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N26 & Co. : Betrugsfälle setzen Online-Banken unter Druck

Identifikation per Video-Chat macht Online-Banking einfacher und sicherer - vor Betrügern ist es aber auch nicht gefeit. Bild: Picture-Alliance

Die Finanzaufsicht Bafin verzeichnet einen deutlichen Anstieg der Kundenbeschwerden über Online-Banken, zumeist wegen schlechter Erreichbarkeit. Der Bankbranche machen gravierendere Probleme Kopfzerbrechen.

          Die Smartphone-Bank N26 kommt nicht zur Ruhe. Sechs Volksbanken haben Überweisungen an das Institut und an die Konkurrenten wie Fidor, Revolut, Bunq oder Solarisbank vorübergehend ausgesetzt, weil die Betrugsfälle im Online-Banking zugenommen haben. Zu den Instituten zählen die Volks- und Raiffeisenbank Saarpfalz, die Volksbank Rottweil oder die Volksbank Freiburg.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor vier Wochen hatte die Finanzaufsicht Bafin N26 aufgetragen, die Prozesse und Abläufe zur Geldwäschebekämpfung zu verbessern und die Personalausstattung zu erhöhen. Im Mittelpunkt stehen die Identifikationsverfahren zur Kontoeröffnung. Institute wie N26 bieten die Video-Identifikation an. Hier muss der Interessent während eines Live-Chats in der Regel seinen Ausweis zeigen. Allerdings sind in jüngster Zeit auch Lücken in diesem Verfahren aufgetaucht, obwohl die Video-Identifikation als deutlich sicherer gilt gegenüber dem nur auf Fotos beruhenden Verfahren.

          Kein Anschluss...

          „Wir verzeichnen einen deutlichen Anstieg der Kundenbeschwerden bei Online-Banken“, sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld im Gespräch mit der F.A.Z. Ob darunter viele Betrugsfälle seien, sei unklar, aber die stark wachsenden Institute müssten das Thema mit der gebotenen Ernsthaftigkeit angehen. Die Beschwerden der Kunden beziehen sich nach Angaben von Hufeld auf die Nichterreichbarkeit der Online-Banken.

          Oft handele es sich um Überweisungen, bei denen es nicht klar sei, ob es sich um echte oder um Fake-Konten handelt. „Ich halte das Video-Identifikationsverfahren mit bewegten Bildern für besser als das Foto-Identifikationsverfahren, das in anderen europäischen Ländern der Standard ist“, sagte Hufeld. Vor zwei Jahren habe es noch eine Diskussion gegeben, ob Innovationen zu sehr behindert würden und die Sicherheitsansprüche möglicherweise überzogen wären. „Ich denke, das ist nicht der Fall“, zeigte sich der Bafin-Präsident überzeugt.

          Die Volksbank Freiburg verwies auf das hohe Tempo der Betrüger, sobald sie auf das Online-Konto zugreifen können. Das Geld wird dann sehr rasch abgezogen. Meistens ist es schon ins Ausland überwiesen oder in digitale Kryptoanlagen wie zum Beispiel Bitcoin umgetauscht worden, wenn der Betrug entdeckt wird. Eine weitere Möglichkeit ist die Geldwäsche. So wurden in vielen Fällen Konten bei N26 eröffnet, mit denen das Geld aus betrügerischen Online-Shops gewaschen wurde. Eine Sprecherin von N26 trat dem Eindruck entgegen, dass andere Banken Transaktionen zu ihrem Institut grundsätzlich gesperrt hätten. Vielmehr handele es sich um Einzelfälle in Rahmen der Geldwäscheprävention.

          Die Bafin ist zwar weiterhin überzeugt vom Video-Verfahren, hat aber schon Ende März vor den Lücken gewarnt. Das bezog sich vor allem auf Stellenanzeigen in Job-Portalen. Die Betrüger verwendeten professionell aussehende Internetseiten, die täuschend echt aussehen könnten. Im Online-Bewerbungsverfahren müssen die Bewerber dann persönliche Daten preisgeben und zum Beispiel Fotos von ihrem Personalausweis übermitteln. „Mit den Daten stellen die Betrüger im Hintergrund online bei einem Kreditinstitut einen Antrag auf Kontoeröffnung unter dem Namen des Bewerbers und geben zur weiteren Abwicklung Kontaktdaten an, auf die sie selbst Zugriff haben“, beschrieb die Bafin die Betrugsfalle.

          Eine weitere Variante zur Eröffnung von Konten für illegale Zwecke läuft über angebliche Marktforschungsinstitute. In deren Auftrag müssten dann Kunden das Video-Identifikationsverfahren von Banken testen. Doch die Konten werden nicht, wie von den angeblichen Marktforschern versprochen, bald wieder geschlossen, sondern weiter genutzt. Nach früheren Angaben von Verbraucherschützern beziehen sich die meisten Kundenbeschwerden auf N26, die in 24 europäischen Märkten tätig ist und 3,5 Millionen Kunden zählt.

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