https://www.faz.net/-hbv-8783e

Bezahlen beim Geldabheben : Auf dem Weg zur gebührenfinanzierten Bank

Es wird immer teurer: Immer mehr Banken erhöhen infolge sinkender Zinseinnahmen alle möglichen Gebühren – etwa für Abhebungen am Geldautomaten. Bild: AP

Negative Zinsen können die Banken nicht an den Privatkunden weitergeben. Einige drehen deshalb an der Gebührenschraube. Zum Beispiel bei den Geldautomaten.

          In der nächsten Woche geht es los: Vom 1. September an verlangt die Deutsche Bank eine gut doppelt so hohe Gebühr wie bisher, wenn Kunden anderer Institute, die nicht zur sogenannten Cash Group der großen Privatbanken gehören, an ihren Automaten Geld abheben wollen. Zu zahlen sind dann 3,95 Euro statt bisher 1,95 Euro.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Commerzbank folgt zum 1. Oktober und nimmt 3,90 Euro statt 1,95 Euro. Kleinere Institute wie die Nationalbank in Essen haben schon im Juli die Gebühren angehoben, in ihrem Fall von 1,95 Euro auf 4,50 Euro. In jedem der Fälle waren die Gebühren seit 2011 konstant und werden jetzt deutlich angehoben. Allerdings nur für Kunden fremder Institute, für eigene bleibt Geldabheben unentgeltlich.

          Auf den ersten Blick beseitigen die großen Banken damit nur eine Ungerechtigkeit, die es bislang gab: Wenn bislang Kunden von Großbanken bei Sparkassen und Volksbanken Geld abheben wollten, mussten sie dafür zum Teil horrende Gebühren von bis zu 7 Euro und mehr zahlen - wohingegen umgekehrt die großen Privatbanken von den Kunden der Sparkassen und Volksbanken nur 1,95 Euro nahmen; darauf hatten sie sich in einer Vereinbarung festgelegt. Jetzt haben einige der Privatbanken die Vereinbarung gekündigt und heben die Gebühren an.

          Keine Einnahmen durch negative Zinsen

          Auf den zweiten Blick aber steht hinter der drastischen Anhebung der Geldautomaten-Gebühren eine andere bemerkenswerte Entwicklung. Als die Europäische Zentralbank im vorigen Jahr anfing, von Banken negative Zinsen für Einlagen zu nehmen, da sagten Ökonomen wie Hans-Peter Burghof von der Universität Stuttgart-Hohenheim voraus, es werde bei den Banken eine Welle der Gebührenerhöhungen geben - weil es den Banken kaum möglich sein werde, die negativen Zinsen an Privatkunden weiterzugeben, aber sie trotzdem irgendwie gucken müssten, wie sie an Erträge kämen.

          Nun sind die Geldautomatengebühren für die Banken ein relativ kleiner Posten, aber immerhin: Der Darmstädter Bankenprofessor Dirk Schiereck jedenfalls meint, der Ärger mit den negativen Zinsen und die geringe Marge im Zinsgeschäft im Augenblick dürften die wichtigsten Gründe sein, warum die Banken nach einer so langen Phase der Stagnation der Automatengebühren diese jetzt so drastisch anheben.

          Zunächst war es die Sparda-Bank in Berlin gewesen, die ihren Kunden höchst offiziell in einem Brief mitteilte: Weil die Bank von den Kunden keine Negativzinsen verlangen wolle, erhöhe sie jetzt die Gebühren. Das gebührenfreie Girokonto gebe es fortan nur noch für Genossenschaftsmitglieder mit regelmäßigem Gehaltseingang. Die Bankkarte koste nun extra. Und die Kreditkarte werde teurer. „Als Genossenschaftsbank sind wir unseren Mitgliedern gegenüber verpflichtet, kostendeckend zu wirtschaften“, begründete eine Banksprecherin den Schritt.

