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Ethische Geldanlage : „Markt für islamisches Bankwesen ist begrenzt“

  • Aktualisiert am

Filiale der islamischen KT Bank in Frankfurt am Main Bild: Reuters

Banken, die ihre Geschäfte am islamischen Recht, der Scharia, ausrichten, bleiben in Deutschland weiterhin ein Nischenphänomen, sagt Ökonom Matthias Casper von der Uni Münster. Dabei werden die Verbote unterschiedlich streng ausgelegt.

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          Der Ökonom und Rechtswissenschaftler Matthias Casper glaubt nicht, dass das islamische Bankwesen in Deutschland so erfolgreich sein wird wie beispielweise in Großbritannien. „Der Markt für Islamic Banking ist begrenzt“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Münster. Zum einen gebe es hierzulande nicht so viele Muslime wie zum Beispiel in Großbritannien, zum anderen stamme ein Großteil der in Deutschland lebenden Muslime aus der säkular geprägten Türkei.

          Die einzige islamische Bank in Deutschland habe etwa so viele Kunden wie eine kleine bis mittlere Volksbank, sagte Casper, der an der Universität Münster lehrt. Islamische Banken betreiben nur Geschäfte, die mit dem islamischen Recht, der Scharia, übereinstimmen. Das islamkonforme Bankwesen beruht laut Casper auf drei Säulen: dem Verbot von Zinsen (Riba), dem Verbot aller Geschäfte mit Glücksspielcharakter (Maysir) und dem Verbot der Spekulation und Unsicherheit (Gharar). „Was genau unter islamkonforme Bankgeschäfte fällt, ist aber umstritten“, sagte Casper. Islamic Banking sei von verschiedenen Rechtschulen mit unterschiedlichen Auslegungen geprägt - wie die gesamte Religion.

          Um sicherzugehen, dass islamische Banken nur islamkonforme Finanzprodukte anbieten, orientierten sie sich meist an den Leitlinien zweier großer Denkfabriken, einer eher konservativen aus Bahrain und einer liberaleren aus Malaysia. Dazu habe jede islamische Bank eine Art Scharia-Rat aus islamischen Rechtsgelehrten, der die einzelnen Produkte überprüfe.

          „Islamkonformen Finanzprodukte sind oft teurer, weil umständlicher“

          Besonders das Verbot der Unsicherheit werde unterschiedlich streng ausgelegt, sagte Experte Casper. „Ein gewisses Restrisiko wird aber akzeptiert.“ Das Zinsverbot werde derweil durch eine Art Parallelkauf (Murabaha) umgangen: Die Bank kauft dafür zum Beispiel ein Auto zum normalen Marktpreis. Danach verkauft sie es mit einem vorher vereinbarten Aufschlag an den Kunden, der den Preis in Raten zurückzahlt.

          Ein anderes Finanzprodukt islamischer Banken seien sogenannte Partizipationskonten, sagte Casper. Wollen Kunden Geld anlegen, investieren die Banken das Geld in - aus islamischer Sicht - ethische Unternehmen. „Verboten sind zum Beispiel Rüstungsunternehmen oder Firmen, die in der Schweinefleisch-, Alkohol- oder Rotlicht-Branche aktiv sind.“ Die Unternehmen beteiligen die Bank an ihren Gewinnen. Die Bank schüttet diesen Gewinn dann wiederum an ihre Kunden aus.

          „Diese islamkonformen Finanzprodukte sind in der Regel etwas teurer, weil sie umständlich sind“, sagte Casper. Dass islamische Banken für andere Menschen als religiöse Muslime interessant sind, hält er für unwahrscheinlich. Für Menschen, die nicht in die Rüstungsindustrie oder hochriskante Anlagen investieren wollen, gebe es genug andere Angebote im Bereich des sogenannten Ethical Bankings. Anders sehe es zum Beispiel im stark muslimisch geprägten Malaysia aus: Dort seien auch viele ethnische Chinesen Kunden islamischer Banken.

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