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Indexfonds : So baue ich mir ein ETF-Portfolio

Anleger sollten sich zuerst mit der Gewichtung der einzelnen Anlageklassen befassen Bild: © Images.com/Corbis

Der klügste Weg zu Aktien und Anleihen führt über ETF. Doch dabei kommt es auf die richtige Kombination an. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Anlegen.

          5 Min.

          In der Welt der Finanzen sind Zahlen das Maß aller Dinge. Daran gemessen ist derzeit kaum etwas so erfolgreich wie ein Anlagekonzept, für das sich die Bezeichnung ETF (die Abkürzung steht für Exchange Traded Fund) durchgesetzt hat: Die gewaltige Summe von weltweit fast 2.500 Milliarden Dollar haben Anleger darin investiert.

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mag der Name auch sperrig klingen: ETF oder Indexfonds, wie sie im Deutschen genannt werden, sind alles andere als kompliziert. Sie bilden die Wertentwicklung eines Börsenindex wie des Dax exakt nach. Gewinnt der Dax drei Prozent, steigt auch der ETF um drei Prozent. Verliert der Dax dagegen drei Prozent, rutscht der Indexfonds ebenfalls mit drei Prozent ins Minus. Anders als viele Finanzprodukte, die besser in die Hände von Börsenexperten gehören, sind ETF darum wunderbar für Privatanleger geeignet. Zumal sich aus mehreren Indexfonds ohne allzu große Mühe etwas zusammenstellen lässt, für das manch berühmter Investor mitunter großen Aufwand betreibt - ein gut geordnetes Portfolio.

          Ein leicht verständliches Konzept alleine garantiert aber nun eines gerade nicht: dass sich damit an der Börse automatisch Erfolge erzielen lassen. Natürlich ist dies auch mit ETF keineswegs sicher. Aber die Indexfonds haben zwei entscheidende Vorteile gegenüber klassischen Investmentfonds. Der erste: Ihr Kauf ist deutlich günstiger. Da der Anleger keinen Fondsmanager für dessen Arbeit bezahlen muss, fallen bei ETF in der Regel jährliche Gebühren an, die einen Betrag von 0,5 Prozent des investierten Geldes nicht überschreiten. Bei einem traditionellen Fonds können dies leicht zwei Prozent und mehr sein. Ein Unterschied, der sich für Anleger bezahlt macht. Denn eines steht trotz aller Unwägbarkeiten an den Kapitalmärkten bei jedem Investment im Vorhinein fest: Je höher die Gebühr, umso stärker schmälert dies die Rendite.

          Die Aufteilung des Geldes

          ETF sind aber nicht nur günstiger, sondern sie haben auch einen zweiten großen Vorteil. Brillante Köpfe wie Eugene Fama, Nobelpreisträger des Jahres 2013, konnten nachweisen: Auf Dauer schafft es kaum ein Fondsmanager, eine bessere Wertentwicklung zu erzielen als beispielsweise der Dax oder als der amerikanische Dow Jones. Auf einzelne Fondsmanager zu vertrauen ist darum viel riskanter, als einen Indexfonds zu kaufen.

          Bild: F.A.Z.

          Auf dem Weg zum eigenen ETF-Portfolio ist diese Einsicht aber nur der Anfang. Denn gleich darauf steht für jeden Anleger eine Entscheidung an, die nicht so leicht zu treffen ist und die mit ETF erst mal nichts zu tun hat - die Entscheidung über die Aufteilung des eigenen Geldes. In der Fachsprache sagen die Profis „Asset Allocation“ dazu. Gemeint ist: Wie viel Prozent seines Geldes will ein Anleger in Aktien investieren, wie viel Prozent in Anleihen - und wie viel möglicherweise in andere Anlageklassen wie Rohstoffe? Mit anderen Worten: Wie hoch ist das Risiko, das er eingehen möchte?

