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Niedrigzinsen : Profitiert von der Globalisierung!

Der aktuelle Monatsbericht der Bundesbank zeigt auf, dass das Spar- und Finanzvermögen der Deutschen auf 0,8 Prozent gesunken ist. Bild: dpa

Wer spart, verliert Geld – es war keine gute Nachricht für die Deutschen. Ein Portfolio-Manager sagt jetzt: Die Deutschen nehmen sich nicht genug von dem Reichtum, den die Globalisierung ihnen bringt.

          Der aktuelle Monatsbericht der Bundesbank weist aus, dass das Spar- und Finanzvermögen der Deutschen seit langem erstmals um 0,8 Prozent geschrumpft ist. Damit ist die Rendite, die ein durchschnittlicher Haushalt mit seinem Depot erzielt, unter null gesunken. Im Interview mit der F.A.S. sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann, dass er den Unmut der Sparer über die Niedrigzinsen gut verstehen könne.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Thomas Meier, Portfoliomanager von Mainfirst, nimmt dazu klarer Stellung: „Das Perverse für die Anleger ist doch: Nur um ihr Vermögen halten zu können, müssten sie in Risiko anlegen.“ Die niedrigen Zinsen treffen die Deutschen besonders stark. Laut Deutschem Aktieninstitut sind nur 15,7 Prozent aller Deutschen im Kapitalmarkt investiert. Die Verluste der Spareinlagen können daher für die Mehrzahl der Deutschen nicht durch mögliche Gewinne am Kapitalmarkt ausgeglichen werden. Es müsse daher endlich ein Umdenken in den Köpfen der Deutschen stattfinden, sagt Meier. Schließlich gehörten die Deutschen zu den größten Gewinnern der Globalisierung. Das Traurige sei aber, dass von diesem Erfolg andere profitierten. Allen voran ausländische Investoren, die zu großen Teilen an deutschen Unternehmen beteiligt seien. Die Politik tue aus seiner Sicht aber nicht genug, um dieses Problem anzugehen. „In Berlin interessiert das keinen“, sagt Meier.

          Das sollte es aber, denn dass die Deutschen im Kapitalmarkt nicht so aktiv seien wie beispielsweise die Amerikaner, liege unter anderem an der schlechten Aufklärung und den hohen bürokratischen Hürden hierzulande. „Die deutschen treiben es mit der Bürokratie auf die Spitze“, sagt Meier dazu.

          Passiv sein heißt Geld verlieren

          Auch im Halbjahresbericht des Deutschen Aktieninstituts wird die Regulierung kritisiert, vor allem die der Anlageberatung. Aus Befragungen des deutschen Aktieninstituts unter Banken und Sparkassen ging hervor, dass Bankberater aufgrund zunehmender regulatorischer Anforderungen Aktien immer weniger empfahlen. Auch wenn seit Juli dieses Jahres ein standardisiertes Informationsblatt für die Anlageberatung existiere, bestehe weiterhin die Befürchtung, dass mit dem Inkrafttreten von Mifid II – dem regulatorischen Rahmenwerk für Wertpapiergeschäfte in Europa – der Trend verstärkt werde, Kunden deutlich weniger Aktien anzubieten. Zudem rechnet Meier nicht so schnell mit einer Umkehr der Niedrigzinspolitik und einer baldigen Erhöhung der Zinsen. Er befürchtet eher das Gegenteil: das Andauern einer strukturellen Niedrigzinsphase.

          Für die eher vorsichtigen Deutschen böten aus Meiers Sicht daher Dividendenfonds die Möglichkeit, im Niedrigzinsumfeld noch eine Rendite mit vergleichsweise niedrigem Risiko zu erwirtschaften. Diese böten durch regelmäßige Ausschüttungen Kontinuität und zusätzlich das Potential, von steigenden Kursen zu profitieren. Dividendenaktien sind aber eben, wie der Name es auch schon sagt, immer noch Aktien. Als solche sind sie auch immer mit gewissen Risiken behaftet im Gegensatz zu klassischen Spareinlagen.

          Worin genau Anleger ihr Geld investieren, sollte aber nicht so entscheidend sein, wie die Tatsache, es überhaupt zu tun. Diese Zwickmühle sollte Anlegern bewusst sein: Entweder sie entscheiden sich dafür, aktiv Gewinne zu realisieren und dabei Risiken in Kauf zu nehmen, oder sie nehmen es hin, im aktuellen Niedrigzinsumfeld passiv Geld zu verlieren.

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