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Pläne der KfW : Wer baut, bekommt Geld geschenkt

  • -Aktualisiert am

Baukräne stehen auf einem Baugrundstück neben neugebauten Wohnhäusern in Köln. Bild: dpa

Die Staatsbank will erstmals Kredite mit Negativzinsen vergeben. Profitieren sollen Privatleute, Mittelstand und Kommunen. Bis die Negativzinsen beim Endkunden ankommen, könnte es allerdings noch dauern.

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          Die Niedrig- und Negativzinsen sind für viele Sparer ein Ärgernis. Wer hingegen eine Immobilie finanziert oder sich anderweitig verschuldet, kann sich darüber freuen, dafür kaum noch Zinsen zahlen zu müssen. Die staatliche Förderbank KfW geht nun noch einen Schritt weiter: Vom Jahresbeginn 2020 an will sie Förderkredite zunächst an Banken auch zu negativen Zinssätzen ausgeben – das heißt, wer ein solches Darlehen aufnimmt, bekommt idealerweise monatlich Geld gutgeschrieben anstatt welches zu bezahlen. Das soll für das ganze Spektrum der staatlichen Förderung gelten, sowohl für private Häuslebauer als auch für Mittelständler und Kommunen, wie der KfW-Vorstandsvorsitzende Günther Bräunig während einer Konferenz in Frankfurt sagte.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hintergrund ist, dass die vom Bund und den Ländern getragene KfW sich schon seit Jahren teilweise zu Negativzinsen an den Kapitalmärkten refinanzieren kann. Durch ihre Nähe zum Bund gilt sie Investoren als eine der sichersten Adressen der Welt. Daher nehmen sie in Kauf, dass sie Geld draufzahlen müssen, wenn sie eine Anleihe der KfW zeichnen.

          Im Sommer dieses Jahres konnte sich die Förderbank nach Angaben von Bräunig zeitweise zu Negativzinsen von bis zu 0,4 Prozent refinanzieren. Bislang war es Bräunig zufolge technisch nicht möglich, diesen Vorteil an die Förderkunden weiterzureichen, da die Computerprogramme schlicht kein Minus für Darlehenszinsen kannten. Das Geld blieb bei der KfW als Gewinn hängen. Da auf absehbare Zeit aber kein Ende der aktuellen Zinsniveaus in Sicht ist, reagiert die Förderbank nun.

          „Die Banken werden sich beeilen“

          Bis die negativen Zinsen tatsächlich bei den Endkunden ankommen, kann allerdings noch einige Zeit verstreichen. Die KfW darf nämlich nicht einfach direkt an die Endkunden herantreten, sondern muss die Förderkredite immer über deren Hausbank ausgeben. Das hat zweierlei Folgen: Zum einen darf die Hausbank noch eine Bearbeitungsgebühr obendrauf schlagen, im Falle von Hauskrediten bis zu 0,75 Prozent.

          Der Endkunde kommt also im Zweifel erst in den Genuss von Negativzinsen, wenn sich die KfW zu minus 0,76 Prozent oder weniger refinanzieren kann. Da manche Hausbanken aber auch geringere eigene Gebühren aufschlagen, kann es in vielen Fällen auch schon früher dazu kommen. Kommunen dürften als erste profitieren, da sie auch direkt Geld von der KfW abrufen können. Zuletzt war das Zinsniveau an den Märkten allerdings wieder etwas gestiegen.

          Für Privatleute und Unternehmer kommt es nun zusätzlich darauf an, wie schnell die Banken und Sparkassen ihrerseits ihre Computer für die neue Zinswelt fit machen. „Da es aber um einen Vorteil für den Kunden geht, bin ich zuversichtlich, dass sich die Banken hier beeilen werden“, sagte Bräunig in einem Pressegespräch zu dem Thema. Er gehe davon aus, dass bis zum Herbst 2020 alle Banken und Sparkassen in der Lage sein sollten, den Negativzins weiterzugeben.

          Banken reagieren skeptisch

          In einer Übergangsphase will sich die KfW mit einer Behelfslösung begnügen: Die Kredite sollen an die Hausbanken zu null Prozent herausgegeben werden und die Endkunden erhalten dann noch einen Zuschuss. Auch so muss der Kunde am Ende weniger Geld zurückzahlen als er bekommen hat. Ähnlich macht es die KfW übrigens schon jetzt in der Förderung zum energieeffizienten Bauen. Hier beträgt der Effektivzins für den Kunden aktuell 0,75 Prozent – inklusive der Hausbankgebühr. Je nachdem, wie umweltfreundlich die Immobilie ist, bekommt der Häuslebauer einen sogenannten Tilgungszuschuss von bis zu 15 Prozent.

          Warum arbeitet die KfW nicht einfach weiter mit solchen Zuschüssen? Aus Sicht von Bräunig lässt sich die Förderung feiner steuern, wenn man die Zinssätze dem aktuellen Marktniveau anpassen kann – also künftig auch ins Negative. Der Staat will sich auf diese Weise die Möglichkeit erhalten, auch im Niedrigzinsumfeld über Vergünstigungen solche Investitionen zu fördern, die aus seiner Sicht wünschenswert sind. Da Unternehmer und Hausbauer auch auf herkömmlichem Wege derzeit äußert günstige Finanzierungskonditionen bekommen, war die Nachfrage nach den KfW-Krediten zuletzt deutlich gesunken. Allein im ersten Halbjahr waren die zugesagten Mittel an Privatleute im Segment „Energiewende“ von 9,2 Milliarden auf 5,4 Milliarden Euro gesunken.

          Die Banken reagierten am Mittwoch skeptisch. „Sinkendes Fördervolumen alleine mit immer tieferen Zinsen zu kompensieren funktioniert nicht“, sagte Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes auf Anfrage der F.A.Z. Es sei wie bei den Leitzinsen der EZB: „Die einfache Gleichung Zinssenkungen bedeuten mehr Investitionen und Nachfrage geht im Negativzinsumfeld nicht mehr auf. Es mangelt vor allem an einer soliden Nachfrage nach Krediten, nicht an attraktiven Finanzierungsangeboten.“

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