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Hamburger Finanzhaus : „Für ein Start-up ist Zeit der Feind“

  • -Aktualisiert am

Während klassische Banken gezwungen sind, Stellen abzubauen, preschen Fintech-Unternehmen wie Deposit Solutions oder der Berliner Wettbewerber Raisin, der über seine Internetplattform Weltsparen ähnlich wie die Hamburger agiert, immer weiter vor. „Was wir tun, ist recht transformativ, weil wir die Wertschöpfungskette ändern“, sagt Sievers, der unter anderem im Fintech-Rat des Bundesfinanzministeriums sitzt. Investoren glauben daran. Dem Unternehmer haben sie seit der Gründung 150 Millionen Dollar in die Hand gedrückt. Unter ihnen finden sich der Paypal-Mitbegründer Peter Thiel und die Private-Equity-Gesellschaft Vitruvian Partners. Deposit Solutions wird mit einer halben Milliarde Dollar bewertet.

Anders als etwa die Direktbank N26, die es Kunden ermöglicht, das Girokonto allein über eine „App“ für das Smartphone zu bedienen, ist Deposit Solutions nicht darauf aus, Banken in ihrem Privatkundengeschäft anzugreifen. Sondern sie versuchen, im Einlagengeschäft Profit allein daraus zu ziehen, dass sie einerseits Sparern den Zugang zu einem ganzen Bündel Einlagen suchender Banken bieten und andererseits diesen Banken die teure Suche nach Einlagengebern abnehmen. „Die Banken erreichen so einen riesigen Markt, ohne hierfür selbst Marketing betreiben zu müssen“, sagt Sievers. Sie profitieren davon, dass Interaktionen mit den Kunden von den Direktkundenportalen Zinspilot und Savedo oder, wie im Fall des Zinsmarkts der Deutschen Bank, von den Kundenbanken übernommen werden.

Bafin ein „Closed Shop“

Die Ernte, die Sievers mit seinen Leuten inzwischen einfährt, ließ aber lange auf sich warten. „Die Prelaunch-Phase war lang, und die Anfangszeit war echt anstrengend, weil die Machbarkeit gar nicht gesichert war. Ich hatte ja zu dem Zeitpunkt nur die Hypothese dazu“, sagt Sievers. Wegen höherer Hürden in der Finanzmarktregulierung sei er zudem auf eine reibungslose Kommunikation mit der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin angewiesen gewesen. Die aber hatte es nicht gegeben: „Als Start-up ist Zeit der Feind, weil jeder Monat Cash kostet – da war es fürchterlich, dass die Bafin so ein Closed Shop war“, sagt er. „Kein Mensch wollte 2011 mit mir reden; man konnte nicht anrufen, und Briefe wurden erst mit sechs Monaten Verzug beantwortet – einer wurde nie wiedergefunden.“ Das sei inzwischen besser geworden; Präsident Felix Hufeld habe die Bafin für Start-ups geöffnet.

Es sei aber auch schwer gewesen, die ersten Kunden von dem Geschäftsmodell zu überzeugen. „Jetzt merken wir, wie sich unser Wachstum beschleunigt, weil unsere Plattform eine kritische Masse erreicht hat“, sagt Sievers. Das Vertrauen der Verbraucher in die Marke aufzubauen brauchte eben Zeit. „Ganz am Anfang war es schon so, dass die Leute geschaut haben, ob ihr Euro auch wiederkommt – bevor sie 100.000 Euro angelegt haben. Mittlerweile sind wir aber ein bisschen bekannter, die Leute trauen sich daher eher“, sagt der Fintech-Unternehmer. „Die meisten Kunden sind in einem Alter, in dem sie schon etwas Vermögen angesammelt haben – der Durchschnittskunde ist Mitte 50“, sagt Sievers.

Als Nächstes nimmt sich der Hamburger die Ausweitung des Geschäfts nach Europa vor. In der Schweiz ging Deposit Solutions Ende Januar mit Savedo an den Start. In New York bereitet das Unternehmen momentan den Markteintritt vor.

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