          Leicht kann man sich nun im Wirrwarr der mehreren tausend Indexfonds verlieren, die es mittlerweile für fast alle Börsen dieser Welt, für unterschiedlichste Anleihemärkte und selbst für Rohstoffe gibt. Genau darum warnen Experten wie Martin Weber, Finanzprofessor an der Universität Mannheim: „Zunächst sollten sich Anleger nicht mit konkreten ETF beschäftigen, sondern sich allein der Frage widmen, wie sie die einzelnen Anlageklassen zueinander gewichten wollen.“

          Das Verhältnis von Aktien zu Anleihen

          Klingt leichter gesagt als getan: Schließlich verzweifeln mitunter sogar Starinvestoren an dieser Herausforderung. Es gibt aber einen Weg, wie sich Privatanleger der Sache gut nähern können - indem sie dem Prinzip folgen, das auch der Funktionsweise der ETF zugrunde liegt: Keep it simple, macht es euch so einfach wie möglich. Das bedeutet: Komplexe Berechnungen zur optimalen Portfoliozusammensetzung kann man sich sparen. Stattdessen reicht eine einzige Fragestellung - mehr Aktien oder mehr Anleihen? In Tests haben Finanzprofessor Weber und sein Team nämlich nachgewiesen: Im Zeitraum der vergangenen 40 Jahre waren solch einfache Strategien theoretisch ausgeklügelten Modellen klar überlegen.

          Nun darf die Aufteilung aber auch nicht völlig zufällig erfolgen. Wer einen höheren Aktienanteil wählt, muss wissen: Damit entscheidet er sich für eine riskantere Ausrichtung seines Portfolios (siehe Grafik). Er muss dann nämlich trotz längerfristig guter Renditeaussichten auf kürzere Sicht zuweilen ganz schön starke Kursschwankungen aushalten. Bevorzugen Anleger dagegen einen höheren Anleiheanteil, sind viel geringere Kursschwankungen als bei einem Aktienübergewicht zu erwarten: Die Berechenbarkeit ist also höher, das Risiko kleiner - und die Ausrichtung des Portfolios damit defensiv.

          Die Untersuchungen der Universität Mannheim zeigen nun aber auch: Ob Anleger sich für ein Verhältnis von Aktien zu Anleihen von 60 zu 40 Prozent oder von 70 zu 30 Prozent entscheiden, verändert das Risiko am Ende nicht außerordentlich. Nur von Extremquoten wie einem Verhältnis von 90 Prozent Aktien zu 10 Prozent Anleihen ist abzuraten, denn hierbei ist das Risiko zu hoch. Bei einer solchen Aufteilung, die fast ausschließlich auf Aktien setzt, wird nämlich eine Grundidee verletzt, die jedem Investment zugrunde liegen sollte - der Gedanke der Streuung.

          Die passenden Indizes

          Nun geht’s an die Feinjustierung: Hat der Anleger sich einmal für eine bestimmte Aufteilung seines Geldes auf Aktien und Anleihen entschieden, muss er sich überlegen, mit welchen Indexfonds er diese Quoten abbilden möchte. Die Auswahl ist riesig, darum gilt gerade für Privatanleger: Sie sollten sich bei der Zusammenstellung ihres ETF-Portfolios auf möglichst zwei oder drei Indexfonds beschränken - so behalten sie stets den Überblick, und auch die Gebühren bleiben im Rahmen.

          Aber welcher Index bildet nun die Entwicklung der Börsen besonders gut ab und welcher die Wertentwicklung von Anleihen? Viele deutsche Anleger würden mit Blick auf die Aktien darauf die Antwort geben: natürlich der Dax. Nun ist es sicherlich kein Fehler, den Anteil der Aktien im eigenen Portfolio mit Hilfe eines Dax-ETF abzudecken - schließlich lässt sich der aktuelle Stand des Börsenbarometers problemlos in Zeitung, Fernsehen oder Internet verfolgen. Kein Index ist leichter zugänglich.

