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Suche nach Vermögensverwalter : Wie finde ich den Richtigen für mein Geld?

Die Geldanlage ist eine Vertrauensfrage. Bild: dpa

Wer kein Geld hat, hat Sorgen. Wer viel hat, aber auch. Eine Online-Plattform schafft Abhilfe: Sie bringt Wohlhabende und Vermögensverwalter zusammen.

          Wer kein Vermögen hat, hat Sorgen. Wer Vermögen hat, aber auch. Denn mindestens soll es ja erhalten bleiben, idealerweise sich sogar vermehren. Also muss man sich darum kümmern. Wohl dem, der nun so viel Vermögen hat, dass dies für einen professionellen Verwalter interessant ist. Allerdings beginnt damit die nächste Schwierigkeit: Wie findet man einen guten Verwalter, der die Aufgabe zu einem angemessenen Preis übernimmt?

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Genau an dieser Stelle hakt nun die Plattform Finanzausschreibung.de ein. Dahinter steckt der Berliner Elmar Peine, der einst als Finanzjournalist gearbeitet hat und jetzt als Unternehmer aktiv ist. Die Idee hinter „Finanzausschreibung“ ist simpel: Die Plattform führt Anleger und Vermögensverwalter direkt oder über einen Vermittler zusammen. „Anleger oder Vermittler können bei uns die Verwaltung des Vermögens ausschreiben“, erklärt Peine. „Die Vermögensverwalter bewerben sich auf die Mandate. Unsere Plattform wählt relevante Partner durch ein intelligentes ,Matching‘ aus.“

          Da die Suche anonym durchgeführt wird, müssten sich Anleger auch keine Sorgen machen, dass sie am Ende von Vermögensverwaltern bestürmt würden. Die Suche ist kostenlos, kommt ein Vertragsabschluss zustande, so erhält Finanzausschreibung.de entweder eine Gebühr vom Vermögensverwalter. Manche Verwalter zahlen derzeit auch nur eine Pauschale. „Das machen wir, um die Einstiegshürden anfangs so niedrig wie möglich zu halten“, sagt Peine.

          Aktiv registriert haben sich laut Peine bislang immerhin 40 Verwalter, davon drei Premium-Anbieter. Angesprochen werden aber bis zu 800 und aufgefordert, ein Angebot abzugeben. Alle besitzen entweder eine Banklizenz oder die Erlaubnis zur Ausübung der Finanzportfolioverwaltung. „Es ist zum einen für Vermögensverwalter immer schwieriger, mögliche Kunden zu identifizieren. Status-Symbole sind immer weniger verbreitet, und viele kommen etwa durch Erbschaften zu Vermögen und bleiben somit anonym“, weist Peine auf die Schwierigkeiten bei der Kundenakquise hin.

          Wie die Ausschreibung funktioniert

          Wer als Anleger eine Ausschreibung durchführt, muss eine Reihe von Fragen beantworten: Etwa welche Anlagen der Vermögensverwalter tätigen darf, ob es mehr oder weniger Aktien sein sollen oder welcher Vergleichsindex zugrunde liegen soll. Aber auch die Frage nach dem Gebührenmodell steht an. Drei gibt es zur Auswahl: eine prozentuale Pauschale, die alles abdeckt, oder eine Gebühr, die nur das Management abdeckt oder eine Managementgebühr mit zusätzlicher Gewinnbeteiligung. Wer eine Ausschreibung startet, erhält dann rechtlich gesehen unverbindliche Auskünfte auf eine Voranfrage. Anleger können daher jederzeit Kontakt zu den Verwaltern aufnehmen oder aber die Ausschreibung auch abbrechen. Wer sich nicht sofort entscheidet, kann unter Umständen besser fahren. Denn die Verwalter können ihre Angebote im laufenden Prozess nachbessern.

          Die Idee scheint simpel. Doch natürlich muss man erst mal eine Anzahl von Vermögensverwaltern zusammenbringen. Peine kamen seine Kontakte in die Branche zugute. Einen ähnlichen Service bietet derzeit nur die Plattform „Institutional Money“ – allerdings ist dieser eben institutionellen Anlegern wie Versicherern und Versorgungswerken vorbehalten. Peine will mit seiner Plattform beide Kundengruppen abdecken, wobei er eher kleinere Institutionen im Auge hat: Kommunen und andere öffentliche Stellen sowie Stiftungen oder auch Family Offices. „Wir glauben, dass vor allem internetaffine jüngere Vermögende und öffentliche und halböffentliche Stellen, die aufgrund gesetzlicher Vorgaben ausschreiben müssen, die Plattform interessant finden werden“, sagt Peine. Im Auge hat er auch Finanzvermittler wie Stiftungsverwaltungen, Rechtsanwaltskanzleien oder Versicherungsvermittler. Wer clever ist, registriert sich nicht als Anleger, sondern als Vermittler und kassiert einen Teil der Tippgeber-Provision.

          Auch nach der ursprünglichen Ausschreibung kümmert sich das Unternehmen weiter um die Anleger und bietet Finanzausschreibung.de einen für die Kunden kostenfreien Nachverfolgungsservice. Der soll kontrollieren, ob die Vermögensverwalter ihre Versprechen aus der Ausschreibung auch danach noch einhalten.

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