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Indexfonds : So baue ich mir ein ETF-Portfolio

Das Verhältnis von Aktien zu Anleihen

Klingt leichter gesagt als getan: Schließlich verzweifeln mitunter sogar Starinvestoren an dieser Herausforderung. Es gibt aber einen Weg, wie sich Privatanleger der Sache gut nähern können - indem sie dem Prinzip folgen, das auch der Funktionsweise der ETF zugrunde liegt: Keep it simple, macht es euch so einfach wie möglich. Das bedeutet: Komplexe Berechnungen zur optimalen Portfoliozusammensetzung kann man sich sparen. Stattdessen reicht eine einzige Fragestellung - mehr Aktien oder mehr Anleihen? In Tests haben Finanzprofessor Weber und sein Team nämlich nachgewiesen: Im Zeitraum der vergangenen 40 Jahre waren solch einfache Strategien theoretisch ausgeklügelten Modellen klar überlegen.

Nun darf die Aufteilung aber auch nicht völlig zufällig erfolgen. Wer einen höheren Aktienanteil wählt, muss wissen: Damit entscheidet er sich für eine riskantere Ausrichtung seines Portfolios (siehe Grafik). Er muss dann nämlich trotz längerfristig guter Renditeaussichten auf kürzere Sicht zuweilen ganz schön starke Kursschwankungen aushalten. Bevorzugen Anleger dagegen einen höheren Anleiheanteil, sind viel geringere Kursschwankungen als bei einem Aktienübergewicht zu erwarten: Die Berechenbarkeit ist also höher, das Risiko kleiner - und die Ausrichtung des Portfolios damit defensiv.

Die Untersuchungen der Universität Mannheim zeigen nun aber auch: Ob Anleger sich für ein Verhältnis von Aktien zu Anleihen von 60 zu 40 Prozent oder von 70 zu 30 Prozent entscheiden, verändert das Risiko am Ende nicht außerordentlich. Nur von Extremquoten wie einem Verhältnis von 90 Prozent Aktien zu 10 Prozent Anleihen ist abzuraten, denn hierbei ist das Risiko zu hoch. Bei einer solchen Aufteilung, die fast ausschließlich auf Aktien setzt, wird nämlich eine Grundidee verletzt, die jedem Investment zugrunde liegen sollte - der Gedanke der Streuung.

Die passenden Indizes

Nun geht’s an die Feinjustierung: Hat der Anleger sich einmal für eine bestimmte Aufteilung seines Geldes auf Aktien und Anleihen entschieden, muss er sich überlegen, mit welchen Indexfonds er diese Quoten abbilden möchte. Die Auswahl ist riesig, darum gilt gerade für Privatanleger: Sie sollten sich bei der Zusammenstellung ihres ETF-Portfolios auf möglichst zwei oder drei Indexfonds beschränken - so behalten sie stets den Überblick, und auch die Gebühren bleiben im Rahmen.

Aber welcher Index bildet nun die Entwicklung der Börsen besonders gut ab und welcher die Wertentwicklung von Anleihen? Viele deutsche Anleger würden mit Blick auf die Aktien darauf die Antwort geben: natürlich der Dax. Nun ist es sicherlich kein Fehler, den Anteil der Aktien im eigenen Portfolio mit Hilfe eines Dax-ETF abzudecken - schließlich lässt sich der aktuelle Stand des Börsenbarometers problemlos in Zeitung, Fernsehen oder Internet verfolgen. Kein Index ist leichter zugänglich.

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