          Preis für die Bargeldversorgung

          Mehrere andere Banken verlangen schon seit einiger Zeit von Großkunden negative Zinsen für kurzfristige Einlagen, die Deutsche Skatbank auch von Privatkunden bei sehr großen Beträgen. Auch bei der Erhöhung der Geldautomaten-Gebühren wird bei einigen, wenn auch nicht bei allen Instituten auf die komplizierte Lage an der Zinsfront verwiesen. Bei der Sparkasse Osnabrück beispielsweise heißt es: „Da die Ertragssituation sich aufgrund der extrem niedrigen Zinsen und immer weiter steigender Kosten deutlich verschlechtert hat, haben wir eine moderate Steigerung der Gebühren für Fremdabhebungen vorgenommen.“

          Die Sparkasse nimmt jetzt 2,95 Euro statt 1,95 Euro. Ähnlich ist es bei der Stadtsparkasse in Solingen, die ihre Gebühren von 2,50 auf 2,95 Euro angehoben hat. In der Hypovereinsbank, die bislang noch bei den niedrigen alten Gebühren von 1,95 Euro geblieben ist, scheint man noch zu überlegen, ob man diese auch anhebt - eine Entscheidung ist aber wohl noch nicht gefallen.

          Große Unterschiede: Die Raiffeisenbank in Asbach-Sorga verlangt sogar 7,50 Euro pro Abhebung.

          Zu den teuersten Banken auf diesem Gebiet gehören unterdessen einige kleinere Institute, die Raiffeisenbank Asbach-Sorga bei Bad Hersfeld beispielsweise nimmt immer noch 7,50 Euro. Die Banken selbst argumentieren gern, die Geldautomaten seien für sie kein Geschäft, die höhere Gebühren deckten lediglich gestiegene Kosten. Das ist vermutlich nicht leicht zu widerlegen, je nach Institut mögen die Kosten für die Bargeldversorgung unterschiedlich sein.

          Beobachtungen des Kartellamts

          Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte dazu mal Fachleute befragt, die schätzten, je Abhebevorgang entstünden den Banken etwa Kosten von 30 bis 70 Cent - also viel weniger, als sie nehmen. Auch das Bundeskartellamt hatte seinerzeit mal untersucht, ob die Banken hier vielleicht überhöhte Preise verlangen; aktuell gebe es aber kein konkretes Verfahren, sagte ein Sprecher: „Wir beobachten die Marktentwicklung aber weiterhin aufmerksam.“

          Als Schutz gegen die immer stärker werdenden Internetbanken scheinen die höheren Automatengebühren jedenfalls nicht zu funktionieren. Wie ein Sprecher der ING Diba sagte, können ihre Kunden weiterhin mit der Visacard fast überall unentgeltlich Geld abheben. Nur ganz wenige Institute hätten als Reaktion ihre Automaten für Visa-Karten gesperrt.

          Weitere Themen

          Kommt die „Gewinnrezession“?

          Angst an den Börsen : Kommt die „Gewinnrezession“?

          Analysten rechnen mit einem Rückgang der Unternehmensgewinne in mindestens zwei Quartalen – dann wäre von einer Rezession die Rede. Ein besonderer Fokus liegt auf den Technologiewerten.

          Topmeldungen

          Viel Verkehr wenig frische Luft zum Atmen. Doch wie gesundheitsgefährdend ist es, an einer vielbefahrenen Straße zu leben?

          F.A.S. exklusiv : Lungenärzte wehren sich im Streit um Stickoxid-Grenzwerte

          Die Grenzwerte für Diesel-Abgase sind nicht richtig, sagt der Lungenarzt Dieter Köhler. Doch er hat sich verrechnet. Jetzt kontert der Mediziner. Und auch seine Unterstützer bleiben ihm treu – sie feilen an einer gemeinsamen Erklärung.

          Rede auf Sicherheitskonferenz : Die (fast) entfesselte Angela Merkel

          Die Kanzlerin beschwört in München zu Recht die transatlantische Partnerschaft und die Bedeutung der Nato. Denn bei allem Dissens zwischen Amerika und Deutschland – die Gemeinschaft des Westens darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.