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Doch kein Auslaufmodell? : Die Bankfiliale vor Ort ist erstaunlich beliebt

Bankfilialen im Wandel: Bares bekommen Kunden immer seltener von Bankangestellten, sondern vom Geldautomaten oder an der Supermarktkasse. Bild: dpa

Obwohl der Trend zu Bankgeschäften im Internet unaufhaltsam scheint, wünschen sich viele Menschen in Deutschland gerade in Gelddingen den persönlichen Kontakt. Doch viele Banken haben andere Pläne.

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          Seit Jahren dünnen Kreditinstitute ihre Filialnetze immer weiter aus und reduzieren so die Präsenz vor Ort. Im Vorjahr kündigte die Deutsche Bank an, ein Fünftel oder rund 100 Filialen schließen und um die 400 erhalten zu wollen. Der Trend zu Online- und Mobile-Banking, also Bankgeschäften über das Internet, die jederzeit und bequem von zu Hause oder unterwegs, unabhängig von den Öffnungszeiten, erledigt werden können, scheint unaufhaltsam.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dennoch ist vielen, nicht nur älteren Kunden hierzulande eine Filiale, die man im Fall der Fälle auch persönlich aufsuchen kann, offenbar ganz und gar nicht egal. Einige lehnen Bankgeschäfte über das Internet etwa aus Sicherheitsgründen ohnehin ab. Und gerade bei der Wahl ihrer Hausbank achten viele Bankkunden wohl darauf, ob diese auch eine Filiale vor Ort hat. Dies ergibt eine Umfrage des Software­anbieters und IT-Dienstleisters Epam unter 3000 Bankkunden in Deutschland, Teil einer internationalen Befragung von rund 26.000 Personen im Alter von 18 Jahren an. Demnach legt fast die Hälfte der hierzulande Befragten Wert auf den persönlichen Filialkontakt. Die Filiale um die Ecke bleibe damit erstaunlich beliebt, heißt es von Epam. Trotz aller Online-Angebote seien im vergangenen Jahr 83 Prozent der Befragten persönlich bei ihrer Bank oder Sparkasse gewesen, 42 Prozent mindestens einmal im Monat.

          Kontoführung ohne Gebühren ist etwas mehr als der Hälfte wichtig

          Hat man das Geldhaus seines Vertrauens erst einmal gefunden, spricht einiges für eine längerfristige Beziehung, wenn beide Geschäftspartner sich entsprechend verhalten. Aus Kundensicht ist es auch mit einigem Aufwand verbunden, etwa eine Hauptkontoverbindung zu ändern, allein schon wegen oft zahlreicher Daueraufträge und Lastschriften für Miete, Versicherungen oder Vereinsbeiträge. 84 Prozent der Befragten in Deutschland sind mit ihrer Bank zufrieden. Am zufriedensten sind Kunden der ING , am unzufriedensten die der Deutschen Bank. Besonders wichtig für das Vertrauen zur Bank: Geld und persönliche Daten sollten sicher sein. Fast zwei Drittel der Kunden nutzen für Finanzdienstleistungen neben der Hausbank auch andere Anbieter. Im Durchschnitt tun sie dies mit 1,8 weiteren Dienstleistern. Dann geht es vor allem um Kreditkarten (27 Prozent), Sparkonten (21) oder Privatkredite (11).

          Gut drei Viertel der Befragten können sich grundsätzlich einen Wechsel des Kreditinstituts vorstellen. Die am häufigsten genannten Gründe sind: geringere Kosten oder kostenlose neue Kontoausstattungen sowie hohe Zinsen. Kontoführung ohne Gebühren ist etwas mehr als der Hälfte wichtig, gefolgt von einer leicht zu bedienenden App für das Online-Banking.

          Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer hierzulande würde sich für finanzielle Beratung vorrangig an das eigene Geldhaus wenden, die Familie landet mit einem Anteil von einem Drittel auf Platz zwei. Auch hier zeigt sich der Hang zur Nähe: Viele Deutsche zögen es vor, persönlich über Bankgeschäfte zu sprechen, und schätzten den Service in der Filiale, sagen die Epam-Fachleute. Dies sagten jeweils 36 Prozent. Je zwei Fünftel (42 Prozent) würden für eine individuelle Finanzberatung vor Ort und Hilfe bei der Verwaltung der Finanzen auch bezahlen. In der Filiale der Zukunft sollte es insofern weniger nur um Transaktionen als vielmehr um qualitativ hochwertige Unterstützung ge­hen, heißt es nicht nur von Epam. Viele Institute setzen daher schon jetzt auf besondere Beratungszentren.

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