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Banken : Strafgebühr für das Girokonto

Keine Freude: Viele Banken erheben von ihren Kunden Gebühren für den Betrieb eines Girokontos. Bild: dpa

Klammheimlich erhöhen die Banken die Gebühren für das Girokonto. Denn die niedrigen Zinsen verderben ihnen das Geschäft. Aber für die Kunden gibt es einen Ausweg.

          Gejammert wird schon lange über die niedrigen Zinsen in Europa, die teilweise schon ins Negative gerutscht sind. Aber dass nicht nur die Sparer, sondern alle Bankkunden über ihre Girokonten darunter leiden, ist noch kaum aufgefallen. Bis die Postbank kam.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Als sie kürzlich ankündigte, wegen der niedrigen Zinsen für jede Überweisung auf Papier eine Gebühr von 99 Cent einzuführen, war der Aufschrei groß – obwohl nur vier Prozent der Überweisungen noch auf Papier erfolgen. Entscheidend war die Signalwirkung: Die Banken erhöhen die Gebühren, weil die niedrigen Zinsen ihre Überschüsse zusammenschmelzen lassen. Normalerweise verdienen sie gut daran, das Geld, das auf den Girokonten und Tagesgeldkonten liegt, als Kredit an andere Kunden weiterzureichen.

          Doch je weniger Zins sie für den Kredit verlangen können, umso kleiner die Margen. Hinzu kommt: Für Kundengelder, die die Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken, bekommen sie keinen Zins mehr, sondern müssen sogar noch Zinsen zahlen.

          Dienstleistung habe ihren Preis

          Die gestiegenen Kosten wollen sich die Banken nun zurückholen. Einige Banken haben das über Strafzinsen für hohe Einlagen gemacht. Die Postbank, die viele Kleinsparer hat, dreht lieber an der Gebührenschraube. So wurde sie zum Prügelknaben in der Öffentlichkeit. Viele andere machen das aber auch so – nur diskreter. Sie erhöhen für einige Kontotypen die monatliche Gebühr (BW Bank, Stadtsparkasse Düsseldorf, Commerzbank) oder die Gebühren für die Kredit- und Maestro-Karte (Stadtsparkasse Wuppertal, Spardabank Berlin, Commerzbank). Oder eben wie die Postbank die Kosten für Buchungen auf Papier wie Überweisungen, aber auch Schecks (Santander Consumer Bank). Auch die weiter hohen Dispozinsen, die viel langsamer als der Marktzins sinken oder auch gar nicht, helfen den Banken. Resultat: Die Bankkunden zahlen für die Geldpolitik der EZB.

          Und das dürfte nur der Auftakt sein. Das Anleihekaufprogramm der Notenbank drückt die Zinsen weiter und verschärft damit das Problem. Betroffen sind vor allem Sparkassen und Volksbanken. Sie leben besonders stark vom Einlagen- und Kreditgeschäft und weniger von den Provisionen bei Wertpapierkäufen, die sich gerade gut entwickeln. Deren Kunden müssen sich auf Gebührenerhöhungen einstellen. Die Verbraucher müssten wieder lernen, dass reelle Bankdienstleistungen auch einen reellen Preis hätten, „vor allem in einem schwierigen Umfeld wie der Niedrigzinsphase“, sagt sogar der geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke. In vielen Instituten werde daher wieder darüber nachgedacht, Gebühren und Preise zu erhöhen.

          Die Frankfurter Sparkasse, eine der größten in Deutschland, hat die Gebühren 2014 und dieses Jahr zunächst konstant gelassen. Erhöhungen will ein Sprecher auf Anfrage nicht ausschließen, betont aber: „Es gibt derzeit keine Pläne dazu.“ So ähnlich formuliert das auch die Frankfurter Volksbank. Und die Commerzbank, die ja schon einige Preise erhöht hat: „Es gibt derzeit keine Beschlüsse dazu.“ Die kann es freilich schnell geben.

          Wechselprämie für Neukunden

          Was heißt das nun für die Bankkunden? Es gibt eine gute Botschaft: Genug Banken bieten das Girokonto weiter ganz kostenfrei an. Und locken teilweise sogar noch mit einer Wechselprämie von bis zu 100 Euro. Die Kontoführung ist bei den meisten Banken kostenlos. Für Online-Überweisungen und Daueraufträge muss dann nichts bezahlt werden. Überweisungen auf Papier oder eingereichte Schecks kosteten hingegen schon vor der Niedrigzinsphase oft Geld, weil die Bearbeitung mit größerem Aufwand verbunden ist. Damit das Konto kostenfrei bleibt, wird häufig verlangt, dass dort Geld in Höhe von 1000 bis 1300 Euro im Monat eingeht, zum Beispiel das Gehalt.

          Unterschiede zwischen den Banken gibt es vor allem bei Kreditkarten, der Höhe des Dispozinses und der Zahl der Geldautomaten, die kostenloses Abheben ermöglichen. Bei den drei Kriterien bieten die Direktbanken bessere Konditionen als die Geschäftsbanken und Sparkassen, die noch teure Filialen betreiben. Direktbanken verzichten darauf und sind daher günstiger. Die Transaktionen und Fragen des Kunden werden über Internet oder telefonisch erledigt.

          Die meisten dieser Direktbanken erheben keine monatliche Kontoführungsgebühr, geben die Kreditkarte kostenlos und verlangen bei Überziehung des Kontos Dispozinsen von unter acht Prozent und damit viel weniger als die Geschäftsbanken. Die meisten ermöglichen zudem, mit der Kreditkarte kostenlos Geld an allen Automaten weltweit abzuheben.

          Die Geschäftsbanken und Sparkassen verlangen hingegen zum Teil sogar noch monatliche Gebühren. Die Kreditkarte kostet zwischen 20 und 40 Euro im Jahr. Kostenloses Geldabheben ist für die Kunden meist nur an den Automaten der eigenen Bankengruppe und ihrer Kooperationspartner möglich. An fremden Automaten sind Gebühren zwischen zwei und fünf Euro fällig.

          Und der Dispokredit kostet elf Prozent und mehr. Hier ragen nur die Targobank (früher Citibank) und die Santander Bank (früher SEB Bank) mit Dispozinsen von knapp acht Prozent positiv heraus. Santander gibt zudem die Kreditkarte umsonst ab. Und verzinst das Kontoguthaben sogar mit einem symbolischen Zinssatz von 0,25 Prozent. Das machen auch DAB- und DKB-Bank.

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