https://www.faz.net/-hbv-ah3x3

Superreiche : Singapur lockt reiche Familien

Singapurs Finanzzentrum: Auch hier könnten weitere Family Offices entstehen. Bild: AFP

Sie haben sehr viel Geld und sie wollen es bewahren. Der Stadtstaat Singapur will noch mehr Family Offices mit maßgeschneiderten Programmen anlocken. Der Plan geht schon auf.

          2 Min.

          Der rasch wachsende Finanzplatz Singapur stößt tiefer in ein noch junges Feld vor: Er will die Ansiedlung von „Family Offices“ stärker fördern. Mit ihren eigenen Büros, hinter denen sich in der Regel Unternehmen oder Stiftungen verbergen, versuchen wohlhabende Familien ih­ren Besitz zu wahren und zu mehren. Der streng regulierte, steuergünstige Stadtstaat will ihnen künftig eine noch bessere Plattform bieten. Der Plan zielt wohl auch darauf, noch mehr Anlagevolumen aus dem konkurrierenden Hongkong anzuziehen. Seit Peking mit eiserner Faust dort seinen Kurs durchsetzt, wandern immer mehr Kapital und Talent auf die Tropeninsel ab.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das Singapurer Wealth Management Institute (WMI) bündelt den Vorstoß in einem neuen Netzwerk na­mens „Global-Asia Family Office Circle (GFO Circle)“. Hinter dem Institut verbirgt sich der Stadtstaat: Das WMI wurde von den Singapurer Staatsfonds Temasek und GIC gegründet. Seine Aufgabe ist es, „Singapurs Wachstumspläne, ein führendes internationales Zentrum für Wohlstand und Anlagemanagement zu werden, voranzu­treiben.“ Die Tropeninsel mit ihrem extrem schnell wachsenden Anlage­volumen hat hier einen weiteren Geldstrom ausgemacht: „Family Offices spielen eine wichtige Rolle für das Wirtschaftswachstum in Singapur, in­dem sie geduldiges Kapital, geschäft­liches Fachwissen und Netzwerke einbringen, die dazu beitragen, Unternehmertum, Innovation und Philan­thropie hier zu fördern“, umschreibt Jillian Lim das Vorhaben. Sie führt den Sektor bei der Wirtschaftsförderungsbehörde EDB. Die Wohlstandsverwalter in Familiendiensten sollten den „Zu­gang zu Chancen in Singapur und der Region verbessern“, hofft sie. Foo Mee Har, die Chefin des Instituts, fasst die Vorteile für Singapur zusammen: „Das schnell wachsende Family-Office-Segment schafft Spitzenarbeitsplätze und neue Karrieremöglichkeiten für Singapurer in Neugründungen, aber auch in Bereichen wie Vermögensverwaltung, Steuern, Buchhaltung, Rechts- und Treuhanddienst­leistungen.“

          Ökosystem der guten Zwecke

          Schon jetzt funktioniert das. Die Zahl der Familienbüros in Singapur hat sich im vergangenen Jahr auf rund 400 verdoppelt. Der Stadtstaat plant, wie so oft, einen vernetzten Ansatz. Finanzminister Lawrence Wong wies mehrfach auf die Bedeutung der Finanzierung des Kampfes gegen den Klimawandel hin. Singapur arbeitet daran, auch dafür zu einem Schwerpunktort zu werden. Immerhin bräuchten allein die zehn südostasiatischen Länder rund 200 Milliarden Dollar „grüner Investitionen“ jährlich bis 2030, erklärt Wong: „Mit ihren Programmen zieht die Notenbank MAS mehr grüne Fonds und Vermögensverwalter mit einer starken Ausrichtung auf Nachhaltigkeit an. Das wird helfen, unser Ökosystem für nachhaltiges Finanzieren wachsen zu lassen.“

           Dieses Ökosystem der guten Zwecke soll den teuren Standort dann auch noch mehr Familieninvestoren schmack­haft machen. Davon sollen bei­de Seiten profitieren. Denn über den Aufbau des Netzwerks der Superreichen hinaus wird der GFO-Zirkel einen Schwerpunkt auf das He­ran­ziehen von Talenten für die Branche legen. Dafür haben sich die Singapurer einmal mehr starke Partner ge­sucht. Gemeinsam mit Dalio Philanthropies wird die WMI globale Anlagestrategien und Marktprinzipien unterrichten. Zusammen mit der Gates-Stiftung wird dem Nachwuchs eine Masterklasse in Philanthropie angeboten werden. Und der Stanford-Professor Bill Burnett lehrt „zweckgerichteten Vermögensaufbau“.

          Weitere Themen

          Unruhe bei Spaniens (un)bekanntem Modegiganten

          Scherbaums Börse : Unruhe bei Spaniens (un)bekanntem Modegiganten

          Inditex galt viele Jahre als zuverlässiger Depotbestandteil für konservative Anleger. Nun wirbelt nicht nur Corona die Geschäfte durcheinander. Es ist auch ein Generationenwechsel, der den Modegiganten beschäftigt.

          Anleger hofieren Wiener Börse

          Österreichs Wirtschaft : Anleger hofieren Wiener Börse

          Zykliker befeuern das Wiener Parkett: Gerade Zentral- und Osteuropa treiben dabei die Wirtschaft der Alpenrepublik an. So verzeichnet Österreichs Leitindex ATX seit Jahresbeginn einen beachtlichen Zuwachs von mehr als einem Drittel.

          Topmeldungen

          In Apulien locken italienische Lebensart und bezahlbare Immobilien.

          Ferienimmobilien in Italien : Sonne, Strand und Schnäppchen

          Abseits der Touristenpfade gibt es in Italien noch günstige Ferienhäuser. Vor allem zwei Regionen punkten. Aber der Markt hat seine Tücken.

          Horst Eckel : Der letzte Weltmeister von 1954 ist tot

          Er war der jüngste Spieler der „Helden von Bern“, die den ersten Fußball-WM-Titel für Deutschland gewannen. Doch der große Erfolg veränderte sein Leben nicht nachhaltig. Nun ist Horst Eckel gestorben.