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Erhöhung von Kontogebühren : Der Bankkunde soll jetzt anders zahlen

Wer seine Geldgeschäfte nicht online erledigt, sondern sich für einen Überweisungsträger auf Papier entscheidet, muss dafür bei vielen Banken zahlen. Bild: dpa

Viele Banken senken die Bauzinsen. Gleichzeitig erhöhen sie Kontogebühren. Das bekommen Bankkunden teuer zu spüren. Bietet Online-Banking einen Ausweg?

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          Ein Großteil der Banken in Deutschland hat in den vergangenen Wochen die Bauzinsen noch weiter in Richtung null gesenkt. Die Stiftung Warentest spricht von einem „neuen Tiefstand“. Zugleich drehen immer mehr Banken an der Gebührenschraube, was die Leistungen rund ums Girokonto und Kreditkarten betrifft. Eine entsprechende gegenläufige Entwicklung geht aus Zahlen der FMH-Finanzberatung in Frankfurt hervor.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dahinter stecken offenbar mehr als nur die normalen regelmäßigen Änderungen der Bankkonditionen. Immer mehr Institute versuchen offenbar, eine schwache Marge im Zinsgeschäft zumindest teilweise durch höhere Gebühreneinnahmen auszugleichen. Es geht um so etwas wie erste Spuren einer Umstellung des Geschäftsmodells in der Niedrigzinsphase.

          Viele Banken in Deutschland senken die Bauzinsen weiterhin in Richtung null.

          Eine Senkung der Bauzinsen um 0,1 Prozentpunkte war laut FMH in den vergangenen fünf Wochen Standard. Die Commerzbank beispielsweise senkte die Zinsen für Baudarlehen mit zehn Jahren Laufzeit und 60 Prozent Beleihung von 1,1 auf 1,0 Prozent, die Deutsche Bank von 1,3 auf 1,2 Prozent. Bei kleineren Banken fiel die Zinssenkung zum Teil sogar noch stärker aus: Die Vereinigte Volksbank Münster ging runter von 1,41 auf 1,26 Prozent, die Berliner Sparkasse von 1,33 auf 1,13 Prozent (siehe Grafik).

          Bankkunden zahlen höhere Kreditkartengebühren

          Eine gegenläufige Entwicklung gibt es offenbar bei den Gebühren, die Bankkunden für Leistungen rund um das Girokonto und für Kreditkarten zahlen müssen. Untersucht hat FMH die Bedingungen von 61 Instituten über die vergangenen zwölf Monate. Bei 24 Anbietern sind in diesem Zeitraum die jährlichen Kreditkartengebühren deutlich gestiegen. Überwiegend zahlen Kunden zwischen vier und zehn Euro im Jahr mehr als noch 2015. In der Spitze fielen 20 oder auch 42 Euro Jahresgebühr an. Lediglich 25 der Banken nehmen weiterhin keine Jahresgebühr. Einige Institute seien zwar bereit, die Entgelte je nach Umsatz mit der Karte ganz oder teilweise zu erstatten. Um in den Genuss dieses Services zu kommen, müssten Verbraucher zum Teil aber eine „sehr ausgeprägte Konsumfreude“ an den Tag legen.

          Bei den Gebühren für die Girocard (früher EC-Karte) seien die Banken noch zurückhaltend. Allerdings hätten sieben von zehn Banken, bei denen es dafür eine pauschale Gebühr gebe, diese zuletzt erhöht. Die Erhöhungen bewegten sich zwischen zwei Euro (Mainzer Volksbank, von zehn auf zwölf Euro) und zwölf Euro (Sparda-Bank Hannover von null auf zwölf Euro).

          Auch die Kontoführungsgebühren sind bei vielen Instituten gestiegen. Etliche Banken und Sparkassen hatten dabei laut FMH auch in der Vergangenheit schon kräftig zugelangt. 28 Banken erheben bereits monatliche Kontoführungsgebühren zwischen 2 und 14,90 Euro je nach Kontomodell. Einige haben neue Modelle eingeführt und zugleich die monatlichen Entgelte um bis zu 7,90 Euro erhöht.

          Die Dispo-Zinsen sind bei vielen Banken gesunken, allerdings im Vergleich zum sonstigen Zinsniveau immer noch hoch. Im Durchschnitt der untersuchten Institute fielen sie in den vergangenen zwölf Monaten von 9,61 auf 9,45 Prozent.

          Auch analoge Überweisungen kosten

          Vor allem, wer seine Geldgeschäfte nicht online erledigt, sondern noch einen Überweisungsträger auf Papier benutzt, muss bei vielen Banken zahlen. Für Schlagzeilen gesorgt hatte die Commerzbank, als sie zum 1. Juni für das bis dahin kostenlose Girokonto eine Gebühr von 1,50 Euro für jede beleghafte Überweisung eingeführt hatte.

          Laut FMH verlangen mittlerweile 38 der untersuchten Banken für solche beleghaften Buchungen eine Gebühr. Der durchschnittliche Preis liege bei 94 Cent je Buchung; in der Spitze können aber bis zu zehn Euro je Buchung anfallen; beispielsweise bei der Netbank, einer Direktbank, deren Kunden allerdings vergleichsweise wenig beleghafte Überweisungen verwenden. Da gehe es wohl mehr um „Abschreckung“, hieß es.

          Auch die Benutzung von Selbstbedienungsterminals in Bankfilialen kostet bei einigen Instituten Geld. Fünf der 61 Banken verlangen zwischen 0,50 und 1,90 Euro, wenn Kunden ein Selbstbedienungsterminal für Überweisungen nutzen. Diese Entwicklung dürfte weiter zunehmen, meint FMH, und rät, Überweisungen lieber über das Online-Banking von eigenen Geräten aus vorzunehmen. Selbst das Ausdrucken von Kontoauszügen im Schaltervorraum ist nicht überall kostenlos.

          Auch sonst müssten Bankkunden vermutlich in den nächsten Wochen mit weiteren Gebührenerhöhungen rechnen, heißt es. Vom 18. September an müssen die Banken ihren Kunden nämlich auf Druck des Gesetzgebers einen erweiterten Service zum Wechseln des Girokontos anbieten. Vieles spreche dafür, dass die Banken im Vorfeld dieser Umstellung noch einmal kräftig zulangen werden und darauf setzten, dass die Kunden den ersten Ärger bis zum Herbst wieder vergessen haben – und von einem Kontowechsel absehen.

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