an, erzählt Sittek, ebenso wie andere Unternehmen, deren Geschäft sich immer stärker im Internet abspielt. Denn inzwischen lassen sich über die Videotelefonate auch schon Ratenkredite im Online-Handel und andere Verträge unterzeichnen – per E-Signatur.

Den nächsten großen Schub für das Geschäft erhofft sich Sittek davon, dass sich vom 1. Juli an auch Käufer von Prepaid-Karten für das Handy ausweisen müssen – was Kriminellen das Handwerk erschweren soll. 17 Millionen solcher Karten würden jedes Jahr in Deutschland verkauft, unter anderem in Kiosken und an Discounter-Kassen. Aus Sicht von Sittek liegt in der rechtssicheren Legitimierung ein ideales Einsatzfeld für seine Agenten.

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