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Konto wechseln : Der Ärger der Bankkunden wächst

Das Konto zu wechseln könne sich in barer Münze auszahlen. Bild: dpa

Hohe Gebühren und ein schlechter Service sorgen besonders für Unmut. Viele Kunden würden gerne ihr Konto wechseln, scheuen aber den Aufwand. Dabei gibt es Hilfe.

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          Schon wieder sind die Zinsen für Tagesgeld und das Sparkonto gesunken, zumal sie ohnehin meist nur noch minimal sind. Auf der anderen Seite flattern beständig Briefe ins Haus, die von neuen Gebührenerhöhungen künden, wie für das Bankschließfach oder weitere Sonderleistungen des Kreditinstituts. Und anderes, das bislang kostenlos war, kostet nun plötzlich doch etwas, wie das Einzahlen von Münzgeld auf das eigene Sparkonto – es sei denn, man käme am Weltspartag, wie die Sparkassenmitarbeiterin betont.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Wer kennt ihn nicht, den Ärger mit der eigenen Bank und den prompten Vorsatz, dagegen etwas tun zu wollen? Der Unmut vieler Deutscher über ihr Kreditinstitut nimmt zu. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Comdirect. Immer mehr Menschen erwägen demnach einen Kontowechsel. Einer anderen Studie der Direktbank zufolge trifft dies auf rund 58 Prozent Bundesbürger zu.

          Bild: F.A.Z.

          Und worüber ärgern sich die Kunden am häufigsten? Vier von fünf Deutschen seien der Ansicht, dass ihr Kreditinstitut zu hohe Kontogebühren verlangt, heißt es von Comdirect. Der zweithäufigste Grund ist der schlechte Kundenservice. Darüber beklagten sich immerhin 42 Prozent der Bundesbürger. „Die Gebühren für Sonderleistungen der Banken fallen immer höher aus“, sagt Sigrid Herbst von der FMH-Finanzberatung. Viele Institute verlangten die Gebühren, die sie an einer Stelle nicht mehr erheben dürften, etwa für das Bearbeiten eines Kredites oder das Erstellen von Kontoauszügen, einfach an anderer Stelle vom Kunden. Auch die Zinseinnahmen sind gesunken.

          Aufwand für einen Kontowechsel häufig überschätzt

          Doch sein Konto und Kreditinstitut wechselt man nicht so leicht wie täglich das Essen oder die Kleidung. Denn in den meisten Fällen geht es nicht nur um den Dauerauftrag für die Miete, der geändert werden müsste, oder die Abbuchung der Kreditrate für das eigene Heim. Auch Strom, Telefon, die Abonnements für Zeitungen und Zeitschriften oder die Kindergartengebühren werden in der Regel vom Konto abgebucht, ganz zu schweigen von den Beiträgen für Versicherungen oder für Sport und Fitness. All diese Zahlungspartner müssten im Fall der Fälle benachrichtigt und die Einzugsermächtigungen für Lastschriften geändert werden.

          Der Aufwand für einen Kontowechsel werde häufig überschätzt, heißt es von Comdirect. Der Umfrage der Direktbank zufolge habe nur ein Fünftel der Deutschen bisher überhaupt schon einmal ihre Hauptbankverbindung gewechselt. Ebenfalls jeder fünfte Bundesbürger würde dies zwar gerne noch bis zum Jahresende tun, ist jedoch der Ansicht, dass er wegen des vermeintlich hohen Aufwands bis dahin keine Zeit mehr dafür fände. Rund 18 Prozent mögen es demnach überhaupt nicht, mit ihrem Girokonto zu einem anderen Kreditinstitut zu wechseln.

          Herbst rät, den Wechsel der Bank nicht zu scheuen. Denn er könne sich in barer Münze auszahlen. Dabei sei der Aufwand gar nicht so groß, da es auf jeden Fall Unterstützung durch die neue Bank gebe, auch wenn sie unterschiedlich groß ausfalle. Viele Kreditinstitute bieten im Konkurrenzkampf um den Kunden einen Kontowechselservice an. So wirbt zum Beispiel die Postbank bei der Eröffnung eines Girokontos mit einem „kostenlosen und komfortablen“ Wechselservice, bei dem das Institut die Korrespondenz übernimmt. Auch die Targobank „übernimmt auf Wunsch den kompletten Umzug“ des Kontos – samt laufender Kontovorgänge.

