https://www.faz.net/-hbv-9jo1l

Hamburger Finanzhaus : „Für ein Start-up ist Zeit der Feind“

  • -Aktualisiert am

Hatte von der Wissenschaft irgendwann genug: Unternehmer Tim Sievers Bild: Lukas Kreibig

Tim Sievers ist Gründer des Fintech-Unternehmens Deposit Solutions. Dieses bietet ein Konto für Fest- und Tagesgeld bei zahlreichen Banken. Damit bringt er trotz Niedrigzinsen den starren Markt in Bewegung.

          Im akademischen Elfenbeinturm wollte er nicht bleiben, auch wenn er anfangs durchaus in der Theorie aufging. Aber dann kamen Zweifel. „Mensch, vielleicht ist das doch nicht so mein Pfad“, sagte sich der promovierte Volkswirt Tim Sievers. Er verließ den Elfenbeinturm – und landete im Private-Equity-Geschäft. Er versuchte, Unternehmen den Dreh zu geben, den sie brauchen, um einen erfolgreichen Weg zu gehen. Im Jahr 2011 nahm Sievers einen Anlauf auf eigene Rechnung und gründete das Finanztechnologieunternehmen Deposit Solutions – eine Art Einlagenvermittler.

          Deposit Solutions vermittelt Festgeld- und Tagesgeldangebote. Schon von einem Euro an können Sparer dabei sein. Der Mehrwert für sie: Sie eröffnen ein Konto über Deposit Solutions und können von diesem Konto das Geld bei attraktiven Banken mit hohen Zinsen anlegen, ohne dort ein neues Konto eröffnen zu müssen. Zudem ist das Ganze für den Anleger kostenlos. Die Bank dagegen zahlt eine Gebühr für die Vermittlung der Einlage.

          Das lohnt sich, weil die Bank ihre Reichweite im Vertrieb vergrößert, ohne eine eigene Infrastruktur zu errichten. Trotz sehr niedriger Zinsen und des geringen Spreads funktioniert das Geschäftsmodell, Anleger springen darauf an. Der Markt für Spareinlagen ist nach wie vor signifikant. Um ihre Finanzierungsbasis zu diversifizieren, wollen Finanzinstitute auf das teurere Geld von Privatkunden nicht verzichten.

          Zins-Markt der Deutschen Bank

          Im Direktkundengeschäft bringt Deposit Solutions die Spareinlagen inzwischen über zwei Online-Portale zu den Banken – Zinspilot und Savedo. Letztere Plattform war einmal ein eigenständiges Berliner Start-up, das Sievers im vergangenen Jahr aber aufgekauft hat. In die virtuellen Regale der Portale haben unter anderem die HSH Nordbank (nach Namensänderung jetzt Hamburg Commercial Bank), die lettische Rietumu Bank und die rumänische Alpha Bank ihre Einlagenprodukte gestellt. Auch wenn einige Banken eher exotisch klingen; wer über Deposit Solutions Geld anlegt, profitiert von den Regularien zur nationalen Einlagensicherung – die Einlagen sind so gesichert wie bei einer deutschen Bank. Neben der reinen Vermittlung bietet Sievers den Kundenbanken auch an, seine Technik für die Einlagenvermittlung in ihren eigenen Internetauftritt zu integrieren. Das hat die Deutsche Bank zum Beispiel mit ihrem Angebot „ZinsMarkt“ für Privatkunden gemacht.

          Mit diesem Angebot hat das Hamburger Start-up in den vergangenen drei Jahren stark an Fahrt aufgenommen. Fernab des Frankfurter Bankentrubels, umgeben von den rostfarbenen Backsteinbauten nahe den St.-Pauli-Landungsbrücken, hat Sievers das Fundament für ein stattliches digitales Finanzhaus gelegt. Die Zahl der Mitarbeiter ist in der Zeit des Wachstums von 30 auf mehr als 300 gestiegen. Im Frühjahr ziehen sie um.

          Peter Thiel ins Boot geholt

          Rund 175.000 Sparer nutzen die Einlagendienste von Sievers schon. Allein über die beiden Direktkundenportale Zinspilot und Savedo haben sie mehr als 12 Milliarden Euro in Festgeld und Tagesgeld investiert. Die Richtung weist nach oben – womit sich das Unternehmen auch unter den Einlagen suchenden Banken zunehmender Beliebtheit erfreut. „Wir haben momentan Netzwerkeffekte, die sich gegenseitig befruchten“, sagt Sievers.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          2007 sitzt Kanzlerin Angela Merkel von dem Eqi Gletscher in Dänemark – heute ist der Klimawandel eine ihrer größten Herausforderungen. (Archivbild)

          Klimapolitik der CDU : Die größte Baustelle der Merkel-Ära

          Die CDU will endlich den gordischen Klima-Knoten durchschlagen. Es wäre aber schon viel gewonnen, wenn der Preis auf Kohlendioxid nicht so endet wie die Energiewende.

          Brexit-Treffen : Johnson blitzt bei Juncker ab

          Der britische Premierminister Johnson hatte Zuversicht verbreitet, doch seine Gespräche mit Kommissionschef Juncker blieben ohne konkretes Ergebnis. Das erste Treffen zwischen den beiden Politikern findet ein kurioses Ende.
          Samstagabend in Lampedusa: 82 Gerettete wurden an Land gebracht

          Italien und die Seenotrettung : Vorübergehend berechenbar

          Die neue Regierung in Italien dreht im Streit über private Seenotretter bei. Doch das Grundproblem des Dubliner Übereinkommens bleibt bestehen. Regierungschef Conte verlangt Reformen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.