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Anlage für schwierige Zeiten : Ratschläge für liquide Alternativen

Schlechte Zeiten? Liquide Alternativen können bei mittelfristigen Anlagen eine gewisse Sicherheit bieten – logisch sind sie jedoch nicht immer. Bild: dpa

Sogenannte liquide Alternativen bieten pessimistischen Anlegern eine Möglichkeit, auch in Abwärtsmärkten Gewinne einzustreichen. Vor allem drei Kennzahlen sind wichtig für diese Hedgefonds-Light-Version.

          Liquide Alternativen, eine Art Hedgefonds-Light-Version, sind für Anleger eine Möglichkeit zur Diversifikation ihres Portfolios. Das zumindest hört man vermehrt von diversen Fondsanbietern. Interessant sollen diese defensiven Fonds, die sowohl aus Aktien als auch aus Anleihen bestehen können, vor allem für solche Anleger sein, die ein Abschwächen der weltweiten Konjunktur erwarten. Denn „Liquid Alts“, wie diese Anlageform kurz genannt wird, entfalten gerade in Abwärtsmärkten ihr Potential. Aber worauf sollten Anleger bei der vielgepriesenen, aber recht unbekannten Anlageform achten?

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Drei Kennzahlen, auf die Anleger bei Investitionen in Liquid Alts achten sollten, nennt Magnus Spence, Leiter für alternative Investments des britischen Fondsanbieters Jupiter: „Die Sharpe-Ratio, die Korrelation zum gesamten Aktienmarkt und das Risikoniveau.“ Die Sharpe-Ratio misst dabei die Überrendite, die ein Fonds im Vergleich zum Markt erzielt hat, und setzt diese mit dem Risiko des Fonds ins Verhältnis. Sie dient also zur Orientierung für Anleger, die sich beispielsweise zwischen zwei Fonds entscheiden müssen, falls diese sich sowohl in ihrer Rendite wie der Risikokennziffer – auch Volatilität genannt– unterscheiden. Ist bei gleichem Risiko die Rendite des ersten Fonds höher als die des zweiten, entscheidet man sich selbstverständlich für ersteren Fonds.

          Zwischen Risikokennzahlen und Abhängigkeiten

          Schwierig wird es aber, wenn die Rendite des ersten Fonds höher ist als die des zweiten – der erste Fonds dafür aber auch ein höheres Risiko aufweist als der zweite. Bei solch einer Entscheidung hilft die Kennzahl der Sharpe-Ratio. Grundsätzlich gilt: Je höher die Sharpe-Ratio, desto besser. Spence bevorzugt eine Sharpe-Ratio von mehr als 0,7.

          Die zweite wichtige Kennzahl, auf die Anleger laut Spence achten sollten, ist die der Korrelation. Das Alleinstellungsmerkmal Liquider Alternativen sollte in der relativen Unabhängigkeit vom Markt bestehen. Damit könnten sie theoretisch sowohl von fallenden als auch von steigenden Kursen profitieren. Die Kennziffer der Korrelation beschreibt diese Abhängigkeit vom Markt. So bedeutet eine Korrelation von plus eins beispielsweise, dass der Fonds und der Markt perfekt miteinander korrelieren. Sie bewegen sich also in exakt die gleiche Richtung – nach oben wie nach unten. Eine Korrelation von minus eins bedeutet hingegen, dass sie sich absolut gegensätzlich entwickeln, quasi spiegelverkehrt. Je geringer also die Abhängigkeit des Liquid-Alt-Fonds vom Aktienmarkt ist, desto besser sei dies für den Investor, sagt Spence und präferiert eine Korrelation von weniger als 0,4.

          Abfederung beruhigt viele Anleger

          Die letzte wichtige Kennzahl, auf die Anleger achten sollten, ist das Risiko. Die Volatilität sagt nämlich aus, wie stark der Wert innerhalb eines bestimmten Zeitraumes um seinen Mittelwert geschwankt ist. Eine höhere Volatilität bedeutet also, dass der Preis einer Anlage stärker um seinen Mittelwert schwankt. Das wiederum heißt, dass die Anlage riskanter ist. Die Volatilität liquider Fonds, welche die sogenannte Long-Short-Strategie verfolgen, schwankte in den vergangenen drei Jahren nach einer Auswertung der Ratingagentur Scope zwischen 3 und 4 Prozent, was im Vergleich zu herkömmlichen Aktienfonds recht niedrig ist. So beträgt beispielsweise die Volatilität eines Indexfonds auf den MSCI World gut 15 Prozent. Dabei sei aber gerade der niedrige Risikolevel Liquider Alternativen ihr Problem, sagt Spence: „Der Risikolevel Liquider Alternativen ist im Schnitt zu gering.“ Er rät zu mehr Mut. „5 bis 7 Prozent Volatilität sind gut“, sagt Spence. Unter dem Strich seien die Risiken auch dann noch viel geringer als die von Aktienfonds. Aber nur so ließen sich die höheren Kosten solcher Fonds kompensieren.

          Liquide Alternativen haben weniger eine logische als eine emotionale Berechtigung. Ein langfristiger Investor könne auf Liquide Alternativen gut verzichten, sagt Spence und fügt hinzu, dass der interessante Zeithorizont Liquider Alternativen bei drei bis fünf Jahren liege. Sein Argument: Die wenigsten Anleger fühlen sich wohl, wenn es zu plötzlichen und starken Kursverlusten kommt. Solche Verluste könnten dann stärker von Liquiden Alternativen abgefedert werden.

          Liquid Alts hatten es vor allem in den vergangenen Jahren schwer. Denn die Renditen der alternativen Anlagestrategie – auch verursacht durch den neun Jahre anhaltenden Bullenmarkt – waren vergleichsweise mager, wenn nicht sogar negativ. In den vergangenen drei Jahren haben Liquide Alternativen mit dem Fokus auf den globalen Aktienmarkt nur eine magere Rendite von 0,03 Prozent erwirtschaftet, während der Weltaktienmarkt-Index MSCI World im gleichen Zeitraum um 25 Prozent stieg – trotz einzelner Kurskorrekturen. Das liegt auch an den hohen Kosten Liquider Alternativen. Zudem entwickelten sich die Kapitalmärkte in den vergangenen Jahrzehnten nach oben und nicht nach unten, was tendenziell für einen weniger starken Fokus auf eine teure Absicherung spricht.

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