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Ausgemustert : Fondsanleger machen A380 zum Ersatzteillager

Noch in Diensten von Air France: Doch die französische Fluggesellschaft verabschiedet sich schrittweise von ihren A380 Bild: Reuters

Immer mehr gebrauchte Riesenflieger finden keine Abnehmer und werden in Einzelteile zerlegt. Das letzte Wort haben die Investoren.

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          Große Passagierflugzeuge fliegen nicht selten ein Vierteljahrhundert und mehr, wenn sie gut gewartet und durch Unfälle nicht zu stark beschädigt werden. Zunächst tun sie das oft für erstklassige Fluggesellschaften, bis sie dort ausgemustert eher in zweiter oder dritter Reihe neue Verwendung finden.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dass aber Giganten der Lüfte wie das vierstrahlige Großraumflugzeug Airbus A380 im besten Alter aus dem Verkehr gezogen werden und als bloßes Ersatzteillager für andere herhalten müssen, daran muss man sich gewöhnen. Doch genau dies geschieht immer öfter.

          Zwei A380 wurden im Vorjahr schon in ihre Einzelteile zerlegt, da kein passender Abnehmer auf dem Gebrauchtmarkt gefunden wurde – sei es als Käufer oder als Leasingnehmer. Diese Jets waren zuvor zehn Jahre lang für den A380-Erstkunden Singapore Airlines rund um die Welt unterwegs gewesen und durch geschlossene Fonds der Dr. Peters Group finanziert worden (DS 129 und 130). Nun könnte einem dritten A380 ebenfalls das Schicksal der Demontage drohen. Dieser Flieger stand lange in Diensten von Air France.

          Zwei Flugzeuge von Air France kommen zurück

          Die französische Fluggesellschaft hatte ihn ebenfalls von der Fondsgesellschaft Dr. Peters gemietet. Hier geht es um Fonds DS 135 und rund 3000 Anleger sowie 69 Millionen Euro. Die Zukunft eines weiteren A380, der ebenfalls aus der Air-France-Flotte stammt und laut Leasingvertrag im August an Dr. Peters zurückfällt, ist noch unklar (Fonds DS 136 mit 3000 Investoren, 69 Millionen Euro Volumen). Auch hier wäre ein Zerlegen denkbar.

          Voraussetzung für die Demontage des ersten A380 von Air France – er wird Mitte Februar zurück erwartet – ist, dass die betroffenen Fondsanleger einem entsprechenden Vorschlag von Dr. Peters zustimmen, wie die F.A.Z. erfahren hat. Es gilt einen „Vorratsverkaufsbeschluss“ zu fällen. Kurzum: Die Fondsinvestoren entscheiden, ob das Flugzeug zerlegt und die Einzelteile verkauft werden könnten („Part Out“); andere Optionen bleiben trotzdem möglich. Es bedarf einer Dreiviertelmehrheit der Gesellschafter, um einen solchen Beschluss zu fassen. Sollte diese nicht zustande kommen, so müsste vielleicht ein neuer Leasingnehmer gesucht werden.

          Brief an die Fondsbesitzer

          Der Brief an die Gesellschafter, der diese zur Versammlung am 4. Februar in Dortmund einlädt, wurde vor einer Woche versandt. Ungeachtet der äußerst schwierigen Rahmenbedingungen zur Vermarktung gebrauchter A380 sei es gelungen, für das Flugzeug des Fonds eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung mit Air France zu vereinbaren, heißt es dort. Im Sommer 2019 hätte die französische Fluggesellschaft angekündigt, alle A380 bis zum Jahr 2022 aus dem Flugbetrieb zu nehmen.

          A380-Großkunde Emirates

          Nachdem selbst Großkunde Emirates immer weniger Interesse gezeigt hatte, war die Misere durch das von Airbus im Februar angekündigte Produktionsende noch deutlicher geworden. Fluggesellschaften setzen auf der Langstrecke, Paradedisziplin des A380, inzwischen vor allem moderne und effizientere zweistrahlige Flugzeuge ein wie A350. Boeing 777 und 787 („Dreamliner“)

          Trotz aller Anstrengungen sei es bisher nicht möglich gewesen, eine „anderweitige Vermietung des Flugzeugs zu realisieren“, heißt es in dem Brief. Umso positiver sei die mit Air France vereinbarte Alternative zu bewerten. Statt „wie vereinbart die normalerweise bei einer Rücklieferung eines Leasingflugzeuges notwendigen Überholungen durchzuführen“, werde Air France eine Kompensationszahlung leisten und zudem die Triebwerke des Flugzeugs mieten. Aus diesen Einnahmen und bisher geleisteten Auszahlungen ergebe sich die notwendige Liquidität, um einen vollständigen Kapitalerhalt sicherzustellen. Um zudem „aus dem Restwert des Flugzeugs das bestmögliche Ergebnis zu erzielen“, sei die Fassung eines Vorratsverkaufsbeschlusses notwendig.

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