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Konto für die Kleinen : Jetzt geht es den Kindern ans Geld

Bankkunden von heute bleiben meist auch Bankkunden von morgen. Bild: dpa

Die Banken umgarnen die jüngsten Kunden. Denn noch nie hatten Kinder so viel Geld zur Verfügung wie heute. Was Eltern beachten müssen, wenn sie ein Konto für ihren Nachwuchs eröffnen.

          3 Min.

          Kind sein war noch nie so schön wie heute. Nicht nur, dass wir in Europa in einer Phase des Friedens wohnen, sondern auch in einer des Wohlstandes. Noch nie hatten Deutschlands Kinder so viel Geld zur Verfügung wie heutzutage. Das geht aus einer Studie des Egmont Ehapa Verlags hervor. Im Schnitt bekamen die 6- bis 13-Jährigen 27,56 Euro im Jahr 2013. Das sind 38 Cent mehr als noch im vergangenen Jahr. Hinzu kommen Geldgeschenke von durchschnittlich 170 Euro pro Jahr, etwa zum Geburtstag, zu Weihnachten oder Ostern. Mädchen bekommen dabei etwas mehr Geld als Jungs.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Insgesamt hat diese Altersgruppe durch ihr Taschengeld und auf ihren Sparbüchern rund 5 Milliarden Euro zur Verfügung. Und viele Banken und Sparkassen schielen eben auf dieses Geld. Sie bemühen sich, dass die Kinder ihr Geld nicht mehr in ihre buntbemalten Sparschweine stecken, sondern in die kalten Tresorräume der Banken.

          Riesengeschäft für die Banken

          Nicht umsonst haben mehr als 2 Millionen Jugendliche unter 16 Jahren bereits ein Konto bei der Sparkasse. Offiziell sagen viele Banken, sie wollen so einen Beitrag zur verantwortungsvollen Erziehung des Nachwuchses mit Geld ermöglichen. Die schnöde Wahrheit ist: Es geht den Banken um ein Riesengeschäft. Weniger, weil sie an den 5 Milliarden Euro unglaublich viel Geld verdienen würden. Es gilt vielmehr, die Kinder so lang wie irgendwie möglich an die Bank zu binden. Denn viele von ihnen kehren ihrer ersten Bank auch nach Erreichen der Volljährigkeit nicht mehr den Rücken. Wenn dann das erste Auto oder später das eigene Haus finanziert werden muss, winkt das Geschäft.

          Bild: F.A.Z.

          Daher hat nahezu jedes Geldhaus ein Konto im Angebot, welches sich an Kinder, Jugendliche und junge Menschen richtet. Die Geldinstitute legen sich für ihre jüngsten Kunden richtig ins Zeug. So bieten sie zum Beispiel eine kostenfreie Kontoführung an oder eine Verzinsung, die um einiges höher liegt als die von Standardkonten für Erwachsene.

          Doch von vorn. Da Kinder noch nicht geschäftsfähig sind, müssen sowieso die Eltern für ihren Nachwuchs das Sparbuch oder das Girokonto anlegen. Das erlauben die Banken oft, sobald die Kinder fünf oder sechs Jahre alt sind, manche aber auch erst ab zehn Jahren. Grundsätzlich gilt: Solange die Kinder noch nicht einmal zählen können, lohnt sich auch ein Konto nicht. Zuerst sollten sie ein Verständnis für Geld und Zahlen entwickelt haben, dann kann das Konto kommen.

          Beim Abschluss des Kontos gibt es oftmals zahlreiche Extras dazu. So betreiben die Sparkassen etwa die Knax-Comicserie und Knax-Fanclubs, um junge Sparer für die Bank zu begeistern. Außerdem gibt es eine Sparbüchse oder andere Überraschungen dazu. Auf solche Gimmicks für Kinder setzen aber auch andere Banken: Bei der Hypo-Vereinsbank gibt es zum Konto eine Box voll mit Lego-Bausteinen dazu und eine Karte, die kostenlosen Eintritt in einige Freizeitattraktionen wie das Legoland, Madame Tussaud in Berlin, den Hamburger Dungeon oder die Sealife Center verschafft.

          Bei einigen Instituten gibt es neben den Begrüßungsgeschenken auch dauerhafte Leistungen wie Kinogutscheine, Rabatte in Fastfood-Restaurants oder günstige Tickets und Handytarife. Doch hier sollte man grundsätzlich die Augen offen halten: Oftmals kosten diese Extras auch extra Geld. Gerade wenn bei Kindern und Jugendlichen nur sehr geringe Geldbeträge jeden Monat eingehen, ist der Nutzen oftmals geringer als die Kosten.

          Worauf es ankommt

          Denn auch wenn den Nachwuchs die Lego-Bausteine oder die Comicfiguren am meisten begeistern – es sollte sich vor allem ums Geld drehen. Daher sollte der erste Blick immer den Konditionen gelten. Für fast alle Kinder und Jugendlichen ist ein Konto, welches ohne Gebühren auskommt, die beste Wahl. Denn sonst würden die relativ niedrigen Beträge, welche die Kinder einzahlen, von den Gebühren sofort gefressen. Auch darüber hinaus sollte es keine Gebühren für Einzahlungen, Auszahlungen, Kontoauszüge oder andere Leistungen geben. Sowohl die Kontoführung als auch eine Bankkarte sollten kostenlos mit im Angebot sein.

          Und auch bei den kleinen Sparern kommt es auf die Verzinsung an. Und zur Freude des Nachwuchses ist diese oft deutlich höher als bei Konten für Erwachsene. So bietet die Hamburger Sparkasse für alle Sparer bis 14 Jahre ein Konto mit einer jährlichen Guthabenverzinsung von 3 Prozent an für Guthaben bis 500 Euro – Konditionen, von denen andere nur träumen können. Die PSD Nordbank bietet ebenso 3 Prozent Zinsen bis zu einem Guthaben von 1500 Euro pro Jahr an. Doch auch bei diesen Konten geht das weltweit niedrige Zinsniveau nicht spurlos vorbei: Im Vorjahr lag die Verzinsung noch bei 3 beziehungsweise 5 Prozent. Der Grund für die Geld-Obergrenze bei der hohen Verzinsung: Die Banken wollen verhindern, dass die Kinder als Strohmänner missbraucht werden, um hohe Zinsen abzustauben.

          Dagegen bietet die Frankfurter Sparkasse nur eine Verzinsung von 0,35 Prozent an – und bewirbt das als „attraktive Verzinsung“. Immerhin sind diese Konditionen leicht besser als die des Erwachsenen-Sparbuchs, welches mit 0,2 Prozent verzinst wird.

          Viele Eltern legen außerdem darauf Wert, dass ihre Kinder langsam den Umgang mit Geld lernen. Bei der Hamburger Sparkasse können Kinder etwa selbst Beträge abholen, die vorher mit den Eltern vereinbart wurden. Manche Institute haben dafür auch eingeschränkte Geldkarten, auf die Guthaben aufgeladen werden können, welche die Kinder dann abholen können. Das wichtigste Kriterium sollte aber Freundlichkeit sein: Wenn eine griesgrämige Mitarbeiterin hinter dem Bankschalter sitzt, wird es den Kindern nie Spaß machen, mit Geld umzugehen.

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