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Zukunft der Bankfiliale : Bankkunden suchen die Filiale nur noch selten auf

Filiale der Hypo-Vereinsbank in Frankfurt Bild: Amadeus Waldner

Die meisten Geschäftsbanken wollen Filialen schließen, um Kosten zu senken. Die Bankkunden möchten allerdings nicht ganz auf die Zweigstellen verzichten. Die Hypo-Vereinsbank setzt nun auf „Online-Filialen“.

          Diese hohe Resonanz hat Commerzbank-Privatkundenvorstand Martin Zielke überrascht: Auf seine Frage, wer schon einmal nur im Internet eine Baufinanzierung abgeschlossen hat, meldeten sich deutlich mehr Zuhörer als zuvor. Da war es noch darum gegangen, wer im vergangenen Jahr mindestens vier Mal eine Bankfiliale für ein Beratungsgespräch aufgesucht hat. Dazu hoben deutlich weniger Teilnehmer der Veranstaltung „Bank der Zukunft“ am Donnerstag ihren Arm.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Mittelpunkt der Diskussionsrunde stand die Zukunft der Filiale. Die Veranstaltung fand ausgerechnet in den Frankfurter Doppeltürmen der Deutschen Bank statt. Deren Vorstand befasst sich gegenwärtig intensiv mit einer neuen Strategie, bei der es auch um das Privatkundengeschäft im Zeitalter der Digitalisierung geht. Aus diesem Grund musste Rainer Neske, Privatkundenvorstand der Deutschen Bank, seine Teilnahme absagen. Ihn vertrat Christian Ricken, der das Tagesgeschäft in der Sparte verantwortet. Ihm zufolge wird eine Bank im Privatkundengeschäft nur erfolgreich sein, wenn sie die Kostenvorteile nutzt. In Zukunft geht Ricken von weniger Filialen aus. Aber diese Entwicklung werde allein vom Kunden bestimmt.

          Die deutschen Bankkunden wollen aber nicht auf die Filiale verzichten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der auf Finanzdienstleistungen spezialisierten Beratungsgesellschaft Kampmann Berg & Partner. Von den 1000 befragten Bundesbürgern kommen für mehr als 90 Prozent als Hausbank nur Institute in Frage, die auch Filialen betreiben. Laut Ricken haben die Kunden auch den Abbau der Filialen seit Ende der neunziger Jahre bestimmt. In diesem Zeitraum hat die Deutsche Bank die Zweigstellen unter eigener Marke von 1200 auf 700 abgebaut. Damals hatte Ulrich Cartellieri, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank von 1981 bis 1997, auch noch die Filialen als Mühlstein der Banken bezeichnet.

          Die Hypo-Vereinsbank will das Filialnetz am stärksten ausdünnen

          Dieser Sichtweise wollte Zielke nicht folgen. Die Filiale sei auch in Zukunft nötig, um den Kunden zu erreichen. Die Welt der Banken werde sich ändern, aber persönliche Beratung werde es immer geben. „Das Privatkundengeschäft wird ganz klar digitaler sein, aber auch weiterhin persönlich“, sagte Zielke. Alle auf dem Podium waren sich einig, dass die Filiale als Ort der persönlichen Beratung Bedeutung haben wird. Doch setzt Peter Buschbeck, Privatkundenvorstand der Hypo-Vereinsbank, auch auf die „Online-Filiale“. Die kann der Kunde per Telefon oder im Internet erreichen. Es soll auch feste Ansprechpartner geben, doch die Hand wird der Kunde ihnen nicht geben können. Nach Ansicht von Buschbeck, dessen Bank das Filialnetz unter den deutschen Großbanken am radikalsten ausdünnt, gibt es im Jahr 500 Berührungspunkte mit dem Kunden. Davon entfallen nur eins bis drei auf den Filialbesuch.

          Eine Million Kundenkontakte hat die Deutsche Bank am Tag über die Filialen ihrer Tochtergesellschaft Postbank. Das liegt laut Ricken daran, dass in deren Zweigstellen die Dienstleistungen der Post angeboten werden. Die Erträge aus dem Verkauf von Briefmarken und anderen Dienstleistungen nehme er gerne mit, auch wenn in London darüber nur gelächelt werde. Am dortigen Finanzplatz ist das Investmentbanking der Deutschen Bank verankert. Laut Ricken sind alle Filialen hochprofitabel. Hohe Kosten fielen in den Abwicklungsbereichen und bei den Plattformen an.

          Anmerkung

          Die im Text erwähnte Consulting Firma Kampmann Berg & Partner firmiert mittlerweile unter dem Namen Berg Lund & Company.

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