          Manche Finanzinstitute locken mit Wechselprämien

          Laut Herbst leiten manche Kreditinstitute den Kunden im Internet durch verschiedene hierfür maßgeschneiderte Seiten, oder sie nehmen das Ganze mit entsprechenden Vollmachten selbst in die Hand. Dieser Service sei in der Regel kostenlos. „Denn viele Banken sind sehr daran interessiert, neue Kunden zu gewinnen, um ihnen später Produkte verkaufen zu können“, sagt Herbst. Vor allem über ein Gehaltsgirokonto bekämen die Institute alle wichtigen Einblicke in das Leben eines Kunden, die sie benötigten, um ihm passende Kreditverträge, Fonds oder Versicherungspolicen anzubieten.

          Zwar sind die Summen nicht so hoch wie im Fußball, doch manche Finanzinstitute buhlen so um die Gunst der Kunden, dass sie sogar Wechselprämien oder einen Bonus zahlen, wenn es um ein neues Gehaltskonto geht. Die Commerzbank bietet hierfür 50 Euro, wie auch die Consorsbank, die DAB Bank oder die Volkswagen Bank. Die ING Diba verspricht ihren Neukunden 75 Euro, bei der Comdirect Bank sind es 100 Euro. Die Tochtergesellschaft der Frankfurter Sparkasse, 1822 direkt, stellt bis Ende Januar 2016 sogar 120 Euro in Aussicht. Herbst verweist auf andere Banken wie die Postbank, die neue Kunden wiederum mit Gutscheinen locken wolle.

          Genauer Vergleich bei Wechsel lohnt sich

          Was in jedem Fall bei einem Kontowechsel bleibt – unabhängig davon, wie sehr die Bank ihren neuen Kunden unterstützt: der Neue muss sich identifizieren. Bei einer Filiale vor Ort ist dies vergleichsweise einfach möglich, auch wenn manche Institute auf vorherige Terminvereinbarungen beharren. Bei vielen Online-Banken könne der Kunde hierzu inzwischen nicht nur das „Postident“-Verfahren der Deutschen Post nutzen, sondern digitale Verfahren, erläutert Herbst. Dies gehe zum Beispiel bei Comdirect, der ING Diba, DKB oder einigen PSD-Filialen. So ist auf der Internetseite von Comdirect zu lesen: Per Videoident könne die Identitätsfeststellung mit Videoübertragung am Computer, Smartphone oder dem Tablet einfach zu Hause online vorgenommen werden. Der Kunde müsse dafür nur einen gültigen deutschen Personalausweis oder Reisepass bereithalten.

          Freilich gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Banken und Sparkassen und auch den Konten innerhalb eines Instituts. Der genaue Vergleich lohnt sich. Das meiste Geld lässt sich in der Regel sparen, wenn Kunden ihr Girokonto online, also über das Internet führen. Doch genau das wollen viele nicht – auch, weil sie Sicherheitsbedenken haben.

          Vieles, was auf den ersten Blick kostenfrei erscheint, ist dies nur unter gewissen Bedingungen. Manche Institute langen dann kräftig zu, falls etwa plötzlich Schecks ins Spiel kommen. Andere verlangen sogar Geld dafür, wenn der Kunde am Bankterminal selbst überweist. Gerade bei einigen Sparkassen sei dies der Fall, warnt Herbst. So nehme die Stadtsparkasse Wuppertal 1,90 Euro für eine solche Überweisung. Bei der Sparkasse Augsburg seien es 1,50 Euro, um nur einige Beispiele zu nennen. Dies müsse sich kein Kunde gefallen lassen, er könnte dann über einen Wechsel nachdenken.

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