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Internetgeschäft : Eine Bank will geliked werden

Matthias Kröner, Vorstandssprecher der Fidor Bank Bild: Helmut Fricke

Die Fidor Bank lässt ihre Kunden über Zinsen abstimmen. Sobald 2000 Nutzer auf der Fidor-Seite „Gefällt mir“ anklicken, steigt der Guthabenzins oder fällt der Dispozins. So spannt sie die Leute als Werbeträger ein.

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          Es klingt ein bisschen wie der Traum eines jeden Sparers: Die Bank kommt auf den Kunden zu und lädt ihn freundlich ein, über die Zinsen mitzubestimmen. Nach dem Motto: Darf’s ein bisschen mehr Guthabenzins sein? Oder soll’s vielleicht etwas weniger Dispozins werden? Eigentlich undenkbar, dass Banken ihr Geschäft ein Stück weit aus der Hand geben, erst recht in Zeiten wie diesen, in denen sie ähnlich wie die Sparer unter dem mickrigen Zinsniveau leiden. Und doch geht die Fidor Bank genau diesen Weg, um ihre Kunden möglichst stark einzubinden und sich selbst weitestgehend von anderen Geldinstituten abzusetzen. Um mitzubestimmen, braucht ein Kunde nicht mehr als einen Facebook-Account: Sobald 2000 Nutzer auf der Fidor-Seite „Gefällt mir“ anklicken, steigt der Guthabenzins oder fällt der Dispozins; bis zu einer festgelegten Grenze selbstverständlich, denn andernfalls könnte der Bank ein schnelles Ende drohen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Bei unserer Gründung haben wir uns gedacht, dass wir ein Alleinstellungsmerkmal haben müssen. Dabei sind solche Verrücktheiten entstanden“, sagt Matthias Kröner, Vorstandssprecher der Fidor Bank. Die erste Verrücktheit bekam hierzulande einen entsprechenden Namen: den „Like-Zins“, der sich mit voller phonetischer Absicht am Leitzins orientiert, den Notenbanken festlegen.

          Dass die junge Münchner Internetbank ihre Kunden einbindet wie keine zweite in Deutschland, ist Teil ihrer Gründungsgeschichte. Sie beantragte und bekam die Banklizenz mitten in der Finanzkrise, als viele Leute das Vertrauen in die Geldinstitute verloren hatten. Kröner und seine Kollegen sahen in der Krise ihre Chance. Sie stellten sich als Alternativbank dar, der Name Fidor, abgeleitet vom lateinischen fide (Vertrauen), sollte Programm sein. Nicht ohne Ironie bezeichnet Kröner die Bank daher als „Post-Desaster Concept“. Boni für Bankkunden statt für Investmentbanker gehören ebenso zu diesem Konzept wie die Zinsentscheide über Facebook.

          Die Bank belohnt jede Aktivität

          Das Angebot, via soziales Netzwerk über Zinsen zu entscheiden, hat Fidor jüngst nach Großbritannien exportiert. Seit die Internetbank vor zwei Wochen in London an den Start ging, können die Nutzer dort über ihren Guthabenzins entscheiden. Viel zu holen gibt es für sie allerdings nicht. Mit der Kontoeröffnung geht es bei 0,25 Prozent los, jeweils 0,05 Prozent kommen hinzu, wenn 2000 registrierte Nutzer den „Like“-Button angeklickt haben. Bei 0,5 Prozent wird der Zinssatz enden. Die Briten zeigten sich verblüfft über die Methoden der kleinen, frechen Bank aus dem nicht gerade als innovativ geltenden Deutschland. „Die Bankenrevolution im Vereinigten Königreich beginnt“, staunte die Presse in London, das sich eigentlich als europäisches Zentrum für Finanzinnovationen rühmt.

          Während Großbanken hierzulande immer mehr Filialen schließen und für ihren Service zunehmend Gebühren verlangen, lockt die Fidor Bank die Internetgemeinde mit Vergünstigungen und scheinbar reizvollen Mitmachprogrammen. „Der Kunde als Co-Manager“, so nennt es Kröner, der vor zwanzig Jahren für die Hypo-Vereinsbank die DAB Bank aufgebaut hat, ehe er die Fidor Bank gründete. In deren Community tauschen sich mittlerweile rund 300.000 registrierte Nutzer aus. Sie stellen Fragen oder geben Antworten, sie leihen sich untereinander Geld oder beraten sich, sie bewerten Finanzprodukte oder denken sich Verbesserungen aus. Der Clou dabei: Die Bank belohnt jede Aktivität.

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