          Bild: F.A.Z.

          Besser unter dem Gesichtspunkt der Streuung aber ist es, sein Geld in Indizes anzulegen, die die Wertentwicklung von Aktien aus der ganzen Welt abbilden. Zwei Barometer eignen sich dafür besonders gut: auf der einen Seite der sogenannte MSCI World, der trotz seines Namens allein die Wertentwicklung großer Aktiengesellschaften aus den wichtigsten Industriestaaten der Welt abbildet. Und auf der anderen Seite der MSCI Emerging Markets, der das gleiche für Aktiengesellschaften aus Schwellenländern tut. Wer sich für die zwei Indizes entscheidet, kann sein für die Aktienanlage bestimmtes Geld nach einer einfachen Faustformel auf sie aufteilen: Ein Drittel kann man in den Schwellenländer-Index investieren und zwei Drittel in die Industriestaaten - das entspricht ganz grob den Kräfteverhältnissen der börsennotierten Firmen aus diesen beiden Teilen der Welt.

          Die Suche nach dem richtigen Anleiheindex für das ETF-Portfolio muss dagegen nicht die ganze Welt umfassen, auch wenn es ETF auf weltweite Anleihebarometer natürlich gibt. Viele Experten raten aber, besser auf Indizes wie den „IBoxx Euro Sovereigns“ zu setzen, der die Wertentwicklung europäischer Staatsanleihen abbildet. Dies hat vor allem einen Vorteil: In der Vergangenheit hat sich der Index meist positiv entwickelt, wenn die Kurse an den Börsen fielen - eine wirksame Versicherung gegen Verluste. Bei welchem Anbieter aber sollen Anleger Aktien- oder Anleihe-ETF für ihr Portfolio kaufen? Eine Auswahl an günstigen Indexfonds hat das Analysehaus Morningstar für die F.A.S. zusammengestellt (siehe Tabelle).

          Das Rebalancing

          Das ETF-Portfolio ist nun weitgehend zusammengebaut. Eines aber dürfen Anleger nicht vergessen: Einmal im Jahr sollten sie sich die Wertentwicklung ihres Portfolios genauer anschauen - und zwar sowohl den Aktien- als auch den Anleiheanteil. Denn möglicherweise hat sich das Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen in diesem Zeitraum dramatisch verändert.

          Haben sich beispielsweise die Aktienkurse deutlich besser entwickelt als die Anleihen, hat dies automatisch einen Anstieg des Aktienanteils zur Folge. Aus einer defensiven Portfolioaufteilung (30 Prozent Aktien, 70 Prozent Anleihen) kann dann schnell das Gegenteil werden: Ein Portfolio, das eigentlich zur Vermeidung von Risiken gedacht war, wird ziemlich riskant.

          Darum ist das sogenannte Rebalancing so wichtig. So bezeichnen Profianleger den Prozess des Umschichtens, der nun ansteht: Er dient dazu, zu den ursprünglich festgelegten Aktien- und Anleihequoten zurückzukehren. Im Beispielfall müssten Anleger also so viele Anteile an Aktien-ETF verkaufen, bis ihr Portfolio sich wieder aus 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Anleihen zusammensetzt. Eine zweite, teurere Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, geht so: Einfach so lange in zusätzliche Anteile von Anleihe-ETF investieren, bis das Ausgangsverhältnis wieder erreicht ist.

          Sich jahrelang sklavisch an die einmal festgelegte Quote zu halten, wäre jedoch grundfalsch: Je nach Lebenssituation kann es sinnvoll sein, über die Aufteilung des eigenen Geldes noch einmal grundsätzlich neu nachzudenken.

          Dass der Hype um Indexfonds in Zukunft abnehmen wird, ist jedenfalls nicht zu erwarten. Selbst Börsenstars wie Warren Buffett empfehlen Anlegern mittlerweile, in großem Stil in ETF zu investieren.

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