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Disruption als Strategie : Investieren in die Welt von morgen

3D-Druck von Organen: Biotinte des schwedischen Herstellers Cellink Bild: Cellink

Der asiatische Vermögensverwalter Nikko hält den derzeitigen technischen Wandel für den größten seit Kommerzialisierung der Elektrizität. Wie lässt sich investieren?

          An der Börse wird die Zukunft gehandelt, heißt es. Oft genug heißt Zukunft dabei nur die Fortschreibung der Vergangenheit. Nicht so für den Vermögensverwalter Nikko, der vor allem in Asien zu den führenden Gesellschaften gehört. Vor zwei Jahren hat Nikko sich bei der amerikanischen Gesellschaft ARK eingekauft, die auf ein Themenfeld spezialisiert ist: Disruptive Innovation, also Technik, welche die Welt verändert. Seit dem Frühjahr ist auch in Deutschland ein Fonds auf dem Markt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Ich weiß, dass so etwas immer wieder beschworen wird“, sagt Renato Leggi, Fondsmanager für ARK Invest. „Aber die Zeit, in der wir heute leben, ist technologisch betrachtet wirklich einzigartig. Seit der Kommerzialisierung der Elektrizität im 19. Jahrhundert gab es keine solche Innovationsdichte mehr, welche die Welt so sehr verändert, wie es jetzt der Fall ist.“

          Gleich fünf Gebiete zählt Leggi auf, die derzeit technischen Umwälzungen unterworfen seien: DNA-Sequenzierung, die Interaktion von Menschen und Robotern, die Energieversorgung, Künstliche Intelligenz und die Blockchain.

          Nicht zu früh und nicht zu spät zugreifen

          Entscheidend sei beim Investieren in Zukunftstechniken am Ende der richtige Zeitpunkt, meint Leggi. Das ist zwar eine Binsenweisheit, in der Praxis aber schwer zu bewerkstelligen. „Schon vor zwanzig Jahren waren etwa Aktien aus dem Bereich personalisierte Medizin gesucht, aber die zugrundeliegende Technologie, DNA-Sequenzierung, war damals noch viel zu teuer. Das ging für die Anleger nicht gut aus, weil es einfach zu früh war.“ ARK setzt daher dann auf Branchen, wenn man den Durchbruch innerhalb von fünf Jahren erwartet. Dann seien die Wahrscheinlichkeiten schon abschätzbar, aber noch nicht eingepreist.

          ARK setzt nie auf ein einziges Themenfeld. Man verfolge Strategien und Unter-Strategien, wenn die eine sich nicht als erfolgreich erweise, dann doch eine andere, sagt Leggi. Das sei allemal besser, als mit dem Markt mitzulaufen und mit allen anderen für Fehler bestraft zu werden. Denn das führt zu Verlusten, die wirklich schmerzen. Da sei es doch besser, allein bestraft zu werden. „Wenn man einmalig falschliegt, schmerzen die Verluste nicht so sehr, wie wenn man gemeinsam mit allen anderen falschliegt. Aber wenn man einmalig richtigliegt, sind die Möglichkeiten groß. Das ergibt unter dem Strich ein in positiver Weise ungleiches Chance-Risiko-Profil.“

          Zwei Punkte sind für Leggi an einer Zukunftsbrache zentral. Zum einen müsse die Technik in absehbarer Zeit zu stark sinkenden Kosten führen. Zum anderen müsse sie branchenübergreifend angewendet werden können. DNA-Sequenzierung etwa verändere nicht nur die Medizin, sondern auch die Landwirtschaft. Beschränke sich eine Technik auf eine Branche, sei die Wahrscheinlichkeit zu groß, dass sie sich nicht durchsetzt. Wenn es um Innovationen gehe, dürfe man auch nicht von seinem persönlichen Umfeld auf deren Durchschlagskraft schließen. Elektromobilität etwa sei in Amerika und Asien ein viel größeres Thema als in Europa: „Und industrielle Anwendungen sind oft viel wichtiger als der Hype um Anwendungen für den Endverbraucher wie etwa im 3D-Druck.“

          Wenn man so eine Zukunftsbranche identifiziert habe, so gelte es die Gewinner von den Verlierern zu trennen. „Und wir glauben, es wird eine Menge Verlierer geben, denn dies werden Märkte sein, in denen der Sieger alles oder zumindest das meiste für sich vereinnahmen wird. Man kann in alles investieren, aber das ist nicht sehr erfolgversprechend.“ Es gehe am Ende um den höchsten Marktanteil. Wichtig sei dabei, dass Gewinne reinvestiert würden, um sich Vorteile zu schaffen. Wer in einer Zukunftsbranche Dividenden zahle, der versuche eher etwas zu retten, was schon kaputtgegangen sei.

          ARK setzt bewusst auf börsennotierte Firmen und nicht auf Private-Equity. Es treffe zwar zu, dass Unternehmen heutzutage länger privat blieben, aber börsennotierte Unternehmen und ihre Technik seien dann auch reifer. Rund vier Milliarden Dollar sind insgesamt bei Nikko in der „Disruptive Innovation“-Strategie investiert. Der Fonds für Privatanleger macht mit seinen unterschiedlichen Tranchen dabei 1,5 Milliarden Dollar aus. Da der Fonds vor noch nicht einmal zwölf Monaten aufgelegt wurde, lässt sich über die Wertentwicklung noch nicht viel sagen.

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