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Die Vermögensfrage : Die teure Angst der Deutschen

Wie sicher soll’s denn sein? Tresor einer Sparkasse Bild: Julia Zimmermann

In der Befürchtung, bei der Geldanlage etwas verkehrt zu machen und Geld zu verlieren, machen die Deutschen genau das: Sie verlieren Geld. Was hilft gegen diese ständige Angst?

          Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Doch in der Geldanlage, dem ungeliebten Thema, sind die Deutschen vielfach verunsichert. Sie wissen nicht, wem sie vertrauen sollen. Die Sorgen sind verständlich. Doch mit dem Wissen um die Lage ihrer Kunden verdienen viele in der Finanzbranche ihr Geld. Das Geld ihrer Kunden, denen damit genau das passiert, wovor sie Angst hatten.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Was also tun? Der Finanzvertrieb kennt vor allem Lebensversicherungen, Bausparverträge, Fonds und Riester-Renten. Die Produkte kosten den Anleger viel Geld. Aber sind sie ihr Geld auch wert? Wer die Produkte auspackt, stößt auf Derivate, vor allem aber auf Aktien und Anleihen. Sie dominieren fast alle Fonds, ebenso die Lebensversicherungen und Riester-Verträge. Wer also meint, seine Geldanlage sei unabhängig vom Geschehen auf den Kapitalmärkten, der braucht sein aufwendig verpacktes Finanzprodukt nur auszupacken. Er wird fast immer auf Anleihen und auch auf Aktien stoßen.

          Hohe Gebühren wegen Verwaltungsaufwand

          Das führt meistens zum Erschrecken der Anleger. Sie wollen das Produkt lieber wieder schnell verpacken. Doch warum eigentlich? Das ausgepackte Produkt, die Direktanlage in Wertpapieren, ist die transparenteste und günstigste Form der Geldanlage. Doch Transparenz können viele Anleger schwer ertragen. Die Kurse von Anleihen und vor allem von Aktien schwanken zu sehen, bitte nicht!

          Doch die Anleger sollten zumindest einen Blick auf den Preis ihrer Angst werfen. Gerade sind wieder die Standmitteilungen von Lebensversicherungen und Riester-Renten im Briefkasten gewesen. Ein typischer Riester-Vertrag im zehnten Jahr weist ein Guthaben von gut 14.500 Euro auf. Es gibt eine garantierte Verzinsung von 2,75 Prozent auf die eingezahlten Beiträge und Zulagen. Doch selbst im zehnten Jahr übertreffen die Gebühren noch die Summe aus Zulagen und Erträgen: fast 5000 Euro wurden an Abschluss- und Vertriebskosten sowie für die „Verwaltung des gebildeten Kapitals“ einbehalten. Doch viel wurde da nicht gebildet. Hätte der Anleger seine einbezahlten Beiträge von 14.700 Euro auf ein unverzinstes Konto gezahlt, stünde er heute besser da, ganz ohne Zulagen. Die staatlichen Zulagen, mit denen der Vertrieb die Kunden gelockt hat, addieren sich nach knapp zehn Jahren auf 2500 Euro, die erwirtschafteten Erträge auf 2000 Euro.

          Begründet werden die hohen Gebühren mit der aufwendigen Verwaltung der Riester-Verträge samt Zulagenanträgen. Doch befriedigend kann das für den Anleger nicht sein. Und wer heute eine Lebensversicherung abschließt, bekommt gerade noch eine Verzinsung von 1,25 Prozent garantiert. Er lebt zudem in dem Gefühl, die Altverträge, denen noch vier Prozent Zins garantiert sind, zu subventionieren.

          Hin und Her macht Taschen leer

          Die gefühlte Sicherheit von den nominalen Kapitalerhalt garantierenden Produkten hat damit einen hohen Preis. Den mag zahlen, wem es dies wert ist. Aber der Preis sollte bekannt sein. Kapitalgarantien sind nun einmal teuer. Je höher hier der Anleger die Messlatte legt, desto mehr Mühe hat der Finanzanbieter, sie sicherzustellen. Dazu ist er aber gesetzlich gezwungen. Seine Flexibilität wird dadurch eingeschränkt, meist auf Kosten der Aktienquote und damit dem zuverlässigsten Lieferanten höherer Renditen.

          Der Kern der Auseinandersetzungen, die jeder Anleger bei der Geldanlage daher mit sich führen muss, ist sein Verhältnis zur Aktie. Kommt nicht in Frage! So lautet die Standardantwort. Doch näheres Hinschauen lohnt. Der Anleger sollte wissen, dass es Alternativen zu den teuren Finanzprodukten gibt. Die einfachste und transparenteste ist die Direktanlage. Hier verdient kein Finanzvertrieb mit. Die Gebühren für den Handel sollten verglichen werden, sind aber überschaubar. Außerdem muss auch nicht ständig ge- und verkauft werden. Hin und Her macht Taschen leer, wissen erfahrene Anleger.

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