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Comdirect-Panne : Wer hat in mein Konto geschaut?

  • -Aktualisiert am

Comdirect-Fahrräder vor dem Sitz der Bank Bild: dpa

Eine Softwarepanne trifft die Direktbank. Betroffene fragen sich: Wer hat in mein Konto gesehen? Tausende werden erst spät informiert. Immerhin bleibt das Call-Center im Test souverän.

          Es klingt, als hätte es sich jemand ausgedacht, um Schrecken zu verbreiten. Aber bald stellt sich heraus, es ist keine fiktive Geschichte des Grauens, sondern bittere Realität, was Privatkunden der Direktbank der Commerzbank am Montagmorgen kurz nach 9 Uhr im Internet berichteten: „Heute morgen wollte ich mich bei meinem Comdirect-Konto einloggen, um ein paar Daten zu überprüfen, und staunte nicht schlecht, als ich nach dem Login plötzlich ein komplett anderes Konto angezeigt bekam: Es blieb dabei nicht nur bei einer Seite, sondern ich konnte mir Kontoauszüge und Kundendaten ansehen sowie Dinge verändern (bis zur mobilen TAN-Aufforderung)“, schreibt einer. Und auf dem Kurznachrichtendienst Twitter sprießt sogleich die Häme: „Endlich mal bei anderen ins Konto gucken – Comdirect macht’s möglich“, lästert ein Nutzer.

          Ist nun der Kontostand von jedem Kunden stadtbekannt? Der Selbstversuch schafft etwas Beruhigung. Letztes Login letzte Woche, letzte TAN-Benutzung vor ein paar Monaten – so blinkt es nach der Anmeldung am Montag gegen 10 Uhr entgegen. Das heißt: Keine Bewegung in den vergangenen Stunden auf diesem Konto, das in diesem Fall tatsächlich das eigene Konto ist, nicht das des Vorgesetzten oder des Nachbarn. Dennoch zur Sicherheit: Anruf im Kundencenter der Comdirect, dieser Bank ohne Filialen, die eigentlich mit ihrem flotten Online-Banking punktet und immerhin 2 Millionen Kunden hat. „Ja, in Einzelfällen bekommt man zur Zeit Kundendaten Dritter zu sehen“, gibt die Frau am Comdirect-Telefon zu. Sie war sofort dran, kein Warten in einer Hotline, und sie wirkt auch nicht gestresst. „Es sind definitiv nicht alle Kunden betroffen, sondern nur Einzelfälle“, beruhigt sie. „Wir sind dabei, den Fehler zu beheben.“ Aber war nicht vielleicht doch jemand am Depot? Sie will die PIN wissen, ohne die vierte Stelle, und prüft mit einer weiteren Nachfrage die Identität des Anrufers. „Ein einziges Log-In heute morgen“, stellt sie danach fest. Das war hoffentlich der Kontobesitzer selbst.

          Auch die Pressesprecherin der Comdirect ist an diesem hektischen Tag für die Direktbank sofort telefonisch zur Stelle und kann für ein wenig weitere Aufklärung sorgen. Comdirect habe zwischen 0 und 4 Uhr am frühen Montagvormittag ein Update in die IT eingespielt. „Dabei gab es technische Probleme“, sagt die Sprecherin. Die ersten Kundenbeschwerden seien aber erst nach 9 Uhr bekannt geworden. Von 10.30 Uhr an nimmt Comdirect den Internetauftritt vom Netz und lädt die Programme neu. 35 Minuten sei man nur per Telefon oder Fax zu erreichen. Um 11.20 Uhr war man wieder online verfügbar, der Fehler angeblich ganz behoben.

          Telefon-Orders werden billiger

          Die Kundenbetreuerin im Call Center hatte schon zuvor angeboten, falls ich einen Wertpapierauftrag abgeben wolle, solle ich das doch gleich telefonisch bei ihr tun. Das ist bei Comdirect teuerer, als wenn man seine Wertpapiere online ordert. „Der Telefonaufschlag fällt heute weg“, hatte die Dame auch Kulanz in der Krise gezeigt, aber uns war nicht nach Aktienkäufen gewesen.

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