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Niedrige Zinsen : Wann schließen die ersten Sparkassen?

Die Welt steht Kopf: die als solide geltenden Sparkassen und Volksbanken könnten in Schwierigkeiten kommen. Bild: F.A.S.

Bald brauchen sie selbst einen Giro-Hero: Die niedrigen Zinsen machen Sparkassen und Volksbanken nämlich das Geschäft kaputt. Lange halten sie das nicht mehr durch.

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          Nicht nur Deutschlands Sparer ächzen unter den niedrigen Zinsen – auch für die deutschen Sparkassen und Volksbanken wird die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank so langsam zu einem Albtraum. Als Herbert Hans Grüntker, der besonnene Chef der Frankfurter Sparkasse, unlängst auf dem Neujahrsempfang seines Instituts über das abgeschlossene Geschäftsjahr plauderte, da nannte er seine Zahlen zwar gut – fügte aber ein geheimnisvolles „noch“ hinzu.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sparkassen und Volksbanken droht ein Desaster. „Noch“ geht es zwar irgendwie. Seit aber klar ist, dass EZB-Chef Mario Draghi die Zinsen in Europa auf lange Zeit extrem niedrig lassen will, wird darüber spekuliert, wie lange die regionalen Kreditinstitute das durchhalten. „Die kippen nicht gleich um wie die Fliegen“, sagt der Stuttgarter Bankenprofessor Hans-Peter Burghof. Viele Institute haben noch satte Reserven aus der Vergangenheit, außerdem stehen sie innerhalb des Sparkassen- und Volksbankenverbunds im Notfall füreinander ein. „Aber von 2018 an wird es ganz massive Probleme geben“, warnt Burghof.

          Es ist verrückt: Ausgerechnet die Sparkassen und Volksbanken geraten so unter Druck, dass mancher schon von einer künftigen Existenzgefährdung spricht. Dabei waren sie es doch gewesen, die in der Finanzkrise vergleichsweise ungeschoren davongekommen waren – und die immer als redlich, unbescholten und solide galten.

          Sparkassen-Marge wird immer kleiner

          Es geht nicht um irgendwelche vorübergehenden Schwierigkeiten, sondern um das Geschäftsmodell der regionalen Kreditinstitute selbst. Während große Banken wie die Deutsche Bank sehr unterschiedliche Geschäfte betreiben und Probleme im Einlagengeschäft durch Erträge in anderen Teilen der Bank ausgleichen können, sind Volksbanken und Sparkassen ganz darauf angewiesen.

          Was sonst oft eine Stärke war, ist jetzt eine Gefahr: Die regionalen Institute hängen nämlich bis zu 80 Prozent vom sogenannten Zinsüberschuss ab – also den Zinseinnahmen, die sie für Kredite und eigene Geldanlagen erhalten, abzüglich der Zinsen, die sie ihren Kunden für Spareinlagen zahlen. Und dieser Überschuss schrumpft.

          Zwar zahlen die Sparkassen und Volksbanken ihren Kunden nur noch Mickerzinsen. Aber umgekehrt bekommen sie praktisch nichts mehr, wenn sie das Geld selbst anlegen. Der Abstand dazwischen, die „Marge“, mit der sie ihr teures Filialnetz unterhalten und ihre Mitarbeiter bezahlen müssen, wird immer kleiner.

          Zehn Jahre niedrige Zinsen sind das Ende

          Mit jeder alten, noch höher verzinsten Geldanlage, die ausläuft, wird das Problem größer – weil sich keine vergleichbare Anlagemöglichkeit mehr finden lässt. Ungefähr ein Jahrzehnt dauert es, bis alle Anlagen einmal umgeschlagen sind. „Wenn die Zinsen zehn Jahre so bleiben, muss man sich sehr große Sorgen machen“, sagt Heiko Staroßom, Vorstandsmitglied der Sparkasse Bremen.

          Das ruft selbst die deutsche Bankenaufsicht Bafin schon auf den Plan. Die Aufseher machen sich Sorgen, dass Deutschlands Sparkassen und Volksbanken unvernünftig werden könnten, wenn ihnen die Einnahmen wegbrechen. „Gerade Institute, die stark im Einlagengeschäft tätig sind, bringen die anhaltend niedrigen Zinsen in eine schwierige Lage“, sagt Bafin-Chefin Elke König. „Das darf die Institute aber nicht dazu verleiten, auf der Suche nach neuen Ertragsquellen zu hohe Risiken einzugehen.“

          Die Möglichkeiten, auf den Margenverlust zu reagieren, sind nämlich recht bescheiden. Im Augenblick subventioniert so manche Volksbank und Sparkasse das magere Geschäft mit den Privatkunden aus dem Firmenkundengeschäft, das noch halbwegs läuft.

          Gute Konjunktur ist gut für Banken

          Dabei profitieren die Institute von der guten Konjunktur: Weil kaum ein Unternehmen pleitegeht und fast alle ihre Kredite brav zurückzahlen, können die Sparkassen und Volksbanken am Jahresende oft ihre Vorsorge für faule Kredite mehr oder minder auflösen – weil sie nicht gebraucht wurde. Aber keiner kann sich vorstellen, dass das auf Dauer so bleibt.

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