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Umfrage : Generation Y sorgt weniger fürs Alter vor

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Die Mehrzahl der jungen Menschen blickt optimistisch in die Zukunft. Ist das ein Grund, warum weniger von ihnen fürs Alter vorsorgen? Bild: dpa

Wegen der Alterung der Gesellschaft müssten die jungen Menschen eigentlich mehr selbst vorsorgen. Tun sie aber nicht, zeigt eine neue Erhebung. Liegt das an ihrem Optimismus?

          In Deutschland ist eine neue Renten-Debatte vom Zaun gebrochen. Es geht um Altersarmut, das Rentenniveau, ob die Riester-Rente noch Sinn macht und den demographischen Wandel. Wenn die Gesellschaft älter wird, geht eine Binse, müssen die Menschen entweder länger arbeiten oder höhere Beiträge zahlen oder eben eine geringere gesetzliche Rente akzeptieren.

          Beantworten müssen diese Frage vor allem diejenigen, die heute jung sind. Sie sind sich, zeigt eine repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest und der Hertie School of Governance, einerseits zwar bewusst, dass es im Rentensystem eine Lücke gibt. Durch eigene private Vorsorge schließen wollen sie diese aber nicht. Zumindest verhalten sie sich so.

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          Im Gegenteil: Die junge Generation sorgt weniger fürs Alter vor, geht aus der Umfrage hervor. Nur gut ein Drittel der Befragtem gibt an, regelmäßig fürs Alter zu sparen - das sind drei Prozent weniger als in der ersten solchen Erhebung im Jahr 2010. Nach Ansicht der Forscher muss die Politik mehr tun, um die „Generation Y“ für das Problem zu sensibilisieren und so vor (womöglich drohender) Altersarmut zu schützen.

          Für die Untersuchung hat TNS Infratest 2500 junge Menschen im Alter zwischen 17 und 27 Jahren zu ihren Vorstellungen für die persönliche Zukunft und über ihre Einstellungen und Strategien zur Altersvorsorge befragt. In den beiden vorherigen entsprechenden Umfragen aus den Jahren 2010 und 2013 ging bereits hervor: Die Jungen sind zwar grundsätzlich bereit, für das Alter vorzusorgen, aber nur eine Minderheit verfolgt tatsächlich tragfähige Strategien. Mit der dritten repräsentativen Befragung sind nun konkrete Trendaussagen über eine Zeit von sechs Jahren möglich.

          „Die Mehrzahl der jungen Leute ist optimistisch, wenn sie an ihre eigene Zukunft denkt", erklärt Jugendforscher Klaus Hurrelmann, der alle drei Untersuchungen geleitet hat. „Aber die Generation Y zweifelt immer mehr an der privaten Vorsorge. Nur 35 Prozent aller Jugendlichen sparen regelmäßig für ihre Altersversorgung. Dabei erstaunt der Realitätssinn der jungen Leute. Ihnen ist klar, dass die Vorsorge-Angebote und die jetzigen Rahmenbedingungen kein angemessenes Leben im Alter sichern.“

          Dabei befürworten knapp zwei Drittel (65 Prozent) automatische Sparregelungen. Wenn eine solche Sparregel mit einer Ausstiegsoption kombiniert würde und es noch Zuschüsse gäbe, wären laut Umfrage 89 Prozent dafür.

          „Auch 15 Jahre nach der Rentenreform hat sich noch keine Kultur zusätzlicher Vorsorge in Deutschland entwickelt. Die Tendenz geht bei der jungen Generation sogar in die entgegengesetzte Richtung" stellt Christian Traxler, Mitherausgeber der Studie, fest. Als „zutiefst besorgniserregend" bezeichnet Heribert Karch, Geschäftsführer des Versorgungswerkes MetallRente, das die Erhebung in Auftrag gegeben hatte, die Ergebnisse: Vor 15 Jahren sei die Renten-Reform mit dem Argument eingeführt worden, mehr Generationengerechtigkeit herzustellen. Das Ergebnis sei jedoch weniger Gerechtigkeit.

          „Die junge Generation wird immer mehr zur prekären Generation der Rentenpolitik“, findet er. Die Staatsausgaben für die Altersversorgung in Deutschland befänden sich gemeinsam mit Polen, Spanien und Slowenien am Rande des oberen Drittels aller OECD-Staaten. „Dennoch liegen die Lohnersatzraten - also das Verhältnis der Rente zum vorherigen aktiven Einkommen - in der Bundesrepublik am unteren Ende dieser Länder. Statt Generationen-Gerechtigkeit haben wir Unsicherheit.“

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