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Fintech : Die Volksbanken suchen die Super-App

Am Ende steht dann die Präsentation des Prototyps. Eine Jury aus Vorstandsmitgliedern genossenschaftlicher Finanzunternehmen entscheidet, welche App sie am meisten überzeugt. Sie soll dann im besten Fall so weit weiterentwickelt werden, dass sie auch rechtssicher und geschäftstauglich auf den Markt gebracht werden kann. Im Laufe des Hackathons sollen solche Fragen dagegen höchstens eine Nebenrolle spielen, um gute Ideen nicht von vornherein zu zerbröseln.

Wie auf Klassenfahrt

Das Spektrum ist breit. Eine Mitarbeiterin der R+V Versicherung hat eine App vorgeschlagen, mit der sich Interessenten mit wenigen Klicks für bestimmte Ereignisse absichern können. Wer eine Reise antritt, kann für die Dauer des Urlaubs eine Auslandskrankenversicherung, einen Diebstahl- und einen Einbruchsschutz abschließen, ganz ohne Papierkram und Paragraphen. Ein anderes Team arbeitet an einer Art genossenschaftlicher Dropbox, in der alle wichtigen Dokumente etwa für die Steuererklärung abgelegt werden können. An einem anderen Tisch wird ein Programm ausgetüftelt, mit dem Immobilienkäufer mit Handwerkern aus der Region - also die einen Kunden der Volksbank mit den anderen - vernetzt werden können.

Die Stimmung ist wie auf einer Klassenfahrt, die meisten Teilnehmer sind zwischen 25 und 40, einige älter. Vor allem dass die Gruppen aus ganz unterschiedlichen Unternehmen und Aufgabenfeldern zusammengemischt sind, finden die meisten belebend. In der Gruppe, die die R+V-App entwickelt, überlegen die Kollegen aus der Volksbank und der Bausparkasse gleich, ob sich das Programm noch um Angebote aus ihrem Beritt erweitern lässt (Cross-Selling) und wie sie es am besten an ihre Kunden bringen könnten.

Ein weitere Weg zur Öffentlichkeit

Die beiden Programmierer der Gruppe freuen sich, dass sie gleich stopp sagen können, wenn aus ihrer Sicht etwa das Programm überfrachtet würde. Alle sind sich einig, dass sie durch die enge Zusammenarbeit viel besser verstehen, wie die jeweils andere Seite denkt. Und wenn es Nachfragen gibt, müssen sie sich nicht durch verschiedene Abteilungen telefonieren.

Am Ende des Hackathons setzt sich die „Kann ich mir das leisten?“-App gegen die Konkurrenz durch. Brendle und der Rest der Gruppe können nun noch einmal in einem zweitägigen Workshop daran weiterarbeiten. Mitarbeiter der Genossenschafts-Akademie bringen ihnen bei, wie das Geschäftsmodell und die rechtlichen Regelungen dahinter integriert werden könnten. Ob die App wirklich einmal zum Kunden kommt, muss dann noch die Marktforschung entscheiden - und die Volks- und Raiffeisenbanken, um deren Kunden es ja geht.

„Eine Art Talentsichtung“

Die Organisatoren sind begeistert von ihrem ersten gemeinsamen Hackathon. „Auf solchen Veranstaltungen sieht man Leute, die sprühen für ihre Ideen - Leute, die man sonst gar nicht sieht, weil sie irgendwo in IT-Abteilungen sitzen“, sagt Boris Janek von der ADG. Oft seien es gerade die Mitarbeiter, die in ihrer Abteilung schon einmal anecken. „Es ist auch eine Art Talentsichtung.“

Insofern findet Luks von der Fiducia GAD es auch so wichtig, nicht nur zu schauen, was andere Fintechs für neue Ideen hervorbringen, sondern das Talent aus der eigenen Finanzgruppe über solche Hackathons zu nutzen. Und Thomas Ullrich der als IT-Vorstand der DZ Bank am Ende in der Jury saß, sagt: „Wir denken schon jetzt darüber nach, wie wir dieses innovative Format fortführen können.“

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