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Comdirect-Panne : Wer hat in mein Konto geschaut?

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So zuvorkommend in diesem Einzelfall Comdirect war, so unzureichend ist die Kommunikation von Comdirect an diesem Montag für einen Großteil der Kunden. Wie viele Kunden tatsächlich betroffen waren, wie viele Konten und Depots von unbefugten Dritten eingesehen wurden, konnte die Pressesprecherin von Comdirect erst am Montag Nachmittag sagen: „Einige Tausend“ sagt sie und fügt hinzu: „Die werden von uns jetzt unverzüglich informiert.“

Auf der Comdirect-Internet-Seite gibt es auch am Montagnachmittag keine Kundeninformation über die nächtliche Softwarepanne. Vielmehr findet sich dort ein anderer Warnhinweis. „Im Moment werden Kunden von Betrügern angerufen und auf vermeintliche Probleme an ihrem Computer hingewiesen. Nach der ,Fehlerbehebung’ wird ein Entgelt verlangt und der Zahlungsvorgang manipuliert, so dass ein nicht vereinbarter höherer Betrag von Ihrem Konto abgebucht wird“, heißt es dort. Und es folgt die Aufforderung: „Beenden Sie das Gespräch. Sollten Sie bereits Installationen vorgenommen haben, kontaktieren Sie bitte umgehend unsere Kundenbetreuer.“

Auch andere Banken haben Pannen

Dieser Standardhinweis zeigt: Immer wieder gibt es Pannen im Online-Banking. Comdirects Konkurrenten Consors und DAB Bank, die beide zur französischen BNP Paribas gehören, waren zuletzt dem höheren Wertpapierumsatz ihrer Kunden nach dem überraschenden Brexit-Votum nicht gewachsen gewesen. Deshalb konnten die beiden Banken am 24. Juni, dem Freitag nach dem Brexit, stundenlang online und telefonisch nur etwa jeden zweiten Wertpapierauftrag entgegen nehmen. Für die Kunden war das ärgerlich, schließlich schwankten die Kurse nach dem Brexit-Votum heftig und eine schnelle Ausführung der Orders war daher besonders wichtig.

Anfang Juni hatte auch eine technische Panne im Online-Banking die Kunden der Deutschen Bank aufgeschreckt. Dort waren Buchungen wie Überweisungen und Abbuchungen doppelt ausgeführt worden. Falls ihre Konten etwa durch doppelte Mietzahlungen überzogen wurden, konnten viele Kunden am Automaten anschließend kein Geld abheben. Auch die Umstellung der Commerzbank, die ihr Privatkundengeschäft bis 2019 für 200 Millionen Euro auf eine neue IT-Plattform stellt, dürfte kaum reibungslos ablaufen.

Der Fall Comdirect, deren IT-Systeme übrigens losgelöst und eigenständig von der Commerzbank sind, hat eine andere Dimension. Dass Kunden für andere Kunden stundenlang derart gläsern waren, dürfte einmalig sein. Es seien keine Konten geplündert worden, stellt die Comdirect-Sprecherin klar. Denn die Tans, also die Code-Nummern, mit denen sich Überweisungen tätigen lassen, würden nur an die hinterlegte Telefonnummer der Kunden übermittelt. Diese Telefonnummer hätten von fremden Nutzern am Montagmorgen nicht schnell und ohne weiteren Sicherheitscheck verändert werden können, versichert die Comdirect-Sprecherin. Auch würden alle IT-Updates mehr als 20000 Mal automatisch getestet und darüber hinaus weiteren individuelleren Tests unterzogen. Dass das Update am Montagmorgen im Echt-Betrieb nicht funktioniert habe, sei ein absoluter Ausnahmefall, der nicht passieren dürfe. Das werden auch viele Kunden so sehen. Einige kündigten in ersten wütenden Reaktionen am Montag an, sie würden sich eine neue Bank suchen.

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