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Fintech : Weltsparen sammelt mehr als 100 Millionen Euro ein

Die Weltsparen-Gründer Frank Freund, Tamaz Georgadze und Michael Stephan Bild: Weltsparen

Das Zinsportal Weltsparen, das Sparangebote aus aller Welt bündelt, will weiter expandieren. Nun hat man sich dafür 100 Millionen Euro besorgt.

          Plattformen, die Zugriff auf eine große Auswahl von  Produkten bieten, erfreuen sich großer Beliebtheit. Das gilt auch für Plattformen wie Raisin (auch bekannt als Weltsparen), Zinspilot oder Savedo, die Anlegern eine Übersicht über die Einlagezinsen verschiedener Banken gewähren und ihnen darüber hinaus die Möglichkeit geben, ihr Geld dort direkt anzulegen.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das Konzept des sogenannten „Open Bankings“ kommt an. Das Berliner Fintech Raisin, das seine Plattform in Deutschland unter dem Namen Weltsparen betreibt, hat seit seiner Gründung im Jahr 2012 mehr als 10 Milliarden Euro an Anlegergeldern aus Europa vermittelt. Damit konnten rund 160.000 Anleger mehr als 80 Millionen Euro an Zinsen einnehmen. Investoren scheint das Geschäftsmodell zu überzeugen: Sie haben dem Fintech in einer Finanzierungsrunde mehr als 100 Millionen Euro gegeben, wie die F.A.Z. exklusiv vorab erfahren hat. Zu den Investoren gehören unter anderem Paypal und Index Ventures.

          Zins-Alternativen

          Tamaz Georgadze, einer der Gründer von Raisin, sagte im Gespräch, das eingesammelte Geld werde der Expansion in neue Märkte dienen. Aktuell betreibe das Unternehmen sieben Plattformen. „Zwei oder drei neue Plattformen in anderen Ländern sollen dazukommen“, erzählt er. Zudem denke das Unternehmen über Übernahmen nach.

          Der aus der Sicht deutscher Sparer aktuell unbekömmliche Cocktail aus niedrigen Zinsen und struktureller Abneigung gegen den Kapitalmarkt fördert Zinsplattformen, die über den Tellerrand blicken. So bietet die italienische Banca Progetto auf Tagesgeld beispielsweise eine jährliche Verzinsung von 0,7 Prozent, die TF Bank aus Schweden für den gleichen Zeitraum dagegen nur eine Verzinsung von 0,05 Prozent. Ein Wechsel würde sich also in jedem Fall lohnen, sagt Georgadze. Für Festgeld böten  südeuropäischen Banken gute Konditionen, für  Tagesgeld dagegen schwedische Banken.

          Dass Anleger ihr Geld dann in die Obhut einer italienischen Bank geben, findet Georgadze nicht bedenklich: „Bisher ist kein Kleinanleger zu Schaden gekommen.“ Zudem seien über die nationale Einlagensicherung Einlagen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro abgesichert. Kunden der Deposit Solutions, die in Deutschland das Portal Zinspilot betreibt, machten im vergangenen Jahr dagegen eine unerfreuliche Erfahrung mit im Ausland angelegtem Geld. Die estnische Versobank, bei der deutsche Sparer Geld angelegt hatten, wurde nach einem Geldwäscheskandal von der Europäischen Zentralbank geschlossen. Weil die Bank aber über die nationale Einlagensicherung abgesichert war, erhielten die Kunden von Savedo ihr gesamtes Geld inklusive Zinsen zurückerstattet. Damit das aber möglich ist, hat die Zinsplattform ihre Anlagesumme auf 100.000 Euro begrenzt

          Wer sich dennoch wohler fühlt, sein Geld innerhalb von Deutschland anzulegen, kann nichtsdestotrotz von einem Wechsel profitieren. Lokale Zinsdifferenzen seien mitunter sehr viel höher. Allein innerhalb Deutschlands lasse sich durch einen Wechsel der Hausbank bis zu 38-mal mehr einnehmen, sagt Georgadze.

          Dass sich die Zinsen auch nach einem Wechsel der Bank auf sehr niedrigem Niveau bewegen, weiß Georgadze und stellt die Frage: „Was sind die Alternativen?“ Auf die Frage, ob sich das Geschäftsmodell auch dann halten könne, wenn die Zinsen wieder signifikant steigen, reagiert Georgadze gelassen. Auch wenn es „kontraintuitiv“ klinge, die Nullzinsen seien auch schlecht für das Geschäft des Fintechs. Stiegen die Zinsen wieder, würde das zu mehr Bewegung im gesamten Markt führen.

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