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Geldanlage : Harte Zeiten für ängstliche Sparer

Tresorraum mit Goldbarren: der letzte sichere Hafen für das Ersparte? Bild: dpa

Banken verlangen mittlerweile Strafzinsen auf dem Tagesgeldkonto. Wohin mit dem Geld? Abheben und unter die Matratze? Die Sparer stecken in einem Dilemma.

          Noch müssen nur wenige Kunden ihre Bank bezahlen, damit sie ihr Geld anvertrauen dürfen. Doch das könnte sich bald ändern. Nachdem die Deutsche Skatbank in der vergangenen Woche ihre Verzinsung für Vermögen von mehr als 500.000 Euro auf Tagesgeldkonten auf minus 0,25 Prozent gesenkt hat, schließen Beobachter ähnliche Schritte auch von größeren Banken nicht aus. Schließlich würde damit nur das an die Kunden weitergegeben, was die Europäische Zentralbank auch von den Banken verlange. Diese müssen seit Juni für Einlagen bei der EZB Strafzinsen zahlen.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Wer den Banken solche Strafzinsen nicht durchgehen lassen will, muss sein Geld vom Konto abheben. Doch was dann? Auf Tagesgeldkonten ist das Geld relativ sicher und jederzeit verfügbar. Das macht sie so beliebt. Der Anleger könnte es daher bei einer anderen Bank auf ein Tagesgeldkonto einzahlen.

          So zahlt der Marktführer ING-Diba auf seinem als Extrakonto bezeichneten Tagesgeldkonto für Kunden ab einer Einlagesumme von 250.000 Euro immerhin noch einen Zins von 0,5 Prozent. Für kleinere Beträge sind es 0,8 Prozent und für Neukunden 1,25 Prozent. Der Marktdurchschnitt für Bestandskunden mit 5000 Euro auf dem Konto beträgt nach Angaben der FMH-Finanzberatung derzeit knapp 0,6 Prozent.

          „Das Versicherungsgeschäft ist oft Glaubenssache“

          Der Anleger könnte das Geld aber auch mit nach Hause nehmen. Die Verfügbarkeit wäre gegeben, die Sicherheit jedoch fraglich, schließlich kann das Geld gestohlen werden. Größere Mengen Bargeld zu versichern ist schwierig. In den meisten Hausratversicherungen ist eine Deckelung auf wenige Hundert Euro vorgesehen. „Wer bei uns mehr als 1500 Euro Bargeld gegen Einbruch versichert haben will, der muss einen VDS-zertifizierten, fest eingebauten Tresor nachweisen können“, sagt Dietmar Drechsel, Versicherungsfachmann der HUK Coburg. Dann erhöht sich die Summe versicherten Bargelds auf 40 Prozent der Deckungssumme in der Hausratversicherung.

          Wer also 100.000 Euro in seiner Hausratversicherung angegeben hat, kann bei der HUK 40.000 Euro Bargeld in einem entsprechenden Tresor zu Hause aufheben. Eine solche Versicherung kostet je nach Wohnort zwischen 100 und 200 Euro im Jahr. Gleichwohl ist die Handhabung bei Bargeld im Schadensfall nicht immer einfach. Selbst wenn der Kunde die Abhebung bei der Bank nachweisen kann, ist es nicht auszuschließen, dass er das Geld zwischenzeitlich ausgegeben hat und es bei einem Diebstahl gar nicht mehr in seinem Tresor lag. „Das Versicherungsgeschäft ist oft Glaubenssache“, sagt Drechsel.

          Fest verankert und explosionssicher

          Ein Tresor mit entsprechendem Zertifikat kostet in der Standardausstattung etwa 700 bis 1000 Euro, sagt Ingo Schonert, der seit 20 Jahren den Tresorhandel Ingo Schonert Tresore betreibt. Der Tresor muss zudem fest in der Wand oder im Boden verankert sein, so dass er nicht abtransportiert werden kann. Allerdings muss der Kunde davon ausgehen, dass der Tresor von einem Profi schneller aufgebrochen werden kann als höherpreisige Modelle und er sich dann doch wieder mit seiner Versicherung arrangieren muss. „Wer auf der sicheren Seite sein will, muss 5000 Euro investieren“, sagt Schonert. „Für diesen Tresor brauchen selbst Experten zwei bis drei Tage, er ist zudem explosionssicher.“

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