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Wertspeicher Euro : Banknotenumlauf hat sich fast verdoppelt

Euro-Banknoten: Gibt es reichlich Bild: dpa

Seit 2009 hat sich der Wert der Neuemissionen von Banknoten durch die Deutsche Bundesbank fast verdoppelt. Hauptgrund ist die Nachfrage aus Ländern jenseits des Euroraums.

          Der Umlauf der von der Bundesbank herausgegebenen Banknoten ist im vergangenen Jahrzehnt kräftig gewachsen. Insgesamt stieg der Wert der Neuemissionen von 348 Milliarden Euro (Ende 2009) auf fast das Doppelte, 635 Milliarden Euro (Ende 2017), wie die Bundesbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht bekanntgibt. Im Jahr nahm die Emission an Banknoten wertmäßig um fast acht Prozent zu, das ist deutlich mehr als das Wirtschaftswachstum. Jedes Jahr kamen netto etwa 36 Milliarden Euro neu gedruckte Banknoten hinzu.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Hauptgrund für den starken Anstieg der Nachfrage nach Banknoten ist nach Angaben der Währungshüter die Nachfrage aus dem Ausland, vor allem aus Ländern jenseits des Euroraums. Nach Schätzungen der Bundesbank liegen rund 70 Prozent der Noten (annähernd 400 Milliarden Euro) im Ausland, davon geschätzt mehr als 250 Milliarden Euro außerhalb des Euroraums. Um welche Länder es sich handelt, kann nur spekuliert werden. Oft werden Euro-Banknoten wegen ihrer Werthaltigkeit gerade in Ländern, deren eigene Währung hohe Inflation aufweist, geschätzt. Kritiker verweisen auch auf Schwarzgeld oder Vermögen aus Kriminalität, die ebenfalls in bar gehortet würden. Auch der amerikanische Dollar und der Schweizer Franken werden auf der ganzen Welt geschätzt.

          Etwa 20 Prozent der umlaufenden Euro-Noten werden im Inland „gehortet“, so die Schätzung der Bundesbank. Nur etwa fünf bis 10 Prozent würden von Bürgern, Geschäftsleuten und Banken als Mittel in der „Transaktionskasse“ genutzt, also für tägliche Bezahlvorgänge. Die Bundesbank schätzt, dass etwa 40 Milliarden Euro als Transaktionskasse fungierten. Die Bürger nutzten gut 13 Milliarden Euro zu Zahlungszwecken. Die Kassenbestände der Banken seien auf 26 Milliarden Euro angewachsen.

          Dabei habe der Wunsch Negativzinsen zu vermeiden, eine Rolle gespielt. Die Europäische Zentralbank verlangt seit Mitte 2014 einen negativen Einlagenzins, seit März 2016 liegt er bei minus 0,4 Prozent. Im gesamten Euroraum haben die Banken eine Überschussliquidität im hohen dreistelligen Milliardenbereich bei der EZB gebunkert. Ein Großteil davon stammt von deutschen Banken. Die Banken zahlen insgesamt einen niedrigen Milliardenbetrag an Strafzinsen. Um diese Strafzinsen zu vermeiden, halten sie offenbar mehr Bargeld in ihren Tresoren. Nach dem vor anderthalb Jahren beschlossenen Ende der Ausgabe von neuen Fünfhunderteuroscheinen gab es eine vermehrte Nachfrage nach Einhundert- und Zweihunderteuroscheinen im In- und Ausland.

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