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Einlagen : Selbst ein Sparbuch ist nicht sicher

  • -Aktualisiert am

Soll und Haben: Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise glaubte keiner mehr, dass sein Spargeld auf der Bank sicher sei. Bild: dpa

Deutsche Sparer sollen bald für alle Sparer Europas haften. Dabei reicht schon die deutsche Einlagensicherung nicht besonders weit.

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          Solange alles gut ist, kann man leicht Versprechungen abgeben. So lange eben, wie man sie nicht einlösen muss. Die deutsche Kreditwirtschaft etwa hat den Sparern, die bei ihr ihr Geld anlegen, schon vor vielen Jahren etwas versprochen. Euer Geld ist sicher, so lautete das Versprechen. Selbst wenn deine Bank pleitegehen sollte, stehen die anderen Banken und damit die anderen Sparer dafür ein. Dafür gibt es seit langem die sogenannte Einlagensicherung. Für jede Bank in Deutschland.

          Das System ist kompliziert – bei den Sparkassen anders als bei den Privatbanken und wieder anders bei den Volksbanken – und undurchsichtig. Eines aber wird dem Sparer stets kommuniziert: Noch nie hat ein Kunde den Verlust seiner Einlagen erlitten. In einem Erklärvideo des Bankenverbandes kann man sehen, dass die Kunden Andrea und Michael sorglos ihrer Bank vertrauen können, denn ihre Ersparnisse sind ja „doppelt gesichert“.

          Sieben Jahre ist es her, dass die Realität gezeigt hat, dass Versprechen nicht immer so gehalten werden wie ursprünglich gedacht. Damals brach die amerikanische Bank Lehman Brothers zusammen, mit ihr auch Lehman Brothers Deutschland. Viele Kleinsparer traf das nicht in Deutschland, aber Großanleger. Deshalb war die freiwillige Einlagensicherung der deutschen Banken gefordert, die auch höhere Beträge absichert.

          Sie hatte damals schon einen Fonds, in den die Banken einzahlten (es gibt ihn immer noch). Keiner wusste, wie viel Geld darin lag (das weiß auch bis heute keiner). Offenbar reichte das Geld aber nicht. Der Fonds musste Geld am Kapitalmarkt besorgen, um seine Verpflichtungen zu decken – schlappe 6,7 Milliarden Euro, mitten in der Finanzkrise. Das ging selbstverständlich nicht ohne Hilfe des Staates. Der deutsche Bankenrettungsfonds musste Garantien aussprechen.

          Keiner glaubte mehr, dass sein Geld sicher war

          Wir halten fest: Die damalige Einlagensicherung konnte selbst eine relativ kleine Deutschland-Niederlassung einer amerikanischen Bank nur mit Hilfe des Staates auffangen. Dass es danach noch schlimmer kam, wissen alle. Keiner glaubte mehr, dass sein Spargeld auf der Bank sicher war. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück mussten die Einlagen garantieren, der Staat musste ran.

          Nachdem das durchgestanden war, gab es ein Ziel: Das System musste sicherer werden. Seither hat sich einiges getan. Leider nicht an der Übersichtlichkeit. Es existieren weiterhin zwei Systeme nebeneinander. Auf der einen Seite die gesetzliche Einlagensicherung. Sie garantiert heute, dass Spargelder von bis zu 100.000 Euro je Privatkunden sicher sind, wenn eine Bank pleitegeht. Auf der anderen Seite weitere Absicherungen für höhere Beträge und andere Kunden, die die Finanzinstitute privat regeln. Um es noch verwirrender zu machen, betreiben private Banken, Sparkassen und Landesbanken sowie Volksbanken jeweils getrennte Systeme. Das heißt, sowohl die gesetzliche Einlagensicherung als auch die zusätzliche private sind separat geregelt.

          Das ist kompliziert für den Sparer, der doch eigentlich nur wissen will, wie sicher sein Geld ist. Immerhin gehorcht die gesetzliche Einlagensicherung dieser verschiedenen Finanzinstitute mittlerweile ähnlichen Regeln. Und mittlerweile ist die gesetzliche Einlagensicherung sogar ein wenig transparent.

