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Farbedelsteinfonds : Rubine und Saphire statt Zinsen

Zumindest für Anleger ein Traum: der in Sambia entdeckte „Löwen-Smaragd“ mit 5655 Karat Bild: dpa

Seit 1995 haben Edelsteine jährlich einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 8 Prozent verzeichnet. Nun wirbt der erste Farbedelsteinfonds um Anleger.

          Der nach Angaben der Initiatoren erste Farbedelsteinfonds der Welt wird jetzt auch in Deutschland vertrieben. Er soll Anlegern eine Investition in naturbelassene Farbedelsteine wie Rubine, Saphire, Smaragde oder farbige Diamanten („fancy diamonds“) ermöglichen. Aufgelegt hat ihn die liechtensteinische Fondsgesellschaft Incrementum mit dem österreichischen Edelsteinhändler The Natural Gem. Der Fonds heißt „The Natural Gemstone Fund One“ und trägt eine ganz reguläre Fondsnummer, die Isin LI0454718201. Vorgestellt werden soll er auf der Anlegermesse Invest am Freitag und Samstag in Stuttgart.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Initiatoren werben damit, dass Edelsteine in Zeiten ohne Zinsen eine gute Idee sein könnten. „Immer mehr Investoren suchen Möglichkeiten zur Diversifizierung ihres Portfolios abseits der klassischen Kapitalmärkte“, sagte Thomas Schröck, der Geschäftsführer des beteiligten Edelsteinhandels, ein promovierter Volkswirt und Gemmologe, also Fachmann für Schmuck und Edelsteine. In Zeiten volatiler Aktienmärkte, von Vermögenspreisinflation und negativen Realzinsen seien naturbelassene Edelsteine wegen ihrer „werterhaltenden Eigenschaften“ eine „sinnvolle Alternative zu klassischen Investments“.

          Geworben wird für den Fonds mit einer angeblich hohen Wertsteigerung von Edelsteinen in der Vergangenheit. „Rubine und Saphire haben seit 1995 einen durchschnittlichen Wertzuwachs in Höhe von 8 Prozent jährlich verzeichnet“, teilten die Initiatoren mit. Geschäftsführer Schröck rechnet zudem mit einer Fortsetzung dieses Trends: „Der steigenden Nachfrage vor allem aus der Schmuckindustrie steht eine sinkende Fördermenge gegenüber.“

          Konkret soll der Fonds physisch mit Edelsteinen hinterlegt werden. Nach dem Erwerb der Steine in den Förderländern erfolge die Zertifizierung in einem internationalen Labor wie bei der Schweizer Stiftung Edelsteinforschung SSEF. Die Einlagerung finde dann in einem Zollfrei-Lager in Liechtenstein statt. Nach dem Ende der zunächst auf sieben Jahre angelegten Laufzeit würden die Steine wieder veräußert. Mit einer Mindestanlagesumme von 10.000 Dollar sei der Fonds zwar in erster Linie für professionelle Anleger konzipiert, so hieß es – Privatanleger aus Deutschland könnten ihn jedoch auch erwerben.

          Verbraucherschützer äußerten sich allerdings relativ kritisch zu dem Fonds. „Verbraucher sollten aus meiner Sicht sehr vorsichtig sein“, sagte Wolf Brandes, Teamleiter „Marktwächter Finanzen“ der Verbraucherzentrale Hessen. „Es könnte zwei Probleme geben“, meinte Brandes. Zum einen sei die Preistransparenz bei Farbedelsteinen nicht so hoch wie etwa beim Gold, es gebe keinen geregelten Markt. Das führe für die Verbraucher zu einem Bewertungsrisiko.

          „Zum anderen ist die Handelbarkeit des Fonds selbst etwas unklar“, sagte Brandes: „Kann ich die Anteile dieses Fonds überhaupt über meine Bank handeln, oder womöglich nur mit der Fondsgesellschaft selbst?“ Verbraucher sollten zudem der Argumentation, dass Farbedelsteine in der Vergangenheit eine jährliche Performance von 8 Prozent aufgewiesen hätten, nicht unbedingt folgen. Zum einen sei schwer nachvollziehbar, ob das überhaupt so gewesen sei, meinte Brandes. Zum anderen müsse das, wenn es tatsächlich so gewesen sein sollte, keineswegs in der Zukunft so weitergehen.

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