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Sparda-Banken : Das Ende des Gratiskontos naht

Sparda-Bank West: Gratiskonto adieu Bild: obs

Mit der Sparda-Bank West schränkt nun die zweite Sparda-Bank die Gebührenfreiheit für ihren Renner, das kostenlose Girokonto ein.

          Nach dem vergangenen Herbst scheint es jetzt noch einmal eine neue Runde der Gebührenerhöhungen rund ums Girokonto zu geben: Auch die Sparda-Banken, die das Gratiskonto lange Zeit als Markenzeichen gepflegt hatten, sind dabei. So schränkt jetzt das zweite Institut die Gebührenfreiheit für das ehemals kostenlose Girokonto ein.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diesmal geht es um die Sparda-Bank West mit Sitz in Düsseldorf – nachdem die Sparda-Bank Berlin zum 1. Oktober gleichsam den Tabubrecher in dieser Frage gespielt hatte. Allerdings wählen die Düsseldorfer dabei einen anderen Weg als die Berliner, die damals auch innerhalb der Sparda-Gruppe durchaus auf Kritik gestoßen waren.

          Das bisherige Konto „Sparda-Giro“, das auch ohne monatlichen Gehalts- oder Lohneingang gebührenfrei war, wird durch zwei Modelle ersetzt: das „Sparda-Giro Online“ und das „Sparda-Giro Flex“. Vom 1. Juli an müssen Kunden für das Sparda-Giro Flex eine monatliche Kontoführungsgebühr in Höhe von 2,50 Euro zahlen. Wenn auf das Konto zudem kein regelmäßiges Gehalt eingeht, erhöht sich die Gebühr auf 5 Euro monatlich.

          Online billiger

          Für die zum Girokonto gehörige Bankkarte verlangt die Bank zudem künftig zusätzlich eine jährliche Gebühr von 12 Euro. Derzeit müssen Kunden der Bank für diese Karte 10 Euro zahlen – was bei der Einführung dieses Entgelts schon zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Bad Homburg darüber geführt hatte, ob die Bank dieses Konto noch als „kostenlos“ bewerben darf.

          Etwas anders sehen die Bedingungen künftig für das reine Internetkonto Sparda-Giro Online aus: Zwar werden auch für dieses Konto die genannten Gebühren für die Bankkarte fällig. Und auch hier gilt, dass eine Kontoführungsgebühr von 2,50 Euro im Monat für den Fall erhoben wird, dass kein regelmäßiges Gehalt eingeht. Ansonsten aber bleibt es frei von einer monatlichen Kontoführungsgebühr. Die Bank begründete den Schritt mit der anhaltenden Niedrigzinsphase, von der die Sparda-Banken als Institute mit vielen Einlagen besonders betroffen seien.

          Wird das jetzt so weitergehen, wird eine Sparda-Bank nach der anderen das kostenlose Girokonto aufgeben oder an immer höhere Bedingungen knüpfen? Vorsichtige Änderungen sind zu verzeichnen. So hat etwa die Sparda-Bank Südwest im vergangenen Jahr ebenfalls zwei Girokontenmodelle eingeführt. Jedoch kostet in der Online-Konto-Variante nur eine Nicht-Online-Überweisung 2 Euro. In der anderen Variante bleiben diese gebührenfrei, dafür kostet die Bankkarte hier 12 Euro im Jahr. Online-Konto-Kunden müssen das nur für eine Zusatzkarte bezahlen.

          „Zäsur in der Geschichte des Unternehmens“

          Die Berliner hatten sich seinerzeit sehr zerknirscht über den Schritt geäußert, der Vorstand hatte sich sogar eigens in einem Video bei den Kunden entschuldigt. Das gibt es nicht alle Tage bei Banken. Der Vorstandsvorsitzende sprach von einem „schwierigen Prozess“, ein Vorstandskollege von einer „Zäsur in der Geschichte des Unternehmens“.

          Der Vizechef der Bank sagte im Video, seit mehr als 25 Jahren kenne die Sparda-Bank das Girokonto nur in dem Ansatz als kostenloses Girokonto: „Jetzt kommt für uns eine Zeitenwende.“ Das Institut könne das wegbrechende Zinsergebnis aber ertragsseitig nicht mehr anders kompensieren. Neben Kontoführungsgebühren hat die Bank inzwischen auch ein Verwahrentgelt für Einlagen von 100.000 Euro an eingeführt, obwohl der Verband der Sparda-Banken zuvor ausgeführt hatte, so etwas sei den Kunden der Gruppe nicht vermittelbar.

          Weil die Gruppe der Sparda-Banken aus unabhängigen Einzelinstituten besteht, gelten diese Änderungen nicht automatisch für alle. Bei der Sparda-Bank Hessen in Frankfurt, die insgesamt offenbar etwas besser dasteht als die Schwester-Institute in Berlin und Düsseldorf, hieß es: Man werde dem Beispiel der Kollegen aus Nordrhein-Westfalen und Berlin nicht folgen. „Bei uns bleibt das Girokonto kostenfrei“, sagte Banksprecher Peter Hoffmann.

          Wie berichtet, erhöhen jetzt auch diverse andere Banken Entgelte rund um das Girokonto. So steigen die Kontoführungsgebühren der Commerzbank zum 1. Juni um 30 Prozent, ausgenommen ist da das sogenannte kostenlose Girokonto. Bei der Deutschen Bank steigen die Kontoführungsgebühren zum 1. Juli um 18 bis 19 Prozent, je nach Kontomodell. Lediglich das sogenannte „Junge Konto“ ist von der Gebührenerhöhung nicht betroffen.

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