          Der Sicherungsfonds soll größer werden

          So kann man auf den Seiten des Bundesfinanzministeriums nachlesen, wie viel Geld die privaten Banken in ihrer Entschädigungseinrichtung Ende 2014 angespart hatte: 1,1 Milliarden Euro. Mittlerweile dürfte es mehr sein. Die Sparkassen und Landesbanken sollen 1,6 Milliarden Euro haben. Die öffentlichen Banken hatten Ende 2014 65 Millionen Euro.

          Wenn man überlegt, wie viel Geld die Sparer bei Deutschlands Banken liegen haben, dann sind diese Summen klein. Die Europäische Kommission hat ausgerechnet, dass im Jahr 2011 in allen Töpfen der deutschen Banken zur Absicherung der Sparer bis 100.000 Euro rund 3 Milliarden Euro lagen. Dieses Geld sicherte aber Spargelder in Höhe von 1,5 Billionen Euro ab. In den Fonds lagen also gerade einmal 0,2 Prozent der gesicherten Spargelder.

          Das soll mehr werden. Ziel der Europäischen Union – und so steht es auch schon im deutschen Gesetz – sind 0,8 Prozent. Das wären dann bei gleicher Menge an Spargeldern 12,6 Milliarden Euro. 2024 soll dieses Ziel erreicht sein. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Deshalb müssen die Banken derzeit jedes Jahr kräftig einzahlen. Die Beiträge richten sich nach zweierlei: Größe der Spargelder, die die Bank verwaltet, und Risiko.

          Für deutsche Sparer würde es unsicherer

          Die Milliarden, die jetzt schon in den Töpfen liegen, werden konservativ angelegt: Staatsanleihen, Pfandbriefe, auch Unternehmensanleihen mit gutem Rating, riskanter wird es nicht versichert beim Bankenverband. Diese Anlagen werfen aber natürlich auch nicht viel ab, so dass sich die Milliarden von allein kaum vermehren.

          Für den Sparer soll das Geld natürlich eine Beruhigungspille sein – eine größere als bisher. Es reicht aber natürlich auch nicht für eine größere Pleite – zumal es sich in Deutschland auf verschiedene Töpfe verteilt, die im Fall einer Bankpleite nicht alle angezapft werden können. Dass aus diesen vielen kleineren ein großer gemeinsamer deutscher Topf wird, das haben die Banken in Deutschland bislang erfolgreich verhindert. Schließlich haben sie keine Lust, für die Konkurrenz einstehen zu müssen.

          Kommt die europäische Einlagensicherung, so wie sie sich die EU-Kommission vorstellt, würde sich das radikal ändern. Die komplette gesetzliche Einlagensicherung nicht nur Deutschlands, sondern ganz Europas würde in einen Topf geworfen. Der Topf wäre dann zwar viel größer, befüllt mit vielen Milliarden. Doch für den deutschen Sparer würde die Lage dadurch unsicherer. Denn der Topf müsste für wesentlich mehr Risiken aufkommen. Geht man davon aus, dass es in Europa außerhalb Deutschlands noch einige marode Banken gibt – etwa in Griechenland oder Italien –, dann kann der Topf schnell leer werden.

          Bislang war im Zweifel der Staat eingesprungen

          Aus Sicht des Sparers ist es am Ende sowieso recht egal, wie viel Geld in der Einlagensicherung liegt. Denn bislang ist im Zweifel der Staat eingesprungen, um große Banken zu retten. Das Geld war nie weg. Die Einlagensicherung brauchte man traditionellerweise für kleine Fälle, etwa als im Jahr 2006 das kleine Singener Bankhaus Reithinger pleiteging. 7000 Kunden, zwei Filialen.

          Dafür reicht allerdings ein kleiner Topf wie bislang. Ein Interesse an viel Einlagensicherung hat vor allem der Staat (und der Steuerzahler). Denn am Ende zahlt er für die großen Pleitebanken. Es ist eine Lehre aus der Finanzkrise, dass man das weiter hinauszögern, die Banken selbst stärker in die Pflicht nehmen will. Das ist vernünftig, setzt man damit doch Anreize für gutes Verhalten. Es wird aber umso ungerechter, je mehr Banken der Welt mitzahlen müssen. Wenn solide Banken mit konservativem Geschäftsmodell am Ende für riskante Zockerbanken mitbezahlen, kann das auch keine Lösung sein.

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