https://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/sparen-und-geld-anlegen/corona-die-finanzielle-zuversicht-der-deutschen-schwindet-17297252.html

Corona-Folgen : Die finanzielle Zuversicht der Deutschen schwindet

Nur noch Kleingeld im Geldbeutel Bild: dpa

Die finanzielle Zuversicht der Deutschen hat sich mit der Dauer der Pandemie deutlich verschlechtert. Auch Finanzberater müssen sich vielen Fragen stellen.

          2 Min.

          Die Dauer der Corona-Pandemie, der schleppende Impffortschritt und umfangreiche Beschränkungen belasten viele Menschen mit der Zeit immer mehr. Dies zeigt allein der Blick auf ihre finanzielle Zuversicht. Denn trotz der erwarteten wirtschaftlichen Folgen durch die Krise äußerten sich die Bundesbürger im vergangenen Jahr noch vergleichsweise zuversichtlich, was ihre Finanzen anbelangte.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          So fühlten sich im Herbst 2020 im Durchschnitt gut zwei Drittel der Deutschen für die Zukunft finanziell abgesichert. Im März dieses Jahres sagten dies nur noch 42 Prozent – die Zuversicht hat sich also deutlich verschlechtert. Dies sind Ergebnisse zweier repräsentativer Umfragen des Vermögensverwalters Fidelity International zusammen mit den Marktforschungsinstituten Kantar Emnid und Insa-Consulere, die der F.A.Z. exklusiv vorliegen. Es zeigen sich zudem wie so oft merkliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während sich demnach fast die Hälfte der Männer finanziell abgesichert fühlt, teilen diese Ansicht nur 38 Prozent der Frauen.

          Alarmierendes Signal

          Die Corona-Krise hinterlasse Spuren, sagt Alexander Leisten, Deutschlandchef von Fidelity, mit Verweis auf diese Daten. Binnen weniger Monate habe die finanzielle Zuversicht deutlich abgenommen, während das Vorjahr noch von verhaltenem Optimismus geprägt gewesen sei. Immer mehr Menschen machten sich Sorgen um ihre aktuelle und künftige finanzielle Lage, sagt Leisten. Dies sei auch mit Blick auf die ohnehin ungewisse Absicherung vieler Menschen im Alter ein alarmierendes Signal.

          Für die wohl meisten dürfte die gesetzliche Rente in ihrem Lebensabend eine deutliche Lücke klaffen lassen. Dabei sparen laut der Umfrage rund zwei Drittel der Befragten zusätzlich für das Alter. 36 Prozent geben dagegen an, sich nicht zusätzlich abzusichern. Im Jahr 2017 sagten das mit 31 Prozent der Befragten allerdings weniger. Die Zahl der Nichtsparer ist demnach vor allem im Saarland gestiegen sowie in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.

          Es gibt verschiedene Gründe, kein Geld fürs Alter zurückzulegen. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren spielt laut der Umfrage Geldmangel wieder häufiger eine Rolle, nicht zu sparen. Während im Jahr 2020 noch 41 Prozent der Befragten diesen Grund genannt hätten, seien es zuletzt 58 Prozent gewesen, sagt Fidelity. Menschen im Osten sagten dies häufiger als Westdeutsche. Geldmangel bleibe zudem der am häufigsten genannte Grund, keine finanzielle Absicherung aufzubauen. Dagegen sei die Angst vor Verlusten in der Geldanlage als Grund, nicht zu sparen, seltener geworden. Hier vergleicht sich ein Anteil von 20 Prozent im Jahr 2020 mit 13 Prozent im März 2021. Der Anteil derer, die einfach ein „gutes“ Leben genießen und ihr Geld lieber ausgeben wollten, sei von 35 Prozent im Jahr 2017 auf 15 Prozent zurückgegangen, heißt es.

          Auch die Art der Vorsorge wandelt sich mit der Zeit. Immer wichtiger werden laut Fidelity Wertpapiere. Während im Vorjahr 23 Prozent der Befragten in Aktien, Fonds oder festverzinsliche Produkte investiert hätten, um sich zusätzlich abzusichern, seien es zuletzt 25 Prozent gewesen. Seit dem Jahr 2017 habe sich dieser Wert sogar verdoppelt. Die Zahl derer, die regelmäßig auf Tages- oder Festgeldkonten sparten, sei hingegen erstmals gesunken. Hier verglichen sich im Durchschnitt 32 Prozent der Bundesbürger im Jahr 2020 mit aktuell 26 Prozent.

          Viele Finanzberater müssen sich angesichts der Unsicherheiten rund um die Pandemie vielen Fragen verunsicherter Kunden stellen. Dies zeigt eine Umfrage der Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management unter rund 350 Beratern im März. Als größte Risiken für die Kapitalmärkte galten demnach die Kursrally und damit hohe Bewertungen sowie Inflationsgefahren durch die lockere Geld- und Fiskalpolitik und den Nachfragestau. Als vergleichsweise weniger riskant wurde ein Favoritenwechsel von Wachstumsaktien („growth“) hin zu Substanztiteln („value“) gewertet, gefolgt vom weiteren Verlauf der Pandemie, Mutationen und dem Fortgang der Impfsituation.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Interpretieren die nächtlichen Beschlüsse unterschiedlich: Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne)

          Neuwagen ab 2035 : Verbrenner-Aus oder Aus für Verbrenner-Aus?

          Auf den Koalitionsstreit über das Verbrenner-Aus folgt der Streit darüber, wie der Kompromiss der EU-Umweltminister zur Zukunft des Verbrennungsmotors zu verstehen ist. Klar ist: Die Minister haben das Verbot 2035 beschlossen, aber es gibt zwei Hintertüren.
          Stoltenberg, Erdogan, Niinistö und Andersson sind im Hintergrund zu sehen, vorne sitzen die Außenminister der Türkei (Cavusoglu), Finnlands (Haavisto) und Schwedens (Linde)

          NATO-Gipfel : Erleichterung in Schweden und Finnland

          In Schweden und Finnland wurden die Nachrichten vom NATO-Gipfel größtenteils mit Erleichterung aufgenommen. Nur in Stockholm droht eine Abgeordnete mit kurdischen Wurzeln der Regierung mit Konsequenzen.
          Franziska van Almsick: „Ich will mich als Frau emanzipieren, ohne eine Emanze zu sein“

          Van Almsick zu Equal Pay : „Zu viel Gebrüll“

          Das Verlangen von gleicher Bezahlung von Frauen und Männern im Sport hält die frühere Weltklasse-Schwimmerin Van Almsick für unangemessen. Fußballstar Thomas Müller äußert sich differenziert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.