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Fan-Anleihen : Keine Stundung für Kaiserslautern

Der 1.FC Kaiserslautern ist in finanziellen Nöten. Bild: dpa

Der 1. FC Kaiserslautern wollte die Zinsen für seine Fan-Anleihe stunden. Daraus wurde nun nichts - trotz einer Zustimmung von fast 95 Prozent.

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          Sogenannte Fan-Anleihen sind oftmals ein hochriskantes Geschäft. Das Geld kann schnell weg sein, wenn der sportliche Erfolg nicht eintritt. Ein aktuelles warnendes Beispiel ist der 1. FC Kaiserslautern, der sich im Abstiegskampf der 3. Liga befindet. Der Verein stellte im Juni einen Insolvenzantrag, wie diese Zeitung berichtete. Zu den Gläubigern des FCK zählen im Insolvenzverfahren nun auch zahlreiche Fans, die im Jahr 2019 für rund drei Millionen Euro eine Fan-Anleihe gezeichnet haben. Das Motto war damals „Deine Unterstützung für die Zukunft des FCK“. 5 Prozent Zinsen im Jahr wurden versprochen. Wie es genau mit den Gläubigern weitergeht, steht noch nicht fest.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun hat der Club um die Stundung der Zinsen in diesem und im kommenden Jahr gebeten. Im Rahmen einer Gläubigerversammlung ohne Anwesenheit sollte die Zustimmung dafür eingeholt werden. Vorstandsmitglied Tobias Frey schildert den Arbeitsprozess in diesem Verfahren: „Das Verfahren, welches sich nach den Bestimmungen des Schuldverschreibungsgesetzes richtet, gestaltete sich von Beginn an aufwendig und kompliziert.“ Der Vereinsvorstand habe bestmöglich über verschiedene Kanäle informiert, um die Mithilfe der Zeichner zu erreichen. „Insbesondere erreichten uns eine Vielzahl an Rückfragen per Mail und Telefon“, so Frey.

          Für einen wirksamen Beschluss hätten mindestens 50 Prozent des Kapitals teilnehmen müssen. Allerdings beteiligten sich nur 39,25 Prozent. Daher kommt es nicht zur Stundung der Zinsen. Dabei hatten die teilnehmenden Anleihezeichner der Zinsstundung mit 94,31 Prozent der Stimmen zugestimmt. „Der 1. FC Kaiserslautern e.V. kann sich bei diesen Anleihezeichnern für ihre dadurch zum Ausdruck gebrachte Unterstützung, ihr Verständnis und ihren Zuspruch nur bedanken. Die Kommunikation mit den Zeichnern war – ausnahmslos – positiv“, versuchte Wolfgang Erfurt, der Vorstandsvorsitzende des FCK, am Votum noch etwas Positives zu finden. Die fälligen Zinsen sollen nun umgehend ausgezahlt werden.

          Fußballvereine können sich auf ähnliche Weise Geld leihen wie Unternehmen. Doch die Vereins-Anleihen sollten grundsätzlich nur Anhänger kaufen oder zeichnen, die genug Geld haben, um einem Totalverlust zu verkraften. Vereine leihen sich Geld von ihren Fans, weil Banken zu ähnlichen Konditionen oft nicht mehr bereit dazu sind. Viele Fans erwerben die Anleihen nicht als Geldanlage, sondern aus Verbundenheit mit dem Verein oder sogar zu dessen Unterstützung, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Wer seinen Verein finanziell unterstützen will und – im Falle des Falles – damit leben kann, dass das Geld nicht zurückgezahlt wird, kann natürlich ohne Bedenken eine Fan-Anleihe kaufen“, sagt Kurz.

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