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Digitale Zukunft : Kein Kredit ohne Facebook-Profil?

Menschen ohne digitales Profil könnten in Zukunft bei Bankgeschäften benachteiligt werden, fürchtet der Experte Fernando. Bild: dpa

Das Profil in sozialen Netzwerken sagt viel über seinen Benutzer aus. Die Banken der Zukunft könnten daher die Kreditvergabe an digitale Profile knüpfen, sagt ein Experte für Finanztechnologie. Und das ist nicht alles.

          Entscheidet bald das eigene Profil auf Facebook, Linkedin und Co. darüber, ob jemand einen Kredit bekommt oder nicht? Dieses Szenario hält Finanztechnologie-Experte Gi Fernando für wahrscheinlich, wie die britische Zeitung Daily Mail berichtet. Banken könnten zum Beispiel einen Zugang zum Facebook-Account ihrer Kunden beantragen, um dort zu prüfen, ob sie über ein stabiles Netzwerk an Freunden und Kontakten verfügen. Dies würde den Geldinstituten einen Hinweis darauf geben, dass das Kreditrisiko geringer ausfällt als im Falle von Nutzern, die ihre Freunde in sozialen Medien häufig wechseln.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          „Der einzelne definiert sich über den Umgang, den er pflegt“, sagt Fernando. „Indem die Kunden ihren Banken ein wenig mehr Informationen geben, könnten sie von einer größeren Produktauswahl profitieren.“

          Die Menschen ohne Präsenz in sozialen Medien werden immer mehr zur Minderheit. Was macht jedoch jemand in Fernandos digitaler Zukunft, der keinen Facebook-Account besitzt und auch keinen einrichten möchte? Die Bankkunden ohne digitales Profil könnten bei der Kreditvergabe benachteiligt werden, sagt der Experte. Zu wissen, dass das Verhalten auf Facebook und Co. den Zugang zu Krediten beeinflussen kann, würde aber auch die soziale Interaktion selbst verändern, befürchten Kritiker. Muss ich dann Freunde und Kontakte behalten, um nicht als unstet und sprunghaft zu gelten?

          Der technologische Fortschritt könnte das Kundengeschäft der Banken laut Fernandos Vorhersagen aber noch in anderer Hinsicht stärker personalisieren: So sei vorstellbar, dass Banken bald Kreditkarten durch Smartphones ersetzen, die zum Bezahlen gegen Lesegeräte gehalten werden. „Apple betreibt mit EasyPay schon ein solches System. Man scannt mit dem Handy einfach den Barcode eines Produkts, das man kaufen will, und in einer Sekunde gehört es einem.“ Für noch wahrscheinlicher hält er aber, dass Kunden mit biometrischen Daten wie einem Iris-Scan oder einem Fingerabdruck bezahlen, da Karten oder Smartphones geklaut werden oder verloren gehen könnten. Fernando sagt auch voraus, dass Banken mehr die Nähe ihrer Kunden suchen und Filialen in Cafés und Supermarktketten eröffnen werden.

          Die Geldhäuser stehen seiner Meinung nach schon jetzt unter großem Wettbewerbsdruck. Anbieter wie Ebay, die im vergangenen Monat bekanntgaben, Hunderttausende kleiner Unternehmen in Großbritannien Finanzdienstleistungen anzubieten, treten in Konkurrenz zu traditionellen Geldhäusern. Banken seien daher gezwungen, Innovationen schnell umzusetzen.

          Gi Fernando dürfte an diesem Wandel übrigens auch ein eigenes Interesse haben: Der 43-Jährige gründete vor zwei Jahren die Firma „Free:Formers“, die unter anderem digitale Trainings für Banken anbietet. Deshalb betont er auch, wie wichtig es sei, dass Unternehmen, inklusive Banken, ihren Mitarbeitern in Schulungen die Fähigkeiten vermitteln, die sie für die digitale Zukunft dringend benötigen.

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