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Crowdfunding von Coa : Investieren ins Restaurant

  • Aktualisiert am

Im Coa-Restaurant Bild: Maximilian von Lachner

Die Restaurantkette Coa bietet mindestens 7,5 Prozent Zinsen, und die Deutschen fliegen darauf. Eine gute Entscheidung?

          Crowdfunding ist ein Phänomen: Die Anleger wissen, dass sie ihr Geld in risikobehaftete Kredite stecken und eine ordentliche Chancen haben, ihre Investition nicht zurückzubekommen – und trotzdem probieren sie es immer wieder gern. Die Datenbank von „Crowdinvest“ verzeichnet, dass von den deutschen Crowdfundings aus dem Jahr 2013 nach fünf Jahren schon jedes dritte nicht mehr so läuft, wie geplant. Doch die Investoren tragen es sogar mit Fassung, wenn ihr Geld tatsächlich weg ist.

          So viel Geld wie bei der Restaurantkette Coa kommt allerdings auch nicht jeden Tag zusammen. Coa betreibt derzeit 15 asiatische Restaurants in Deutschland, zum Teil selbst und zum Teil als Franchise-System. Jetzt will die Restaurantkette in einer Crowdfunding-Kampagne Geld für die Expansion – und nach drei Wochen haben die Deutschen schon 1,2 Millionen Euro verliehen. Solch hohe Beträge sind selten.

          Da hilft es Unternehmen natürlich, wenn sie eine bekannte Marke haben. Auch die Bäckereikette Heberer, die gelegentlich unter „Wiener Feinbäcker“ auftritt, konnte einst eine Anleihe gut verkaufen, obwohl die Verzinsung angesichts des Risikos eher niedrig schien – aber 7 Prozent Zins von einer bekannten Marke, das zog.

          7,5 Prozent Zins – sind die das Risiko wert?

          Auch bei Coa sehen die Konditionen auf den ersten Blick attraktiv aus: Fünf Jahre lang sollen die Investoren 7,5 Prozent Zinsen im Jahr bekommen. Zudem gibt es einen einmaligen Bonus zwischen 4 und 12 Prozent falls das Unternehmen den Umsatz in den nächsten fünf Jahren irgendwann einmal mindestens verdoppelt hat.

          Die Risiken sind allerdings nicht klein. Denn: Das Geld wird als so genanntes „Nachrang-Darlehen“ vergeben. Das bedeutet: Falls Coa in den nächsten fünf Jahren pleitegeht, werden nicht etwa die Crowdinvestoren zuerst bedient, sondern die Bank. Erst bekommt sie 1,8 Millionen Euro aus der Insolvenzmasse, danach kommen Nachrang-Kreditgeber wie die Crowdinvestoren.

          Dass das passiert, ist keineswegs ausgeschlossen. Auf dem Weg zum Unternehmenswachstum hat die Restaurantkette nach eigenen Angaben zwar ihren Umsatz von Jahr zu Jahr gesteigert, unter dem Strich stand allerdings seit 2014 noch nie ein Nettogewinn. Immerhin versichert die Kette, dass jedes Jahr mehr Geld zu- als abgeflossen sei.

          Investoren bleibt die Frage, ob sie dieses Risiko eingehen wollen – immerhin: Um am Anleihenmarkt ähnliche Renditen zu bekommen, müsste man schon eine in Dollar gerechnete Staatsanleihe von Pakistan oder der Ukraine kaufen. Und was das für ein Risiko ist, kann man sich leichter ausmalen.

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